2018 hinterließ der Millionär Reiner Strangfeld der AfD gut 278 Kilogramm Gold – in Barren und Krugerrand-Münzen. Nach heutigem Kurs: Rund 36 Millionen Euro. Aufbewahrungsort: Unklar. CORRECTIV rekonstruiert den Weg des versteckten Schatzes. Am 3. Juli 2018 lenkt Reiner Strangfeld seinen verbeulten Kleinwagen auf eine Wiese nahe Bückeburg. Es ist früh am Morgen. Der 79-Jährige steigt aus, übergießt seinen Körper mit Benzin und zündet sich an. Der Mann stirbt. Die Staatsanwaltschaft bestätigt: Es handelte sich um Suizid. Kurze Zeit später empfängt die AfD eines der größten Geschenke der deutschen Parteiengeschichte. Vierzehn Tage zuvor hatte Strangfeld sein Testament geändert und die AfD zur Alleinerbin seines Vermögens im Wert von damals fast zehn Millionen Euro ernannt. Das Geld, entstanden durch die Erfindung von Toilettenspülungen. Es war eine der größten Erbmassen, die eine deutsche Partei je angetreten hat. Ein beträchtlicher Teil davon: Gold. Reines, schweres, stummes Gold. 138 Kilogramm Barren und 4.542 Goldmünzen, größtenteils Krugerrand – zusammen gut 278 Kilogramm, damals rund 10 Millionen Euro wert. Heutiger Wert laut der London Bullion Market Association, Stichtag 11. Mai: rund 36 Millionen Euro. (…) Der AfD-Anwalt schreibt, das sei aus Sicherheitsgründen verborgen. Es gibt den Vorwurf, die AfD wolle den Goldschatz vor einem Zugriff durch Behörden sichern, sollten sie den Erbstreit verlieren. Das behauptet etwa Lukas Hufnagl. Er ist mit der AfD zerstritten und der Vermieter der AfD‑Parteizentrale. Er sagt: AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter habe das offen zugegeben. Hütters Anwalt bestreitet das auf Anfrage. Wo viel Gold, auch viel Gerede. Perfektes Schlupfloch Die AfD schweigt. Angesprochen auf die Differenz zwischen dem Gesamtbestand von 278 Kilogramm und den lediglich 107, die nach Liechtenstein gebracht wurden, lässt sie ihren Anwalt mitteilen: „Es gibt keinerlei Differenz beim Gesamtbestand.“ Das Gold aus der Erbschaft sei vorhanden. Die Gesamtsumme von 278 Kilogramm bestätigt der Anwalt nicht.  Das Parteiengesetz verlangt Transparenz über die Finanzen einer Partei. Soweit die Theorie. Die Bundestagsverwaltung, eigentlich Wächterin dieser Transparenz, tappt im Dunkeln. Der Grund dafür ist einfach: Es existiert keine Regelung für nähere Transparenzpflichten solcher Vermögenswerte. „Die Bundestagsverwaltung erhält zunächst nur den Rechenschaftsbericht“, schreibt ein Sprecher. Wie viele Kilogramm Gold das Strangfeld-Erbe umfasst hat? Das steht nicht im Rechenschaftsbericht. Weiß sie, wo das Gold lagert? „Nein.“ Belege zur Echtheitsprüfung der Bestände: liegen ihr nicht vor. Ein Verbot, Parteivermögen ins Ausland zu schaffen, gibt es nicht.  Erst wenn Anhaltspunkte auf falsche Angaben vorlägen, würde die Behörde aktiv werden. Offen bleibt, wie sie diese überhaupt finden kann, wenn ihr so wenig Informationen vorliegen. „Parteien verfügen über Millionenvermögen, und niemand kann nachvollziehen, was damit passiert – weder die Öffentlichkeit noch die Kontrollbehörden“, sagt Aurel Eschmann, Experte für Parteienfinanzierung bei LobbyControl. Parteien hätten eine Sonderstellung: Weder Finanzämter noch Bundesrechnungshof könnten ihre Finanzen durchleuchten. „Das lädt zu Missbrauch und Veruntreuung geradezu ein und schädigt das Vertrauen in die Politik.“ Eschmann fordert eine deutliche Verschärfung der Offenlegungspflichten – Vermögenswerte sollten detailliert und mit aktuellem Wert im Rechenschaftsbericht aufgeschlüsselt und von einer externen Stelle kontrolliert werden. Zudem solle es Parteien verboten werden, Vermögen ins Ausland zu verschieben, wo der Zugriff der deutschen Justiz erschwert sei.

via correctiv: Das verschwundene Gold der AfD


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