Die Polizei-Sondereinheit Digos ermittelt gegen eine Gruppe Jugendlicher. Wegen eines Videos. Laut dem Sozialpädagogen Thomas Kobler ist die Gruppe eindeutig rechtsextrem. In den vergangenen Jahren seien extreme Tendenzen immer salonfähiger geworden. Hat sich in Südtirol ein Gruppe mit rechtsextremem Gedankengut gebildet oder sind das einfach nur junge Patrioten, die gerne Sport treiben und um neue Mitglieder werben? Die Polizei ermittelt jedenfalls gegen die Gruppierung “Junge Aktion”, das meldet unter anderem die Nachrichtenagentur ANSA. Diese hat vor fünf Tagen ein Video auf Instagram und TikTok veröffentlicht, das in Südtirol spätestens seit Mittwoch für Gesprächsstoff sorgt, und über das die neue Südtiroler Tageszeitung als erstes berichtet hat: Bekleidet mit Sturmmasken in den Landesfarben weiß und rot treiben vier Männer auf einem Sportplatz in St. Georgen bei Bruneck in einem Video Sport – und sie rufen Südtiroler Mitbürger auf, aktiv zu werden, aktiv in der Bewegung “Junge Aktion”. Im Begleittext auf Instagram steht: “Wir sind die Speerspitze der volkstreuen Jugend in Südtirol, eine Jugend die ihr Land nicht aufgibt. Wir sind organisiert, diszipliniert und aktiv – und wir holen unser Land zurück!” Experte: Eindeutig rechtsextrem Thomas Kobler ist Sozialpädagoge. Er befasst sich seit vielen Jahren auch mit dem Thema Rechtsextremismus – und er hat sich dieses Video genau angeschaut. Die Form sei nichts Neues, sagt er. Die Machart erinnere ganz stark an eine Gruppierung aus der Schweiz. Und: Einer der jungen Herren, die zu sehen sind, forme seine Hand zum White-Power-Gruß, erklärt Kobler: “Der White-Power-Gruß ist ein Wiedererkennungswert in der Neonazi-Szene, in der rechten Szene, der die Vormachtstellung der weißen Rasse in Europa oder in den USA fordert.” Es handle sich also um eine eindeutig rechtsextreme Gruppierung, folgert der Experte.
via rai: Experte warnt vor Verharmlosung von Rechtsextremismus in Südtirol
siehe auch: Neue rechtsextreme Südtiroler Gruppe mit Österreich-Konnex ruft dazu auf, “aktiv zu werden” Die “Junge Aktion” liest Sellner und macht Kraftsport. Sie wollen sich das Land zurückholen und haben bekannte Follower aus der rechtsextremen Szene. “Grüße in die Runde”, schreibt “brauneradler”, laut Eigenbeschreibung Gründer einer Bürgerwehr in Deutschland. “Wahrhaftig weiter so”, kommentiert “kampfesgeist.88”, in dessen Instagram-Profil “Vaterland oder Tod” in Frakturschrift geschrieben steht. Die Kommentare finden sich unter einem Video des Instagram-Accounts “Junge Aktion”, die dazu aufruft, “aktiv zu werden”. Es handelt sich dabei offenbar um eine rechte Neugründung im extremistischen Milieu Südtirols einiger junger Männer. Ihr Wappen zieren Flammen hinter einer Bergkette. Das Video wurde Mitte April hochgeladen. Einige Südtiroler Medien wie Die Neue Südtiroler Tageszeitung und nun auch die Tiroler Tageszeitung berichteten darüber, auch über Verbindungen der Gruppe nach Österreich. Die mit Sturmhauben in den Tiroler Landesfarben weiß-rot-maskierten Männer bezeichnen sich als “Speerspitze der volkstreuen Jugend in Südtirol”. Sie zeigen sich beim Sport, Baden und Lesen. Die einschlägige Literatur in ihren Händen ist unter anderem das Werk Remigration des bekannten österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Man sei “organisiert, diszipliniert und aktiv” und bestrebt, sich das Land zurückzuholen, heißt es im Begleittext des Videos. Gefordert wird auf Stickern neben der Abschaffung des NS-Verbotsgesetzes auch die Freilassung eines bekannten Südtiroler Neonazis, mit Handzeichen wird eine vermeintliche Übermacht der weißen Rasse symbolisiert.