Am Samstag nahmen 300 Personen an einem Gedenkevent für Christo Lukow in der bulgarischen Hauptstadt teil. Der NS-Kollaborateur gilt als “wichtigster bulgarischer Förderer des Holocausts”. Es sind gespenstische Szenen, die an faschistische Aufmärsche der 1930er-Jahre erinnern. Die Organisatoren tragen paramilitärische Uniformen, hunderte Rechtsextreme stehen mit Fackeln in Reih und Glied und skandieren den Namen des wohl bekanntesten Antisemiten Bulgariens: Christo Lukow. Der von den Organisatoren selbst so bezeichnete Lukow-Marsch zog in der Hochphase tausende Teilnehmer an und galt als eines der zentralen Vernetzungstreffen der europäischen Neonaziszene. In den vergangenen Jahren stagnierte die Teilnehmerzahl jedoch: Eine starke Polizeipräsenz, behördliche Auflagen, internationale Kritik sowie antifaschistischer Gegenprotest brachten die Organisatoren unter Druck und schwächten das Mobilisierungspotenzial. Der faschistische Charakter der Veranstaltung und die offene NS-Glorifizierung wirken trotz Auflagen und Verbotsversuchen anziehend für Neonazis aus ganz Europa. Dieses Jahr beteiligten sich Beobachtungen zufolge Rechtsextreme unter anderem aus Italien, Frankreich, Ungarn, Spanien, Rumänien, Tschechien und Deutschland. Drahtzieher des Holocausts in Bulgarien Christo Lukow (1878–1943), General und Kriegsminister im zaristischen Bulgarien, kollaborierte schon früh mit den Nationalsozialisten. Er führte in den 1940ern die faschistische Union der Bulgarischen Nationallegionen (UBNL) an, deren Jugendorganisation das Hakenkreuz im Emblem hatte. (…) Der diesjährige Lukow-Marsch hätte eigentlich schon am 15. Februar stattfinden sollen, wurde aber von den Organisatoren um eine Woche verschoben, um eine Überschneidung mit einem geschichtsrevisionistischen Neonazi-Gedenken in Dresden zu vermeiden. Die Koordinierung mit Rechtsextremen außerhalb Bulgariens zeigt die internationale Rolle und Relevanz der Veranstaltung. Am 15. Februar hielten bulgarische Neonazis trotz der Verschiebung eine kleine “Generalprobe” ab. Eine geplante Demonstration wurde beim Kulturpalast untersagt, die Gedenkveranstaltung mit Fackeln und Reden vor Lukows Wohnhaus durfte aber unter polizeilicher Aufsicht stattfinden. An der Veranstaltung beteiligten sich die rechtsextreme Gruppe Jugend für Bulgarien, die faschistische BNU und deren Jugendorganisation Junge Garde. Nur drei Tage später demonstrierten abermals Neonazis im Zentrum Sofias, anlässlich der Hinrichtung des Nationalhelden Wassil Lewski am 18. Februar 1873. Hinter dem Transparent: Neonazi-Aktivisten der Gruppe Nationaler Widerstand, die sich auch am Lukow-Marsch beteiligte.
via standard: Paramilitärische Uniformen, Fackeln, Parolen: Trotz Verbots Neonazi-Gedenkmarsch in Sofia