Geheimplan enthüllt: An der monumentalen ehemaligen Goebbels-Villa im Norden Berlins deckt t-online die “Operation Landnahme” auf. Die ehemalige Villa von Hitlers Propagandachef Goebbels: Ein Kulturprojekt sollte daraus werden. Dann kamen plötzlich seltsame Leute. Die Geschichte einer Unterwanderung. Der Rasen vor dem Haus ist kurz, aber die Bäume wuchern wild. Und dem Liebespaar aus Stein, das vor dem Eingang steht, fehlen die Köpfe. Vielleicht hat sie jemand aus Verachtung für den Mann abgeschlagen, der vor langer Zeit hier gelebt, geliebt und gehasst hat: Joseph Goebbels, NS-Propagandaminister und engster Vertrauter von Adolf Hitler. Es gibt nicht mehr viele Villen von ehemaligen Nazi-Größen. Und noch weniger, die seit Kriegsende eine so wechselvolle Geschichte durchlebt haben wie dieses Anwesen 20 Kilometer nordöstlich von Berlin. Zu DDR-Zeiten wurde es Teil einer Kaderschmiede für den sozialistischen Nachwuchs. Die Jugendorganisation FDJ zog hier im Wald eine riesige Hochschule hoch. Nach der Wende waren zunächst Hotels untergebracht, seit gut 20 Jahren gibt es nichts mehr – außer dem Verfall, den das Land Berlin notdürftig aufhält. Die Bilder dazu sehen Sie oben im Video. Berlin überlegt seit Jahren, den Komplex abzureißen und Wohnungen bauen zu lassen. Die Denkmalschützer des Landes Brandenburg haben das bisher verhindert. Da erschien es als Ausweg aus dem Stillstand, als sich ein Verein fand, der die Immobilie entwickeln will. Tagungszentrum, Hotel, Gesundheitshaus, Werkstätten und experimentelles Wohnen – fast alles soll hier entstehen.
Die fast perfekte Lösung hat nur einen gewaltigen Haken: Hinter dem Vorhaben stecken Reichsbürger, also Menschen, die alles andere als honorig sind. Sie lehnen die Bundesrepublik Deutschland ab und träumen von einem eigenen Staat: dem Königreich Deutschland. Ihr König war auf dem besten Weg dahin, über die Villa eines der größten Nazi-Schergen zu verfügen. Hier kommt ein Mann ins Spiel, der seit dem vergangenen Jahr am Bogensee Unterschlupf gefunden hat und in Plauen wegen Betrugs gesucht wird: Dirk Schneider ist einer der Initiatoren des Vereins “Leben & Kreativ Campus Bogensee”, und er kann viele Fragen zum Gelände beantworten, weil er seit 2019 auf eine Nutzung hinarbeitet. (…) Mails und Dokumente, die t-online vorliegen, beweisen: Das Projekt der Goebbels-Villa und des zugehörigen Areals am Bogensee war angelegt als Operation zur Landnahme für den Fantasiestaat “Königreich Deutschland”. Und als Schneider das rundheraus vor der Kamera abstreitet, lügt der Mann mit der “Identitätsnummer 1388” des sogenannten Meldeamts des Königreichs. Schriftlich räumt er später ein: Er sei “Staatsangehöriger” des Königreichs, andere Staatsangehörige hätten geholfen und er habe sich mit dem König abgestimmt. Aber ein Projekt des Königreichs sei das Vorhaben angeblich nicht, von Betrugsvorwürfen gegen ihn wisse er ebenfalls nichts.  Peter I. und sein Königreich. Das KRD, wie Kenner das Königreich Deutschland gern abkürzen und wie Schneider es genannt hat, ist ein besonderes Kuriosum in der an Kuriositäten wahrlich nicht armen Szene der Reichsbürger. Seit Jahren werden deren Mitglieder mit antisemitischen Verschwörungsmythen, sektenähnlichen Strukturen und zum Teil auch mit Gewalttaten auffällig. Oberhaupt des KRD ist ein Mann, der bei der Ausrufung des Königreichs 2012 in einer Zeremonie als König Peter I. gekrönt wurde. Königlichen Mantel und Krone tauscht er in der Regel mit Hemd und Jeans. Eigentlich heißt der gelernte Koch und Karatelehrer Peter Fitzek. (…) Die Spionageabwehr des Königreichs ist eher schlecht aufgestellt, deshalb konnte das Hackerkollektiv Anonymous zeitweise die Server kapern und so an umfangreiche Daten gelangen. Anonymous setzt Verschwörungsideologen und Querdenkern seit Monaten mit der “OpTinfoil” (“Operation Aluhut”) kräftig zu, indem es Verbindungen und Pläne offenlegt. Die Mails zum Bogensee zeigen, wie die führenden Köpfe im Königreich das Objekt gezielt ins Auge nahmen. Schneider und seine Pläne mit der AfD. Das beginnt spätestens am Nikolausabend 2019: Damals ist die Goebbels-Villa zum ersten Mal Thema im Königreich. Schneider schickt dem König ein Video und den Link zur Liegenschaft auf Google Maps. Acht Wochen später legt er in einem Dokument seine ersten Planungen dar: Hotels will er einrichten, ein Meditationszentrum und ein Seminargebäude “für Großveranstaltungen”. Feste Kooperationspartner hat er bereits im Sinn – zum Beispiel die AfD: “Feste Veranstaltungen AfD: Mind. 1 x Jahr Bundesparteitag 500 Gäste Freitag bis Sonntag 3 Tage Unterkunft à Gast 60 € pro Nacht = 90.000 € zuzüglich Vorbereitungs-/Nachbereitungstage + Saal-& Raummieten.” Hinzu kämen Landesparteitage der Partei. Auch das Projekt des Trump-Flüsterers Stephen Bannon suche noch nach einem Schulungsort. “Sind im Jahr schon mal rund 200.000 € Unterhaltskosten, die fix wären”, verspricht Schneider seiner Majestät.
Die Idee mit den Parteitagen und Bannon wird später nie wieder auftauchen. Und Schneider weist sie heute energisch zurück. Ein Grund liegt nahe. Solche Partner wären den Leuten nicht vermittelbar, die er für sein Projekt inzwischen braucht und um sich schart: Künstler und Kreative aus Berlin, eher links als rechts. Seit der ersten Mail an Fitzek hat Schneider viele Mitstreiter gefunden, die für die politische Unterstützung wichtig sind. Die Tricks des Königreichs Zum ersten Mal abseits des Geländes trifft sich der Initiativkreis im April 2020. Aus ihm wird später der Verein “Leben & Kreativ Campus” hervorgehen. An der Tür des Treffpunkts im Berliner Stadtteil Moabit steht auf einem Schild: “FairTeilen”. Dabei handelt es sich um eine Tarnorganisation. Keiner der Gäste, die bei dem Projekt mitmachen wollen, ahnt, dass sie eigentlich zu Gast im Königreich Deutschland sind.

via t-online: “Operation Landnahme” – Brisanter Geheimplan für Goebbels-Villa enthüllt

Bogensee 01.jpg
Von <a href=”//commons.wikimedia.org/wiki/User:Oltau” title=”User:Oltau”>Olaf Tausch</a> – <span class=”int-own-work” lang=”de”>Eigenes Werk</span>, CC BY 3.0, Link