Ob beim Karneval oder auf Festen: Immer noch malen sich weiße Menschen schwarz an, um Schwarze Figuren darzustellen. So auch wieder beim Grenzgang-Volksfest im August. Im Interview erklärt Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, warum diese Praxis verletzend ist. Im August dieses Jahres ist es wieder soweit: Wie alle sieben Jahre findet in Biedenkopf über mehrere Tage das Grenzgang-Volksfest statt, eines der größten und traditionsreichsten Feste in der Region. Dabei läuft auch ein schwarz bemalter Mann mit Säbel und Uniform vorneweg. Das sorgte zuletzt 2019 für Diskussionen über Rassismus. Der Ausländerbeirat Marburg etwa kritisierte die Praxis des “Blackfacing”. Doch die Figur wird es auch in diesem Jahr geben, jüngst wurde sie vom ausführenden Verein gewählt. Es wird wieder ein weißer Mann sein, dessen Gesicht schwarz geschminkt wird. Für Tahir Della vom Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) völlig unverständlich, wie er im Interview sagt. Weitere Informationen Das Gespräch führte Sonja Fouraté Ende der weiteren Informationen hessenschau.de: Herr Della, immer wieder berufen sich Vereine auf Traditionen, wenn sie Schwarze Menschen mit Schminke darstellen, etwa beim Karneval oder bei Volksfesten wie in Biedenkopf. Immer wieder wird gesagt, diese Figuren seien nicht ersetzbar. Und immer wieder wird Rassismus zurückgewiesen. Was ist daran aus Ihrer Sicht trotzdem problematisch? Tahir Della: Ich bin seit 1986 bei der ISD aktiv, und es ist immer wieder erstaunlich, dass wir erklärt bekommen, wieso eine solche Darstellung Schwarzer Menschen stattfinden muss. Dass die Verantwortlichen sagen: Diese Darstellung ist nicht ersetzbar, sie ist nicht problematisch. Und dass wir immer wieder erklären müssen, dass Rassismus nicht erst als solcher benannt werden darf, wenn jemandem eine rassistische Haltung vorgehalten werden kann. In den wenigsten Fällen kann man wirklich nachweisen, dass jemand aus einer rassistischen Haltung rassistisches Handeln ableitet. Wir sind aber der Auffassung, es muss endlich genügen. Wir haben 2026 und müssen immer wieder Debatten führen, die schon zehn, 20, 30 Jahre alt sind.
via hessenschau: “Blackfacing” bei Grenzgang in Biedenkopf “Es sind rassistische Darstellungsformen von Schwarzen Menschen”
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