Von Frederik Schindler Politikredakteur Stand: 12:31 Uhr|Lesedauer: 6 Minuten Thomas Benninghaus, AfD-Abgeordneter im Landtag von Thüringen Quelle: picture alliance/Steffen Proessdorf/foto2press/Steffen Proessdorf (foto2press) Der Thüringer AfD-Abgeordnete Thomas Benninghaus beklagte in einer Landtagsrede „goldene Steine“ für „Opfer der Kriege“, während Kriegsgräberstätten für Deutsche vergessen würden. Der Freundeskreis Israel des Parlaments fordert nun seinen Austritt. Der CDU-Fraktionschef zeigt sich „abgestoßen“. Mehr als 100.000 Stolpersteine erinnern quer durch Deutschland an das Schicksal von Opfern des Nationalsozialismus. Die beschrifteten Messingtafeln werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Verfolgten in den Gehweg eingelassen. Damit soll denjenigen, die die Nationalsozialisten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern zu Nummern degradiert haben, ihr Name zurückgegeben werden. Und es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich um Deportationen handelte, die ihren Ausgang inmitten der Gesellschaft hatten. Im thüringischen Rudolstadt, in dem der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Benninghaus lebt, gibt es lediglich zwei Stolpersteine. Einer erinnert an den jüdischen Lebensmittelhändler Karl Kehrmann, der 1940 vom NS-Regime verhaftet, im Januar 1942 in das KZ Buchenwald verschleppt und im März 1942 in der „Euthanasie“-Vernichtungsanstalt Bernberg ermordet wurde. Der andere Stolperstein erinnert an den Kommunisten Werner John, der mehrere Konzentrationslager durchlitt. (…) Der Abgeordnete Benninghaus, der 2024 das Direktmandat im Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt I gewann und erstmals in den Thüringer Landtag einzog, soll jetzt seinen Sitz in einem Gremium des Landesparlaments verlieren. Benninghaus gehört bislang dem Freundeskreis Israel des Landtags an. Die beiden Vorsitzenden des Gremiums, der CDU-Fraktionschef Andreas Bühl und die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss, wollen den 52-Jährigen aufgrund seiner Rede loswerden. Ein Ausschluss ist allerdings nicht möglich. Nun haben Bühl und König-Preuss einen Brief an den AfD-Abgeordneten geschickt. Das Schreiben liegt WELT vor. Darin heißt es: „Ihre Rede zeigt eindeutig, dass Sie eine erinnerungspolitische Linie verfolgen, die mit den Aufgaben, Zielen und Prinzipien des Freundeskreises Israel unvereinbar ist. Daher fordern wir Sie auf, Ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis Israel umgehend zu beenden. Dies ist die notwendige Konsequenz aus dem klaren inhaltlichen Bruch zwischen Ihrem öffentlichen Auftreten und der verantwortungsbewussten Erinnerungskultur, der sich der Freundeskreis verpflichtet sieht.“
via welt: AfD-Mann soll nach Rede über Stolpersteine Posten im Landtag verlieren