Berlin am vergangenen Wochenende: Ein warmer Oktober-Sonnabend, die Sonne scheint, etwa hundert Neonazis marschieren durch Marzahner Plattenbausiedlungen im Nordosten der Hauptstadt. Es sind deutlich weniger Teilnehmer als angemeldet, doch ins Auge sticht sofort das sehr junge Alter vieler rechtsextremer Demonstranten. Ein großer Teil von ihnen ist minderjährig, mehr Kind als jugendlich. Aufgerufen zur Neonazi-Versammlung, die sich als Gegenprotest zu einer Antifa-Demonstration im selben Bezirk verstand, hatten insbesondere junge Gruppierungen wie „DJV“ („Deutsche Jugend Voran“) und „JS“ („Jung und Stark“). Aus Chemnitz unterstützte zudem die sogenannte „Chemnitz-Revolte“. Allesamt haben die genannten Gruppen gemeinsam, dass sie etwa zu Beginn dieses Sommers entstanden sind und in den vergangenen Monaten vor allem durch ihre Präsenz bei Störaktionen von Christopher Street Days in verschiedenen Städten auffielen. Ihre Mitglieder sind größtenteils sehr jung und werden nach Tagesspiegel-Recherchen vor allem über soziale Netzwerke wie TikTok und Instagram rekrutiert. Ähnliches bestätigt nun der Verfassungsschutz, der ausführlich auf eine schriftliche Anfrage der Gruppe Die Linke im Bundestag zu den Hintergründen der neuen Gruppen, antwortete. Die Einschätzung der Sicherheitsbehörden liegt dem Tagesspiegel exklusiv vor.

via tagesspiegel: Neue Gruppen rekrutieren über TikTok: Anti-Terror-Zentrum nimmt junge Neonazis ins Visier