Erik Ahrens versucht, pseudowissenschaftliche Rassentheorien massentauglich zu machen. Sein Netzwerk reicht bis nach Österreich und zur FPÖ. Als Erik Ahrens erklärt, Deutschlands nächster Führer werden zu wollen, sitzt er gerade bei einem Teller Fischsuppe in einem feinen Seafood-Restaurant in Athen. “Meine Vision ist, eines Tages in Deutschland zur Wahl anzutreten, wie Trump es getan hat”, erklärt der rechtsextreme Influencer und damalige Social-Media-Einflüsterer der AfD, sein Löffel ruht in der Suppe, mit den Händen gestikuliert er mal, mal ruhen sie auf der weißen Tischdecke. “Eine populistische Bewegung rund um eine Person, das gab es seit 100 Jahren nicht.” Und er sagt weiters: “Wahrscheinlich werde ich diese Rolle übernehmen müssen.” Vor hundert Jahren war Adolf Hitler Vorsitzender der NSDAP. Allerdings sieht Ahrens Probleme voraus: Die deutsche Regierung, prognostiziert er, werde versuchen, ihn anzugehen, das sei unvermeidlich, daher brauche er dann “ein internationales Netzwerk, das weiterhin Geldmittel generiert”. Dieses müsse wie eine Spinne funktionieren: Wenn ein Bein wegfalle, gebe es noch weitere. (…) Die Videos geben tiefe Einblicke in eine von pseudowissenschaftlichen und zutiefst rassistischen Ansichten getragene Welt, in der die SS als Vorbild dient und die weiße Rasse mindestens die Geschicke Europas bestimmen soll. Und sie enthüllen, dass ein US-Multimillionär bereit ist, eine zutiefst rassistische Organisation mit einer siebenstelligen Summe zu finanzieren. An diesem Abend in Athen sitzt außer dem angeblichen Investor und Ahrens nur noch sein britischer Geschäftspartner am Tisch. Meist führt Ahrens das Wort. An diesem Abend wird er ernst sagen, sich inzwischen voll und ganz dieser “ultimativen Schlacht” verschrieben zu haben, er wolle “all-in” gehen und habe sich nach sechs Jahren Beziehung von seiner Freundin getrennt. Er müsse jetzt viel reisen, ein Netzwerk aufbauen, da störe ein normales Leben zu Hause einfach. Tatsächlich ist Ahrens umtriebig, er war ein beliebter Redner bei rechtsextremen Treffen und hat den EU-Kandidaten der AfD, Maximilian Krah, auf Social Media groß gemacht. Wegen seines Erfolgs in moderner Propaganda wurde er zum “Tiktok-Strategen” der AfD hochstilisiert. Er selbst verglich sich mit Trumps Ex-Chefstrategen Steve Bannon. Ahrens’ Firma in Wien Ahrens’ Spuren führen auch nach Wien. Dort hat er diesen Juni die Firma Gedankensturm FlexCo eintragen lassen. Eingemietet hat sich der amtsbekannte Rechtsextremist laut Firmenbuch in einem Haus, das der Vereinigung Kriminaldienst Österreich gehört, in deren Vorstand hochrangige Ermittler des Bundeskriminalamts sitzen. Die Adresse ist im Impressum der App Blitzwissen angegeben, die Inhalte rechtsrechter Bücher kompakt zusammenfasst. Eine von Anwendungen wie Blinkist abgekupferte Idee, ausgerichtet auf die identitäre Zielgruppe. (…) Auch im deutschen Cottbus und in Belgien hat Ahrens Unternehmen gegründet. Zuvor hatte der rechtsextreme Influencer bereits das “Projekt Gegenuni” aufgesetzt, bei dem man für ein paar Euro pro Monat Onlinekursen von überwiegend AfD-Personal und identitärem Nachwuchs lauschen kann. Der Landesverfassungsschutz Hessen analysierte, dass die “Gegenuni” “typisch rechtsextremistische Denkmuster verbreitet”. Intensiv beworben hat die “Gegenuni” auch Identitären-Kopf Martin Sellner, der dort als Referent auftrat und sich jahrelang bestens mit Ahrens verstanden haben dürfte. Die beiden nahmen gemeinsam Podcast-Folgen auf und nahmen an Drill- und Schulungslagern, sogenannten Sommerlagern, der Identitären teil. Auch im Freilich-Magazin, dem Nachfolgemedium der Aula, das den Freiheitlichen Akademikerverbänden in der Steiermark und Salzburg gehört, wurde Ahrens’ Projekt promotet. FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete das Medium als “politisch tiefgründig”. Camps in den Alpen Doch Ahrens hat noch viel mehr vor: Bei einem von mehreren mitgeschnittenen Videocalls präsentieren Ahrens und sein Geschäftspartner Ende November 2023 ein paar Folien, die grob den Aufbau der Organisation zeigen sollen, auf die sie hinarbeiten: das “Neo-Byzantium”. Ganz oben ist das Board, in dem er selbst alias “Schmitt” und sein Geschäftspartner sitzen sollen, darunter der “inner circle”, der “outer circle” und ganz unten die breite Öffentlichkeit. In den “inner circle” komme man nur per Einladung, dort soll sich die Elite versammeln. Die “Inner circle”-Mitglieder – Ahrens denkt offenbar vor allem an Männer – sollen aber nicht nur ideologisch geformt sein, sondern auch physisch. Für sie werden exklusive “private Strategie Camps” organisiert – die Rede ist etwa davon, ein Haus in den Alpen zu mieten und dort ein Trainingscamp zu organisieren. “Das wäre großartig”, sagt er, “stell dir vor, 50 Jungs, (…), Boxen, Schießen.”
via standard: Hitlers SS als Vorbild: Undercover-Videos enthüllen Pläne von AfD-nahem Influencer
siehe auch: Influencer aus AfD-Umfeld involviert Verdeckte Aufnahmen enthüllen internationales rassistisches Netzwerk. Heimlich aufgenommene Videos zeigen, wie eine internationale Gruppe von Fanatikern pseudowissenschaftliche Rassentheorien massentauglich machen will. Mittendrin: ein Influencer aus dem Umfeld der AfD. (…) Die im Laufe des Jahres 2023 entstandenen Videos geben tiefe Einblicke in die Gedankenwelt von Ahrens und den Menschen, mit denen er versucht, ein weltweites Propagandanetzwerk aufzubauen, eine Internationale der Rassisten sozusagen. Einige von ihnen treten unter Pseudonym auf, Ahrens etwa nennt sich mitunter »Erik Schmitt«. In ihren Gesprächen und Texten argumentieren sie mit pseudowissenschaftlichen Thesen zu Genetik und Eugenik und zu vermeintlichen Unterschieden zwischen den »Rassen«. Um ihre Ideen international zu verbreiten, hat das Netzwerk Ende 2022 in den USA eine Firma gegründet, die Human Diversity Foundation (HDF). Sie wurde im Bundesstaat Wyoming registriert, was einen Vorteil hat: Wegen der dortigen Gesetze können Eigentümer von Unternehmen vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Die verdeckt aufgenommenen Videos bringen nun etwas Licht ins Dunkel. Demnach hat das Netzwerk zum Zeitpunkt der Aufnahmen wohl bereits einen potenten Geldgeber gefunden: den US-Multimillionär Andrew Conru aus Seattle, der einst mit Dating-Seiten wie »Adult Friend Finder« reich geworden ist. Laut der Videos soll er rund 1,3 Millionen Dollar in die HDF gesteckt haben. In Deutschland ist Erik Ahrens damals eine zentrale Figur des Netzwerks. Der Aktivist, so behauptet zumindest dessen Mitstreiter Frost in einem der Gespräche, sei als »Director of Operations and Marketing« angeheuert worden. Ahrens ist in rechtsextremen Kreisen wohlbekannt . Der 30-Jährige gilt als derjenige, der den AfD-Politiker Maximilian Krah in sozialen Netzwerken groß gemacht hat. Ahrens schnitt Videos für TikTok, in denen der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl im Juni Sätze sagt wie »Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher« oder »Echte Männer sind rechts«. Sie wurden millionenfach aufgerufen. Schnell galt Ahrens als »TikTok-Stratege« der Neuen Rechten und hielt Vorträge zu dem Thema im AfD-Umfeld. Auf TikTok könne man in die Gehirne von Millionen Jugendlichen »reinsenden«, schwärmte er beim Institut des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek, einem Freund des AfD-Hardliners Björn Höcke. Großspurig verglich sich Ahrens mit Trumps Ex-Chefstrategen Steve Bannon.