Helge Lindh ist Mitglied des deutschen Bundestags und kommt aus Wuppertal. Während der Flutkatastrophe im Juli 2021 war auch sein Heimatbundesland Nordrhein-Westfalen schwer getroffen. In den Tagen nach der Flut reisten zahlreiche Politikerinnen und freiwillige Helferinnen in die betroffenen Gebiete, um schnell Hilfe zu leisten. Darunter auch Helge Lindh. Sein Engagement teilte der Politiker auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken. Nach einem spöttischen Meinungsbeitrag im „Meinungsmagazin” Tichy’s Einblick zu diesen Bildern, prasselten Hasskommentare, Posts und Tweets auf Lindh ein: Ein Shitstorm war in vollem Gange. Als Shitstorm, oder auch Hatestorm, wird ein großes Aufkommen von Kritik, bis hin zu Hass, Beleidigungen oder Drohungen in einem kurzen Zeitraum bezeichnet. Oft wird ein Shitstorm durch ein aktuelles Ereignis ausgelöst. Betroffene sollten ruhig bleiben und souverän reagieren. Nicht alle Kommentare müssen beantwortet werden. Diskussionen sind oft sinnlos, weil die Beiträge oft nur dazu dienen, den Shitstorm weiter anzustacheln, statt tatsächliche Kritik zu üben. Helge Lindh im Visier der Hater*innen: Was ist passiert?
In einem Rechercheprojekt, das sich mit der Beeinflussung von digitalen Debatten und demokratischen Prozessen durch digitale Gewalt auseinandersetzt, haben wir diesen Shitstorm auf Twitter beobachtet und analysiert. Die Tichy’s-Einblick-Glosse zu Lindhs Einsatz im Flutgebiet erschien am 16. Juli 2021. Noch am selben Nachmittag wurde sie von dem Twitter-Account @TichysEinblick geteilt. Daraufhin stieg die Zahl der Tweets zu Helge Lindh massiv an. Am Mittag erhielt Lindh nur 21 Erwähnungen pro Stunde. Nachdem der Schmähbeitrag geteilt wurde, waren es bis zu 98 Tweets in einer Stunde. Insgesamt: 924 Kommentare an nur einem Tag. (…) Insgesamt wurden rund 4.000 Tweets veröffentlicht, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem Shitstorm stehen. Doch dahinter stecken nicht etwa 4.000 wütende User*innen. Unsere Analysen zeigen: Etwa die Hälfte der Tweets stammt von nur 283 hochaktiven Accounts! Diese im Verhältnis recht kleine Gruppe ist maßgeblich für das Eskalieren dieses Shitstorms verantwortlich. Die einzelnen Accounts haben sich mehrfach und häufig zu Helge Lindh geäußert. Dieser Shitstorm repräsentiert also keine breite Masse. Auch die Richtung, aus der der Shitstorm wehte, lässt sich nachverfolgen. 77 % der der Tweets zu Helge Lindh in diesem Zeitraum kamen aus einem rechten bis rechtsextremen Spektrum auf der Plattform. Dabei stachen drei Communitys besonders hervor: 54 % der Tweets stammten von Accounts, die zuvor regelmäßig Beiträge von @RolandTichy, dem Account des Gründers von Tichys Einblick, geteilt hatten. Viele der in den Shitstorm involvierten Accounts teilten zuvor auch regelmäßig Inhalte von Boris Reitschuster (@reitschuster, 50 %) oder Beatrix von Storch (@Beatrix_vStorch, 47 %).
via hate aid: Shitstorm-Analyse: Wolkig mit Aussicht auf Hass