In Teilen von Sachsen paktieren Neonazis, Reichsbürger und Querdenker in einer gemeinsamen Partei. Am Wochenende wollten sie den Staat an seine Grenzen bringen – und scheiterten. Im Erzgebirge wollten Anhänger der rechtsextremen Partei Freie Sachsen am Samstag Hase und Igel mit der Polizei spielen. Die Hasen waren sie am Ende selbst, denn die Polizei hatte mehrere Hundert Kräfte im Einsatz und offenbar einen guten Überblick – trotz eines Großaufmarsches des Neonazis: In gleich vier Orten versuchte die Szene, Kundgebungen abzuhalten. Zwei davon hatte das Oberverwaltungsgericht Bautzen zuvor untersagt. Dennoch folgten mehrere Hundert Anhänger der Querdenken-Bewegung, die die Corona-Pandemie leugnen, und Neonazis dem Aufruf der Freien Sachsen nach Chemnitz, um dort gegen Regierung und Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Die Veranstaltung geriet chaotisch. Eine Gruppe Rechtsextremer setzte sich an die Spitze, es kam zu körperlichen Auseinandersetzungen mit Polizisten. Eine Flasche flog, zerschellte am Helm eines Beamten. In der Aggressivität spiegelt sich der Geist der erst Anfang März gegründeten Partei. Sie ist ein potentes Sammelbecken von Neonazis, Reichsbürgern und Querdenkern. Deutlich wurde an diesem Samstag, welche Ziele sie verfolgt: Ihre Anhänger wollen die staatliche Gewalt an ihre Grenzen zu bringen. Sie wollen einen vermeintlichen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung inszenieren, wie bereits in Kassel, Leipzig oder Dresden geschehen. Massenhafte Verstöße gegen Versammlungsauflagen interpretieren sie in ihren Telegram-Gruppen als vorrevolutionäres Zeichen. Dort kursieren auch Aufrufe, Polizisten und Politiker anzugreifen oder zu töten.
Rückhalt finden die Freien Sachsen dennoch: Sie sind in mehreren Kommunalparlamenten vertreten. In Chemnitz etwa trägt die rechte Partei Pro Chemnitz seit Kurzem den Beinamen Freie Sachsen, dort ist sie mit sechs Sitzen vertreten. Bei der Gründung dabei war der Leipziger Hans-Joachim Müller. Über Müller berichtete der Störungsmelder bereits Anfang 2020, er ist einer der ideologischen Hintermänner der QAnon-Bewegung in Deutschland. Auf YouTube erreicht er über 100.000 Zuschauende mit seinen Verschwörungsvideos, durch die auch antisemitische Inhalte einem größeren Publikum präsentiert werden. Welche Rolle die Außenwirkung für die Freien Sachsen spielt, wurde ebenfalls auf der Demonstration in Chemnitz deutlich. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern befand sich auch der Szene-YouTuber Martin Lejeune. Der Berliner ist bekannt dafür, in der ersten Reihe von Querdenken-Versammlungen zu filmen und sich dabei als Journalist auszugeben. Verbindungen in die Querdenker-Szene Statt Distanzierung von den Neonazis folgte aus dem Gros der bürgerlich gekleideten Menge lautstarker Zuspruch für die Versuche der Rechtsextremen, sich polizeilichen Maßnahmen zu entziehen. Als eine Art Machtdemonstration riefen Hunderte, die sich den Corona-Leugnern zugehörig fühlten, gemeinsam Parolen. Nach einiger Zeit zerstreuten Polizisten auch die restlichen Gruppen.

via zeit: Rechte Allianz im Erzgebirge