Die Razzia am Peršmanhof in Kärnten sorgt weiter für Empörung. Der Obmann des Museumvereins wehrt sich gegen “rufschädigende Extremismus-Vorwürfe”, andere kritisieren, die Polizei messe mit zweierlei Maß zugunsten rechter Umtriebe. Ein Sommercamp in Kärnten, in dem junge Menschen von ideologisch fragwürdigen Betreuern indoktriniert werden. Betreuer, die teils einer Organisation nahestehen, deren Symbole in Österreich verboten sind. Gemeint ist das Sommercamp des Österreichischen Turnerbunds (ÖTB) am Turnersee. Auch im STANDARD wird seit Jahren darüber berichtet. Von Polizeieinsätzen keine Spur. Stattdessen marschierten Beamte rund dreißig Kilometer entfernt auf: Im Antifa-Camp Koroška, organisiert vom Klub slowenischer Student*innen, das sich im 80. Gedenkjahr mit der Befreiung vom Nationalsozialismus beschäftigte. Das Bildungscamp findet seit Jahren am Peršmanhof statt, auf dem 1945 SS-Truppen ein Massaker an zwei slowenischen Familien verübt haben. In den 1980er-Jahren entstanden hier – durch antifaschistisches Campieren – eine Gedenkstätte und ein Museum. Die Gedenkstätte und das Camp nach dem Polizeieinsatz. Johannes Puch Es ist ein Ort, an dem schwer bewaffnete Polizisten, die slowenische Antifaschisten “beamtshandeln”, dunkle Erinnerungen auslösen können. Eine Protestlawine rollt an So passiert am 27. Juli, einem Sonntag. Gegen 17.30 kam die erste Meldung über einen Polizeieinsatz rund um die Gedenkstätte wegen des “Verdachts von verschiedenen Verwaltungsübertretungen”. Bei Identitätsfeststellungen seien Beamte teils “körperlich bedrängt” worden, beim Schließen der Museumstür wurde ein Campteilnehmer verletzt. Es habe drei Festnahmen und eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt gegeben, so die erste Bilanz. Der Einsatzleiter habe sogar in den Krankenstand gemusst, weil er sich verletzt habe. Auf den Videos, die dem STANDARD vorliegen, hört man, wie Camp-Teilnehmende gegenüber den Beamten auf ihre Rechte hinweisen. Sie wollen wissen, auf welcher rechtlichen Grundlage sie sich ausweisen sollen, warum das Haus durchsucht wird. Für die Polizei ist die “mangelnde Kooperation” jedoch ein “geschultes Verhalten” in antifaschistischen Kreisen. Sie fordert Verstärkung an, der Einsatz eskaliert. Noch am selben Abend gab es politischen Protest. “Über 30 teils schwer bewaffnete Polizist:innen, ein Polizeihubschrauber, Drohnen und eine Hundestaffel wurden aufgeboten”, so die Grünen in einer Aussendung. Dieser Einsatz sei “nicht hinzunehmen”, sagte die grüne Generalsekretärin Olga Voglauer. Schlag auf Schlag folgte Kritik vom Museum selbst, vom Volksgruppenbeirat, der SPÖ-Abgeordneten Sabine Schatz und Gedenkvereinen.

via standard: PERŠMANHOF Als die Polizei am Ort des Massakers aufmarschierte