Rechtsextremer Mörder Hendrik Möbus vor Amtsgericht Tiergarten. Ich habe heute die farbigen Pressungen von ›Black Abyss‹, ›Kaleidoscope Dreams‹ und ›Rainbow Nights‹ per Post bekommen. Die schwarzen will ich deswegen verkaufen. Versand aus Deutschland, schreibt mir bei Interesse.« Das postete ein User am 2. Oktober dieses Jahres unter dem Betreff »Sale BMSS Vinyl« in einem internationalen Black-Metal-Forum. So üblich der Weiterverkauf von Platten in Liebhaberkreisen ist, so unverdächtig erscheint die Nachricht. Interessant wird ein solches Angebot aber, wenn der Anbieter ein einschlägig vorbestrafter Rechtsextremist ist und die angebotene Ware von einer um nichts weniger einschlägigen Band stammt. Hinter der Abkürzung BMSS steckt »Black Magick SS«, eine Band aus Australien, die sich selbst als NSBM bezeichnet – National Socialist Black Metal, Nationasozialistischer Black Metal. Bei Neonazis scheint eine Vorliebe für Psychedelic Rock ungewöhnlich, die Symbolik dürfte aber genauso wichtig sein wie der Sound: Neben psychedelischen Hippiemustern prangen auf dem Cover SS-Runen, fast jedes Album zieren Hakenkreuze. Damit ist der Verkauf in Deutschland verboten. In dem Black-Metal-Forum bezieht man sich eher augenzwinkernd auf die ungewohnten Klänge und die poppige Nazi-Aufmachung der Rocker. So auch Hendrik Möbus. Er ist mutmaßlich jener Forum-User, der erst vor wenigen Wochen die Platten loswerden wollte. Möbus ist strammer Rechtsextremist mit einschlägiger Vergangenheit. Bekannt wurde er als »Satansmörder von Sondershausen« nachdem er 1993 mit anderen einen Mitschüler in der Thüringer Kleinstadt ermordete. Seitdem dreht sich Möbus’ Leben um die besonders düstere Ausformung des Metal, den Black Metal, sowie seine Instrumentalisierung für politische Zwecke, den Rechtsextremismus. Möbus vermarktet seine eigene Band »Absurd« und verdingt sich seit Jahrzehnten mit Produktion und Versand von Metal-Tonträgern und rechten Devotionalien. Seine Vergangenheit und seine Beständigkeit brachten ihm in der Szene Respekt ein. Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gilt er als graue Eminenz des neonazistischen Black Metal.
Für Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler und Beobachter der extrem rechten Musikkultur, ist der 45-Jährige »ein Kuriosum«. In Deutschland halte sich Möbus aus politisch organisierten Strukturen und Diskussionen weitgehend raus. »International ist Möbus deutlich besser vernetzt als ein Großteil der deutschen Neonazis.« Der Thüringer ist stets involviert, wenn es um Neonazi-Metal-Events geht, sei es beim zynisch als »Hot Shower« betitelten Festival in Italien oder im ukrainischen Kiew. In Kiew trafen sich wiederholt um die 1500 Neonazis, um ihre Neigung zu Black Metal und Nationalsozialismus gleichermaßen zu frönen. »Mal richtig abhitlern« eben, wie es Besucher beschrieben. »Möbus ist für beide Events deutscher Alleinanbieter für Tickets«, weiß Hindrichs, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mainz. Und Deutsche sind eine der größten Besuchergruppen. Das ist auch den Behörden nicht entgangen: Schon zweimal saß Möbus im Gefängnis, mehrmals durchsuchte der Staatsschutz seine Wohnung. 2019 wurde ein Ausreiseverbot über ihn verhängt, er gilt in Polizeikreisen als »einer der Hauptorganisatoren« des Nazi-Festivals in Kiew. Im selben Jahr wurde gegen ihn ein Verfahren vor dem Amtsgericht Tiergarten eröffnet. Der Vorwurf: Er soll 2014 und 2015 über seinen Versandhandel »T-Shirts, CDs und LPs angeboten haben, auf denen Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen abgebildet waren, unter anderem Hakenkreuze und sogenannte stilisierte Keltenkreuze«, teilt eine Gerichtssprecherin auf nd-Anfrage mit. Außerdem sollen Möbus und ein Komplize eine volksverhetzende, antisemitische CD angeboten haben. Nachdem der Prozess zweimal verschoben wurde, findet am Donnerstag der Auftakt statt.

via nd: Prozess gegen Neonazi – Hendrik Möbus: Umtriebiger als geahnt