Justizdokumente geben Einblick in den harten Kern der militanten Gruppe. Mit dabei: ein AfD-Politiker aus Deutschland, eine ehemalige Juso-Aktivistin und ein serbischer Nationalist. Die Tyr-Rune ist ihr Erkennungszeichen: Mitglieder der Jungen Tat tragen sie auf T-Shirts, auf Schals – und auf ihren Sturmmasken. In Deutschland ist das Symbol verboten. Im Dritten Reich diente es als Abzeichen von Hitlers Reichsführerschulen. Seit knapp vier Jahren provoziert die Junge Tat nicht nur mit ihrer Symbolik, sondern auch mit militanten Aktionen. Anhänger stören queere Anlässe, prügeln sich mit politischen Gegnern, zeigen ausländerfeindliche Transparente. Keine rechtsextreme Gruppe in der Schweiz ist aktiver, keine wächst schneller. Mit Instagram-tauglichen Auftritten gelingt es ihr, den Rechtsextremismus für junge Leute wieder attraktiv erscheinen zu lassen. 70’000 Franken Nun aber holen die Sicherheitsbehörden zum Schlag gegen die Gruppe aus. Nach langwierigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Zürich Strafbefehle gegen sechs Mitglieder der Jungen Tat erlassen. Sie fordert Geldstrafen von insgesamt 70’000 Franken – und ermittelt weiter. (…) Es geht um strafbare Handlungen, die Angehörige der Jungen Tat zwischen Februar 2022 und April 2024 begangen haben sollen: Rassendiskriminierung, Nötigung, Sachbeschädigung, Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche, Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit, Landfriedensbruch, Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, Hinderung einer Amtshandlung und illegale Vermummung. (…) Die Strafbefehle richten sich gegen fünf Männer und eine Frau zwischen 20 und 34 Jahren aus den Kantonen St. Gallen, Zürich, Bern, Basel-Stadt und Thurgau. Bei der Frau, der unter anderem Hausfriedensbruch, Rassendiskriminierung und Nötigung vorgeworfen wird, handelt es sich um die ehemalige Klima- und Juso-Aktivistin Selina D.* (22). Früher sang sie an Klimademos das antifaschistische Lied «Bella ciao», heute marschiert sie mit der Jungen Tat. Der älteste Beschuldigte (34) stammt aus Deutschland und kandidierte kürzlich erfolglos für die AfD als Gemeinderat. Dass ein Deutscher unter den mutmasslichen Tätern ist, überrascht nicht. Die Junge Tat ist eng vernetzt mit Rechtsextremen im Ausland. Erst vor zwei Wochen lud die Gruppe Martin Sellner (35), den Wortführer der Identitären Bewegung Österreich, zu einem Vortrag in die Schweiz ein. Polizisten fingen ihn jedoch an der Grenze ab – der Bund hatte den Rechtsextremisten mit einem Einreiseverbot belegt.
via blick: Beschuldigte, Vorwürfe – und die Ausreden der Rechtsextremen Die Strafakte der Jungen Tat