In Deutschland kommt es immer wieder zu Gewalttaten durch “Maskenverweigerer” und “Querdenker”. Warum aber werden die Fälle nicht systematisch erfasst? Was an jenem Abend des 18. September in der Aral-Tankstelle in Idar-Oberstein geschah, soll gut dokumentiert sein. Die Überwachungskameras haben die Tat aufgezeichnet, einen Ton allerdings gibt es nicht, nur Bilder. Zu sehen sein soll in der Aufnahme, wie ein 49 Jahre alter Mann an die Kasse herantritt, einen Revolver – Kaliber 3,57 – zieht, und dem Kassierer in den Kopf schießt. Der 20 Jahre alte Student starb. Der Schütze war kurz zuvor schon einmal in der Tankstelle gewesen, auch das hatten die Kameras aufgezeichnet. Er wollte ein Sixpack Bier kaufen. Der Kassierer soll ihn darauf hingewiesen haben, dass er einen Mund-Nasen-Schutz tragen müsse. Daraufhin soll der Mann das Bier wütend auf den Tresen gehauen haben, nach Hause gefahren und mit der Waffe wiedergekommen sein.Tags darauf stellte sich der Täter, ein selbstständiger Software-Entwickler, der Polizei. Dabei soll er erklärt haben, er habe ein Zeichen setzen wollen. Die Corona-Pandemie habe ihn stark belastet.Der junge Tankstellen-Kassierer aus Idar-Oberstein ist womöglich das erste Todesopfer durch eine Gewalttat eines “Maskenverweigerers” in Deutschland. Bundesweit sorgte der Fall daher für Schlagzeilen und großes Entsetzen. Tatsächlich aber vergeht kaum eine Woche, ohne dass es irgendwo im Land zu körperlicher Gewalt, zu Angriffen und Bedrohungen durch Menschen kommt, die offenbar Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind. Durch Maskenverweigerer, selbsternannte “Querdenker” oder radikale Impfgegner. (…) In einigen Fällen spielte offenbar Alkohol eine Rolle, in anderen wiederum soll es Anzeichen für eine psychische Erkrankung der Angreifer geben. Auffällig ist jedoch: Es findet keine systematische, bundesweite Erfassung solcher Taten statt und keine Auswertung darüber, ob es möglicherweise einen bestimmten Tätertypus gibt, regionale Schwerpunkte oder besonders betroffene Örtlichkeiten.Im Frühjahr 2020 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) damit begonnen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kriminalität zu erfassen und auszuwerten. Die Behörde erstellte regelmäßig ein Lagebild aus den Daten, die aus den Bundesländern und von der Bundespolizei zugeliefert wurden. Seit dem Frühsommer allerdings wird dieses Lagebild nicht mehr fortgesetzt – und das, obwohl es weiterhin regelmäßig zu Gewalttaten kommt, die offenbar einen Pandemie-Bezug haben.
via tagesschau: “Querdenker”-Szene – Die Gewalt der “Maskengegner”