Wenn man einen Aufruf zur Selbstjustiz teilt, kann das teure Folgen haben. Diese Erfahrung hat nun eine Frau aus Rodgau gemacht. (Symbolbild) © Christin Klose Eine 59-Jährige teilte auf Facebook ein Pamphlet, das Muslime als integrationsunfähig diffamiert. Im Gericht sagte sie nur: „Ich habe das nicht gemacht.” Seligenstadt/Rodgau – Muslime als kriminelle Barbaren, primitive Klischees und ein unverhohlener Aufruf zur Selbstjustiz – auf Facebook öffentlich gepostet und verbreitet, kommt eine solche Tirade eine 59 Jahre alte Rodgauerin teuer zu stehen. Das Amtsgericht in Seligenstadt verurteilte sie wegen Volksverhetzung zu 4.000 Euro Geldstrafe. Anders als die meisten Hasskommentare im Netz liest sich der Text nicht wie ein zorniger Aufschrei, sondern wie der wohlerwogene, mit Bedacht formulierter Appell des rechtschaffenen Bürgers in Angst. Den Strafverfolgungsbehörden landauf, landab ist er wohl vertraut: Gleichsam lawinenartig verbreitete sich das Pamphlet 2023/24 über die sozialen Medien und hat die Gerichte, auch in der Region, schon vielfach beschäftigt. In der Regel sind es zuvor unbescholtene Angeklagte ohne nachweisbaren Bezug zu rechten Szene, die das Machwerk impulsiv teilten, Post vom Staatsanwalt bekamen und aus allen Wolken fielen. Ohne Vorstrafen erschien auch die Rodgauerin vor Gericht. Wo sie politisch steht, ob ihr die menschenverachtende Botschaft und der kaum kaschierte Gewaltaufruf gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe bewusst waren, blieb in der Hauptverhandlung offen: „Ich habe das nicht gemacht“ blieb ihre einzige Äußerung. Auch ihr Verteidiger Christian Saevecke äußerte sich zur Sache nicht und beantragte lediglich Freispruch. Muslime generell als Barbaren dargestellt Den Widerspruch gegen den zuvor ergangenen Strafbefehl hatte der Anwalt unter anderem damit begründet, dass seine Mandantin nicht pauschal alle Muslime, sondern lediglich die kriminellen oder übergriffigen Elemente aus dieser Glaubensgemeinschaft habe brandmarken wollen. Richterin Malaika Broosch wies das in der Urteilsbegründung zurück und zitierte aus der Hetzschrift, welche den Islam als „tierische Primatenkultur mit mittelalterlichen Unsitten und Gebräuchen“ schmäht, Muslime generell und im ausdrücklichen Vergleich mit anderen Kulturkreisen als integrationsunfähig diffamiert.
via op online: Hass-Post geteilt: Rodgauerin wegen Volksverhetzung verurteilt
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