In Düsseldorf treten Schützinnenvereine derzeit durch diverse Umzüge und die Rheinkirmes prominent in Erscheinung. Nationalismus, Kolonialrevisionismus, sexistische Schlager sowie mutmaßliche Tierquälerei werden dabei als „Traditionen“ verklärt und dementsprechend beibehalten. Beispielsweise wurde im Juni 2022 auf dem Werstener Schützinnenfest eine schwarz-weiß-rote Standarte der „Deutschen Schutztruppe Düsseldorf-Wersten“ präsentiert. Auf der Standarte dieser Schützinnengesellschaft prangte der republikfeindliche Schlachtruf „In Not und Tod – Treu schwarz weiss rot“. Durch Benennung sowie Art der Uniform, nahm die 1933 gegründete „Deutsche Schutztruppe Düsseldorf-Wersten“ Bezug auf die Kolonialarmee „Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika“. Diese Kolonialtruppe war Anfang des 20. Jahrhunderts für den Genozid an den Herero und Nama verantwortlich. (…) Auf dem diesjährigen Werstener Schütz*innenfest trat zudem eine weitere Gesellschaft mit fragwürdiger Symbolik in Erscheinung. Die „Erste Westdeutsche Marinekompanie Düsseldorf-Wersten“ stellte eine Standarte mit Reichskriegsflagge zur Schau. Auf der Standarte ist eine Seeschlacht-Szenerie zwischen britischen und deutschen Kriegsschiffen aus dem Ersten Weltkrieg abgebildet. Das Propagandabild „Der letzte Mann“ stammt ursprünglich von dem Marinemaler Hans Bohrdt. Bereits im Jahr 2016 fiel die „Marine-Kompanie“ eines Düsseldorfer Schützinnenvereins mit Reichskriegsflagge beim Heerdter Schützinnenfest negativ auf.
via aipd: Fragwürdige Brauchtumspflege bei einigen Düsseldorfer Schützinnen