Sexismus und Fremdenfeindlichkeit: Fast 33 Prozent der befragten Polizisten haben im Dienst laut einer Studie rassistische Äußerungen anderer Beamter mitbekommen. Etwa jeder dritte Polizeibeamte hat im Dienst binnen eines Jahres rassistische Äußerungen von Kolleginnen oder Kollegen erlebt. Das geht aus dem Abschlussbericht einer Studie hervor, die das Bundesinnenministerium noch unter Minister Horst Seehofer (CSU) in Auftrag gegeben hatte. Bei zwei zeitlich versetzten Onlinebefragungen gaben demnach einmal 33 und einmal 32 Prozent der Teilnehmenden an, im zurückliegenden Jahr rassistische Äußerungen gehört zu haben. Die Wissenschaftler hatten die Beamtinnen und Beamten aus Bund und Ländern nach ihren Beobachtungen sowohl über den Umgang von Kollegen mit Bürgern als auch mit anderen Polizisten und Polizistinnen befragt. Sexistische Äußerungen fielen im vergangenen Jahr laut der Studie etwas mehr als 40 Prozent der teilnehmenden Polizistinnen und Polizisten auf. Zehn Prozent von ihnen gaben an, dies sei in ihrem Arbeitsumfeld binnen eines Jahres in mehr als zehn Fällen vorgekommen. Drei Prozent der Befragten berichteten außerdem, sie hätten im zurückliegenden Jahr korruptes Verhalten von Kollegen beobachtet. Jedoch weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass sich aus dem Ergebnis der Onlinebefragung nicht die Zahl der Vorfälle ableiten lasse, da das Fehlverhalten eines Beamten womöglich von mehreren Kollegen zeitgleich beobachtet wurde. Die Befragten, denen rassistische Äußerungen, Sexismus oder korruptes Verhalten aufgefallen waren, unternahmen dagegen laut der Studie persönlich meist nichts. Sexuelle Übergriffe wurden von den Befragten mit etwa zehn Prozent am häufigsten angezeigt
siehe auch: Polizeistudie MEGAVO Jeder Dritte berichtet über rassistische Äußerungen. Rassistische Äußerungen sind in den Reihen der Polizei kein Einzelfall. Auch Probleme wie Muslimfeindlichkeit und eine ablehnende Haltung gegenüber Asylsuchenden nehmen laut der Polizeistudie MEGAVO zu.Ein Großteil der Polizeibeamtinnen und -beamten in Deutschland besitzt der eigenen Aussage nach ein von Toleranz geprägtes und die Demokratie befürwortendes Weltbild. Allerdings gaben auch etwa ein Drittel der Beschäftigten an, Zeuge von rassistischen oder sexistischen Äußerungen von Kolleginnen oder Kollegen geworden zu sein. Das geht aus der von der Bundesregierung beauftragten und von der Deutschen Hochschule der Polizei durchgeführten Polizeistudie hervor.
siehe dazu auch: Polizeistudie – MEGAVO Der Titel der Studie „Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamten – MEGAVO“ macht deutlich, dass ganzheitlich Erkenntnisse zum Berufsalltag von Polizeibeamt:innen in den unterschiedlichsten Verwendungen generiert werden sollen. Insofern handelt es sich nicht um die von der Öffentlichkeit geforderte sog. Rassismusstudie. Vielmehr wird ein viel weitreichenderer Forschungsansatz verfolgt. Darüber hinaus wurden in den bisher erfolgten beiden Online-Befragungen neben den Beschäftigten im Polizeivollzugsdienst auch die Tarifbeschäftigten und Verwaltungsbeamt:innen der Polizei mit einbezogen.
