Anfang Dezember wurden bei einer bundesweiten Razzia 25 Reichsbürger festgenommen. Sie sollen die Absicht gehabt haben, das politische System zu stürzen. Sie hatten den Ermittlern zufolge Schießen geübt und wollten sogenannte Heimatschutzkompanien aufbauen. Auch in Mitteldeutschland. Und es ist nicht die einzige militärische Reichsbürger-Gruppierung. Vor einigen Jahren haben Reichsbürger den “Vaterländischen Hilfsdienst” wiedergegründet. Die Gruppe geht auf eine paramilitärische Organisation aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zurück. Laut Landesamt für Verfassungsschutz gibt es in Sachsen etwa 180 Mitglieder. Ein milder Sonntag im Oktober. Knapp 30 Reichsbürger treffen sich zum Kaffeekränzchen in einer Kneipe am Chemnitzer Stadtrand. Die Flagge des Deutschen Reichs ist aufgehängt. Jemand hat Kekse gebacken, auch in den Farben schwarz-weiß-rot. Man schwatzt über das sächsische Königshaus, wird der Organisator später im Internet festhalten. Was skurril klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Es handelt sich um ein Treffen des “Vaterländischen Hilfsdienstes”. Das sei eine Bewegung, die ursprünglich 1916 gegründet wurde, erklärt Benjamin Winkler von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die seit Jahren die Reichsbürgerszene erforscht. “Beim ‘Vaterländischen Hilfsdienst’ greift man zurück auf dieses Konstrukt aus dem Deutschen Kaiserreich, was im Grunde eine Art Wohlfahrtsorganisation war. In Teilen aber war es auch eine paramilitärische Organisation an der Heimatfront – also für diejenigen, die nicht an der Front waren, um die Aktivitäten des Militärs zu unterstützen.” Somit sei das Militär die Organisation im Hintergrund des ‘Vaterländischen Hilfsdienstes’ gewesen, sagt Winkler. Vor einigen Jahren haben Reichsbürger den “Vaterländischen Hilfsdienst” neu gegründet. Denn in den Augen der Reichsbürger habe das Deutsche Kaiserreich nie aufgehört zu existieren, so Winkler.
via mdr: REICHSBÜRGER Paramilitärische Gruppe “Vaterländischer Hilfsdienst” auch in Sachsen
