n Hamburg stehen jetzt acht Jugendliche vor Gericht, denen rechtsextremer Terror vorgeworfen wird. Nicht alle Elternhäuser waren wohl ahnungslos. Es waren großspurige Pläne, die Lenny, Jason oder Benny verfolgten. Von einem bevorstehenden Rassenkrieg sollen die Teenager in ihrer Whatsapp-Gruppe, die der „Letzten Verteidigungswelle“, fabuliert haben. Von einer Bewaffnung, einem „Tag X“, einem Umsturz. Vorher werde man „Kanacken“ verprügeln oder „Zecken“ töten, ihnen das Leben zur Hölle machen, ohne Gnade. In ein paar Jahren, soll einer der Jugendlichen getönt haben, werde man zu Tausenden sein und in Berlin mit Hakenkreuzflaggen aufmarschieren. „Wir sind die Welle, die den Dreck aus unserem Land spült und ihre Existenz zerstört“, gab sich die Gruppe als Leitspruch. Dann aber stand die Polizei am 21. Mai 2025 in ihren Kinderzimmern in Altdöbern, Neubukow oder Wismar und nahm Lenny M., Jason R., Benjamin H. und zwei weitere Teenager fest, alle damals 14 bis 18 Jahre alt – im Auftrag der Bundesanwaltschaft. Drei weitere beschuldigte Jugendliche saßen da schon wegen Straftaten in Haft. Der Vorwurf nun: Bildung einer terroristischen Vereinigung, in zwei Fällen auch versuchter Mord, in einem Fall Verabredung zum Mord. (…) Der Prozess wird der größte, seit vor rund zwei Jahren bundesweit plötzlich neue Gruppen sehr junger Neonazis auftauchten, erst auf Tiktok oder Instagram, dann auch auf der Straße, vor allem bei Störaktionen gegen CSDs, mit Namen wie „Deutsche Jugend Voran“, „Jung und Stark“, „Der Störtrupp“, „Elblandrevolte“ – oder eben die „Letzte Verteidigungswelle“. Und das Verfahren ist ein Novum: Noch nie war eine von der Bundesanwaltschaft angeklagte Terrorgruppe so jung. Dennoch soll der Prozess öffentlich beginnen. Das Gericht wies aber bereits darauf hin, dass sich dies noch ändern könne, wenn es „im Interesse der Erziehung“ geboten sei.
via taz: Terrorprozess gegen Jungnazis Vom Kinderzimmer in den Rassenkrieg