Die terroraffine Subkultur auf Telegram hat einen eigenen Namen: Terrorgram. Seit ein paar Wochen wird die neue „Terrorgram Publikation“ mit dem Titel „The Hard Reset“ beworben, die am Mittwoch erscheinen soll. Ein gebündelter Aufruf zum Terror – von der Szene für die Szene. Aber welche Rolle kommt solchen Publikationen zu und steigt dadurch die Terrorgefahr? „Ein Werk des Todes und zugleich ein Kunstwerk in Form einer Publikation“ heißt es in einer Ankündigung auf einem rechtsterroristischen Kanal und in anderen heißt es, es soll „die finale Lösung bereit halten für alle Probleme der heutigen Zeit“. Auch in anderen Gruppen wird die neue „Terrorgram Publikation“ beworben. Große Töne für ein PDF-Dokument, das den Hass der Szene befeuern und die Gefahr von rechtsterroristischen Anschlägen erhöhen soll. Schon Wochen vor dem Erscheinungsdatum, am 14. Juli, machten Terrorkanäle mit gewohnt martialischer Ästhetik darauf aufmerksam (…) Die akzelerationistische Auffassung ist mittlerweile einer der zentralen Motoren der internationalen, digital-affinen, rechtsterroristischen Szene. Der Idee nach sind westliche Demokratien irreparabel zerstört, fremdbestimmt und von feindlichen Ideologien durchsetzt. Durch extreme Gewalttaten ließe sich jedoch der gesellschaftliche Kollaps aktiv beschleunigen, um schließlich auf dem Trümmerfeld der Demokratie eine „weiße“ Vorherrschaft zu errichten. Entfesselte Gewalt als einzige Lösung ist nicht neu in der Szene, die sich viel über den Messengerdienst Telegram vernetzt und dort die Bezeichnung „Terrorgram“ bekommen hat. Schon der Attentäter von Christchurch, der 51 Menschen in zwei Moscheen ermordete, war ein Verfechter des Akzelerationismus. Möglicherweise ein „erhöhtes Risiko zur Gewalt“ Trotzdem warnten Beobachter*innen bereits vor der Veröffentlichung. Die Counterterrorism Group (CTG), eine US-amerikanische Organisation, die terroristische Aktivitäten weltweit beobachtet und Behörden und Personen auf potenzielle Gefahren aufmerksam macht, sah sich deshalb zu einer Blitzwarnung veranlasst. Demnach drohe ein „erhöhtes Risiko zur Gewalt“ infolge der Publikation und ihr Ziel sei „aller Wahrscheinlichkeit nach, Rechtsextreme zu ermutigen, in den Tagen nach dem 14. Juli Terroranschläge zu begehen“. Oberstes Ziel: die Verbreitung von Terroraufrufen Die Journalistin Karolin Schwarz beobachtet die Onlineaktivitäten von Rechtsextremen schon lange. Um die Gefahr richtig einschätzen zu können, hält sie es für wichtig, die Funktionsweise von rechtsterroristischen Online-Subkulturen zu verstehen. Nach wie vor hätten Pamphlete und Videos von Rechtsterroristen einen hohen Stellenwert. Sie werden als „Saints“, sogenannte „Heilige“, verehrt und dienen anderen als Vorbild für ihre Taten. „Dieser Aspekt des Personenkults fehlt in der anonymen Publikation komplett“, so Schwarz. Dennoch will sie die Gefahr nicht kleinreden und geht davon aus, dass sich viele Szenemitglieder die Veröffentlichung herunterladen und verbreiten werden. Am Ende messe sich die Gefahr am Inhalt der Publikation: „Als Indiz können unbekannte Informationen zu Rechtsterroristen oder konkrete Anschlagspläne, die sich von vorherigen Anschlägen ableiten, gewertet werden“, gibt Schwarz zu bedenken. Das könnte Nachahmer der Szene mobilisieren und zu Anschlägen motivieren.
via belltower: Vom Text zur Tat NEUE TERROR-PUBLIKATION ANGEKÜNDIGT
