Das Amtsgericht Dorneck-Thierstein führt ab Dienstag für zwei Tage einen aufsehenerregenden Prozess durch: Eine Mutter wird angeklagt, ihren damals fünfjährigen Sohn im Herbst 2021 nach Deutschland entführt zu haben, um ihn vor vermeintlichem Missbrauch zu schützen. Jetzt steht sie vor Gericht. Ursprünglich hätte die Mutter (heute 43) ihren Sohn Noah (heute 8, Name geändert) nach den Herbstferien wieder zu seinem Vater aus dem Schwarzbubenland bringen sollen, der das Sorgerecht und die elterliche Obhut innehatte. Doch die Mutter entschied sich anders: Sie nahm ihren Sohn mit und lebte über einen Monat lang bei dem Deutschen Maximilian Eder in Eppenschlag (D). Eder ist seit seiner Verhaftung 2022 durch seine Mitgliedschaft in der «Patriotischen Union» bekannt, einer mutmasslich terroristischen Vereinigung, die mit Waffengewalt gegen die deutsche Regierung vorgehen wollte. Die Gruppe plante laut Ermittlungen einen Putsch und wollte Waffen für diesen Zweck beschaffen. Eder, als zentrale Figur, wurde nach einem Haftbefehl in Italien festgenommen, der Prozess gegen ihn in Deutschland läuft. Verschwörungstheorien und Schutzgesuche in der Schweiz Besonders brisant sind Eders Ansichten, die auch die Schweiz ins Visier nehmen. Der Ex-Oberst propagiert Verschwörungstheorien über ein angeblich existierendes Tunnelsystem in der Schweiz, durch das Kinder entführt, versteckt und gefoltert werden. Diese Anschuldigungen sorgten unter Anhängern seiner Ideologien für Aufsehen und erschreckten offenbar auch die Mutter von Noah, die überzeugt war, ihr Sohn könnte Opfer von Missbrauch sein. Auf der Suche nach Hilfe wendete sie sich an Eder und zog für rund einen Monat in dessen Haus nahe der tschechischen Grenze ein.
via solothurner zeitung: «FALL NOAH» – #Entführung und #Verschwörung: Mutter brachte Sohn zu deutschem #Reichsbürger – #Prozess in #Solothurn gestartet
siehe auch: Schweizerin entführte Sohn (5) zu bekanntem deutschen Reichsbürger Ein ehemaliger Oberst der Bundeswehr verbreitet krude Theorien über Tunnel in der Schweiz, durch die Kinder entführt würden. Eine Schweizerin entführte deshalb ihr Kind nach Deutschland. Weil sie dachte, dass ihr Sohn sexuell missbraucht wird, entführte eine 43-Jährige den Buben nach Deutschland. Sie kamen bei Maximilian Eder unter, der die kruden Theorien über geheime Schweizer Tunnelsysteme in die Welt gesetzt hatte. Dieser muss sich wegen anderer Vorwürfe derzeit ebenfalls vor Gericht verantworten. Am Richteramt Dorneck-Thierstein im Kanton Solothurn wird ab Dienstag ein Fall behandelt, bei dem eine Schweizerin ihr Kind nach Deutschland entführt hat. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Maximilian Eder: Er ist heute vor allem für seine Mitgliedschaft bei der Reichsbürger-Bewegung bekannt und war zuvor lange Zeit Offizier in der deutschen Bundeswehr. (…) Der Rechtsextremist bezieht sich in seinen Verschwörungstheorien auch auf die Schweiz: So behauptete er in der Vergangenheit, dass in der Schweiz ein Tunnelsystem gebaut wurde, mit dem systematisch Kinder entführt, versteckt und gefoltert werden sollen. Involviert seien Führungskräfte aus der Justiz, Politik und Wirtschaft. Was abstrus klingen mag, löste bei einer heute 43-jährigen Schweizerin offenbar grosse Sorgen aus. Wie es in der Anklageschrift heisst, entführte Sofia G.* in den Herbstferien 2021 ihren damals fünfjährigen Sohn, dessen Sorgerecht bei seinem Vater liegt, nach Deutschland. Dort sollen die beiden für rund einen Monat bei Maximilian Eder eingezogen sein. «Besorgniserregende hygienische Verhältnisse» Offenbar ging die Angeklagte davon aus, dass ihr Sohn sexuell missbraucht wurde, und brachte ihn deshalb zum bekannten Reichsbürger. Die hygienische Situation in Eders Haus nahe der tschechischen Grenzen seien «besorgniserregend» gewesen, hält die Anklageschrift fest. Auch sei die Situation vor Ort und Eders Anwesenheit dem Kindeswohl «extrem abträglich» gewesen.