Der YouTuber „Shlomo Finkelstein“ ist Wortführer einer rechtsextremen Online-Troll-Community. Er ist bestens vernetzt in der extrem rechten Sphäre. Auch aus dem Ausland bekommt der, zu einer Freiheitsstrafe Verurteilte, Unterstützung – von niemand geringerem als einem ehemaligen Trump-Sprecher. Der YouTuber, der sich selber Shlomo Finkelstein nennt, ist nicht irgendein rechtsalternativer Medien-Aktivist. Er hat eine treue Gefolgschaft von menschenverachtenden Internettrollen hinter sich versammelt, die jederzeit bereit sind, andere Menschen mit Hass zu überziehen. Seine Fans feiern Finkelstein für seine meist vulgäre und gleichzeitig extrem überhebliche Art. Shlomo, stets seine Identität versteckend, behauptet das auszusprechen, was andere denken, sich aber nicht zu sagen trauen. Wenn aber einer wie er sämtliche gesellschaftlichen Vorstellungen eines anständigen Umgangs bricht, dann erweitert er damit den Raum des Sagbaren, bis andere in die Abwertung mit einsteigen. In seiner Videoreihe „Die Vulgären Analyse“ hetzt Finkelstein gegen feministische Frauen und Männer, Migrant:innen, Schwarze, Medien, Linke, Politiker:innen, die nicht zur AfD gehören. Aber einen ganz besonderen Hass hat Shlomo Finkelstein auf „den Islam“. In seinen früheren Videos war im Hintergrund regelmäßig zu sehen, wie der Koran verbrannt wird, wie auf dem Koran Schweinefleisch gegrillt wird und auf den Koran uriniert wird. Auch Schwarze Menschen sind regelmäßig seiner Hetze ausgesetzt. So nennt er die „Black Lives Matter“-Bewegung „Schwarzionalsozialismus“. Menschen, die von Rassismuserfahrungen berichten, wollten entweder Aufmerksamkeit oder litten an einer Art „Rassismus Psychose“, so Finkelstein. Zudem strotzen seine Videos, Kommentare und Bildmontagen nur so vor Frauenfeindlichkeit. Aber auch Jüdinnen und Juden bleiben nicht verschont. Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, bezeichnet er als „Ratte“ und nennt sie „eine rassistische Stasi-F****“ und „Ungeziefer mit viel Einfluss“. Dass sich der YouTuber eines klischeehaft jüdischen Namens bedient, während er antisemitische Stereotypen produziert, ist perfide. Einerseits instrumentalisiert er eine vermeintlich jüdische Identität als Mittel im antimuslimischen Rassismus, andererseits ist die Verwendung des Namens ein höhnischer Mittelfinger ins Gesicht der Opfer von Antisemitismus. Vielleicht möchte er sich so auch von dem Vorwurf dessen frei sprechen: sein Geraune über antisemitische Mythen wie den „Kulturmarxismus“ können ja nicht antisemitisch sein, weil sie von einem „Shlomo Finkelstein“ kommen. (…) Der feige Ansatz, gegen Personen zu hetzen und dabei anonym bleiben zu wollen, macht neugierig darauf, wer sich auf diese Weise aufzuwerten versucht. So viel bekannt ist, steckt hinter der Hetz-Figur Shlomo ein junger Mann aus Nordrhein-Westfalen, Aron P. Vor seiner Karriere als volksverhetzender YouTuber strebte er wohl eine Musik-Karriere als Grunge-Sänger an – die jedoch offensichtlich zum Scheitern verurteilt war. Vielleicht wäre der Welt einen rassistischen YouTuber ärmer, hätte P. zumindest etwas Erfolg mit seiner Musik gehabt. Bühnenträume hegt er anscheinend immer noch: immer mal wieder greift er in seinen Videos zur Gitarre und versucht sich an verunglimpfenden Songs über seine zahlreichen Feindbilder. Verurteilung zur Freiheitsstrafe – die Identität ist der Staatsanwaltschaft also bekannt. Laut eines Spiegel-Artikels vom 22. Januar 2019 ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Volksverhetzung in Videos auf dem Kanal „Die vulgäre Analyse“. Die Staatsanwaltschaft Köln antworte auf Belltower.News-Nachfrage, ob Aron P. hinter der Figur Finkelstein stecke und verurteilt wurde: „Die von Ihnen benannte Person – auch als „Shlomo Finkelstein“ bekannt – ist vom Amtsgericht Köln mit Strafbefehl vom 11.12.2020 wegen Volksverhetzung, Verbreitens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und der Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgemeinschaften rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr – ausgesetzt zur Bewährung – verurteilt worden.“
via belltower: „SHLOMO FINKELSTEIN“ – MENSCHENVERACHTUNG ALS WITZ VERPACKT