Warum es problematisch ist, dass die “Pedo Hunters” angeführt von einem Ex-Polizisten Jagd auf mutmaßliche Pädophile machen und Videos davon auf YouTube stellen. Vermummte Männer in Tarnanzügen springen aus einem Gebüsch. Sie schießen mit Paintball-Waffen zuerst auf einen Kleinwagen, dann auf eine Person und schreien: “Auf den Boden!” Die Männer bezeichnen sich selbst als “Pedo Hunters”, Pädophilenjäger. Ihr Anführer: Nick Hein, ein ehemaliger Bundespolizist und UFC-Kämpfer, der sich heute vor allem als YouTuber versucht. Die martialische Szene stammt aus dem mittlerweile von allen Plattformen gelöschten Video “Pedo Hunters 3”. Es sei aus gutem Grund nicht mehr verfügbar, erklärt Hein dazu gegenüber VICE. Mehr möchte er nicht sagen. Das beschossene Auto gehörte einem Mann, der sich mutmaßlich online mit einer 15-Jährigen verabreden wollte, um vor ihr zu masturbieren. Er wollte ihr dafür zehn Euro zahlen. Was er nicht wusste: Sie war ein Lockvogel der Pedo Hunters. Warum jagt, um beim Wording der Pedo Hunters zu bleiben, ein ehemaliger Bundespolizist auf eigene Faust Menschen, anstatt die Ermittlungen der Polizei zu überlassen? Was machen solche Videos mit traumatisierten Betroffenen von sexuellem Missbrauch – und mit Menschen mit pädophiler Neigung, die nicht zu Tätern geworden sind und versuchen, gegen ihre Neigung anzukämpfen? Eine Sprecherin des N.I.N.A. e.V., einer Anlaufstelle für von sexualisierter Gewalt betroffene Mädchen und Jungen, kritisiert das Vorgehen der Pedo Hunters gegenüber VICE, ebenso eine Sprecherin von “Kein Täter werden”, einem Therapieangebot für Menschen mit pädophiler Neigung. Auch das Bundeskriminalamt kritisiert auf VICE-Anfrage das Handeln der Pedo Hunters. (…) Sogenannte Pedo Hunters gibt es nicht nur in Deutschland. Auch in anderen Ländern machen Gruppen mit fragwürdigen Methoden Jagd auf mutmaßliche Pädophile und schrecken nicht vor Gewalt zurück. Meist organisieren sie sich im Internet. Im März wurde bekannt, dass die belgische Polizei nach Hausdurchsuchungen bei selbst ernannten Pädophilenjägern neun illegale Schusswaffen und Munition sichergestellt hat. In den Niederlanden prügelte im vergangenen Jahr eine jugendliche Gruppe selbsternannter Pädophilenjäger einen 73-jährigen Mann zu Tode, nachdem sie ihn online in eine Falle gelockt hatten. Er wollte sich über ein Forum mit einem minderjährigen Jungen zum Sex verabreden. Im ersten Video der deutschen Pedo Hunters gibt es zumindest eine Distanzierung von russischen Gruppen mit ähnlichen Namen, die vor allem Jagd auf Homosexuelle machen. Außerdem distanziert sich Hein von Gewalt. In den Videos seiner Pedo Hunters wird zwar niemand verprügelt, aber es gibt physische und psychische Gewalt, Schubsereien, Beleidigungen – und den Paintballbeschuss einer Person. Von Ermittlungsverfahren gegen ihn und sein Team wegen Körperverletzung weiß Hein laut eigener Aussage nichts.

via vice: Wie selbsternannte Pädophilenjäger Schaden anrichten