In Sozialen Medien kursieren irreführende Meldungen über angebliche Anschläge auf russischstämmige Menschen in Deutschland. Fachleute warnen vor gezielter Desinformation, um die Stimmung anzuheizen. “Rassenhass in Hittfeld bei Hamburg – Unbekannte Faschisten zerstören KVG Busse, weil der Verantwortliche russische Wurzeln hat” – das behauptet ein Nutzer auf Facebook. (…) Auch in Messenger-Diensten und bei weiteren Facebook-Profilen taucht die Behauptung auf, die Busse seien aus antirussischen Motiven beschädigt worden. Allein auf dem Telegram-Kanal einer anonymen Nachrichtenseite erreichte ein entsprechendes Video in wenigen Tagen etwa 380.000 Aufrufe. Aber was hat es mit den Meldungen auf sich? Tatsächlich hat es in Hittfeld im Norden Niedersachsens schweren Vandalismus an Bussen des Unternehmens KVG Stade GmbH & Co. KG gegeben. Das regionale Verkehrsunternehmen war Ende Februar Ziel von Unbekannten geworden.Allerdings gibt es keinen einzigen Hinweis auf einen politischen Hintergrund. Das teilte die Polizei in Buchholz auf Anfrage von tagesschau.de mit. Das Unternehmen selbst betonte auf Anfrage ebenfalls, solche Berichte seien frei erfunden. “Die Behauptung irritiert uns, da sie jeder Grundlage entbehrt”, so ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage von tagesschau.de. Die KVG befinde sich im Besitz des Verkehrsbetriebs Osthannover sowie den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser. “Auch bei unseren Geschäftsführern gibt es keinen ‘russischstämmigen’ Hintergrund.”Weitere unbelegte BehauptungenDie Falschmeldungen über den angeblich antirussischen Anschlag im Norden Niedersachsens werden maßgeblich von Profilen verbreitet, die zahlreiche ähnliche Inhalte teilen. Bei vielen Videos und Fotos ist vollkommen unklar, wo und wann diese aufgenommen wurden sowie was dort genau zu sehen ist. Dennoch werden sie als Beleg für eine angeblich extrem aggressive Stimmung gegen russischsprachige Menschen angeführt.Zwei in diesem Kontext besonders aktive Profile sind nach eigenen Angaben auf der Krim bzw. den Separatistengebieten in der Ostukraine vor Ort. Sie teilen russische Propaganda, wie beispielsweise die Nachricht, der ukrainische Präsident wolle angeblich einen vorbestraften Neonazi zum Chef des Geheimdienstes machen.

via tagesschau: Anfeindungen gegen Russen – Stimmungsmache mit angeblichem Anschlag