Seid Visin ist in Äthiopien geboren, wurde in Italien adoptiert und spielte für die Jugendteams der AC Milan. Nun ist der 20-Jährige tot. Seid Visin wurde am Freitag leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Der junge Fussballer hatte nicht mehr damit leben können, dass er die meiste Zeit seines Lebens mit Rassismus konfrontiert worden war. «Ich fühle mich angeekelt, wenn ich meine Hautfarbe sehe», schreibt der 20-Jährige in einem von diversen Medien publizierten Brief, in dem er die Gründe für seine Tat erläuterte. Italien steht unter Schock. Visin war in Äthiopien geboren worden und wurde von einer Familie im italienischen Nocera Inferiore adoptiert. Er spielte in der Jugend der AC Milan zusammen mit dem italienischen Nationalgoalie Gianluigi Donnarumma, später trug er das Trikot der U-17 von Benevento.
via 20min: Ex-Milan-Junior nimmt sich wegen Rassismus mit 20 das Leben
siehe auch: Suizid heizt Rassismus-Debatte an. Der Suizid eines früheren Jugendspielers des AC Mailand heizt in Italien eine Diskussion um den Rassismus im Land an. Claudio Marchisio wählt radikale Worte. Der italienische Fußball weint um einen früheren Jugendspieler des AC Mailand – doch für den früheren Nationalspieler Claudio Marchisio sind es teilweise falsche Tränen. Wie der Corriere della Sera aufdeckte, hat sich Seid Visin am Freitag das Leben genommen, weil es der 20 Jahre alte Mann äthiopischer Herkunft offenbar nicht mehr ertrug, wie er in seiner Wahlheimat behandelt wurde. Die Zeitung druckte einen Brief von Visin, den dieser bereits 2019 an seine Freunde und seinen Psychotherapeuten geschickt hatte. Darin beklagte er sich darüber, wie sein Leben in Italien zur Hölle gemacht wurde. “Ich erinnere mich, dass mich alle liebten. Wo immer ich war, wo immer ich hinging, jeder begegnete mir mit Freude, Respekt und Neugierde”, schrieb er zunächst über seine Kindheit in Äthiopien. “Es scheint, als ob alles auf den Kopf gestellt ist” Nach seiner Adoption habe sich sein Leben radikal geändert. “Es scheint, als ob alles auf den Kopf gestellt ist. Ich hatte es geschafft, einen Job zu finden, den ich verlassen musste, weil zu viele Leute, vor allem ältere Menschen, sich weigerten, von mir bedient zu werden. Und, als ob ich mich nicht schon unwohl fühlte, wurde ich auch noch dafür verantwortlich gemacht, dass viele junge (weiße) Italiener keine Arbeit finden konnten.” (…) “Wir haben versagt. Wir alle. Aus der Mitte, von rechts, von links”, holt der jetzige TV-Experte auf Instagram zum Rundumschlag aus. “Wir sind das Land der Integration, wenn ein junges Talent in einem wichtigen Spiel das entscheidende Tor schießt. Und dann weigern wir uns, im Restaurant von einem Schwarzen bedient zu werden. Wir sind das Land der Integration, wenn der Sportler bei den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnt. Wir sind das Land der Integration, das nach unwahrscheinlicher italienischer Herkunft sucht, wenn die Schauspielerin, die uns begeistert, den Oscar gewinnt, das aber die Nase rümpft, wenn in der Klasse seiner Kinder schwarze Kinder sind.”