Lügen in Großbuchstaben: Wie Youtube mit KI-generierter Propaganda geflutet wird

Sie verbreiten Lügen über die Bundesregierung und unterstützen die AfD und Russland: Tausende KI-generierte Propagandavideos fluten seit Monaten die Plattform Youtube und erreichen Millionen. Eine Spurensuche des RND führt nach Österreich, Vietnam und zu einem deutschen Fortnite-Youtuber. (…) „Jetzt droht der Putsch!“, heißt es in einem Youtube-Video, das im September 2025 hochgeladen und mehr als 350.000-mal angesehen wurde. Und damit nicht genug: Fast zeitgleich tauchten ähnliche Videos auch auf weiteren Kanälen auf. Zumindest ein Teil der Zuschauer hält sie für echt und freut sich. „Endlich macht mal jemand etwas gegen diesen Irrsinn“, kommentiert @freddykush1719. „Gut gemacht Bundeswehr“, schreibt eine weitere Nutzerin, die sich Heidi nennt und ihren Kommentar mit 17 Ausrufezeichen garniert. Dabei stimmt nichts an der Geschichte. Ein „hochrangiger General“, der angeblich mit Merz abrechnet, ist frei erfunden. Der Text des Videos wird von einer KI-Stimme vorgetragen und wurde wohl auch mithilfe Künstlicher Intelligenz verfasst. Der fast zehnminütige Clip ist nur eines von Tausenden KI-generierten Desinformationsvideos, mit denen Youtube seit Monaten geflutet wird. Jeder vierte Deutsche schaut dort täglich Videos. Mehr als die Hälfte nutzt die Plattform mindestens gelegentlich, um sich über das aktuelle Zeitgeschehen zu informieren. Doch sie wird immer mehr zu einer Halde für das, was Fachleute als „AI Slop“ bezeichnen: KI-Schrott. Videos, die mit künstlicher Intelligenz erstellt werden, möglichst sensationalistisch, möglichst auf Reichweite getrimmt. Viele dieser Videos sind belanglose Unterhaltung. Doch einige verbreiten Propaganda, manipulieren die öffentliche Meinung und greifen die Demokratie an. Um solche Videos geht es hier. (…) Obwohl viele der Clips derart plump sind, sind einige der Kanäle äußerst erfolgreich. Das zeigt eine RND-Analyse von fast 5200 Videos, die bis Anfang August 2025 auf 32 Youtube-Kanälen veröffentlicht wurden. Allein diese Videos wurden zusammen mehr als 75 Millionen Mal aufgerufen, mehr als 170 der Beiträge erzielten jeweils über 100.000 Aufrufe. Diese Kanäle stellen nur einen kleinen Ausschnitt dar – die Zahl entsprechender Kanäle geht in die Hunderte. Insgesamt dürften Desinformationsvideos dieser Art auf Youtube bislang mehrere hundert Millionen Aufrufe generiert haben. Zusätzlich werden viele der Clips nach RND-Recherchen auch von einem Account-Netzwerk auf der Videoplattform Tiktok weiterverbreitet. Außerdem finden sie ihren Weg in rechte Facebook-Gruppen und Telegram-Kanälen. (…) Neben dem RND hat auch der Think-Tank Reset.Tech, der sich für eine bessere Regulierung sozialer Medien einsetzt, in den vergangenen Monaten zu KI-generierter Desinformation auf Youtube geforscht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisation sind dabei auf rund 400 ähnliche Kanäle gestoßen, die Videos in insgesamt acht Sprachen veröffentlichen. In den Beschreibungen einzelner Videos fanden sie russische ChatGPT-Prompts – ein Hinweis auf die Muttersprache der Urheber und deren schlampiges Vorgehen. Sie fanden außerdem Accounts, bei denen Kasachstan als Herkunftsland angegeben war. Die RND-Recherchen deckten zudem Hinweise auf Verbindungen einzelner Accounts in die Türkei auf. Andere Spuren führen zu vietnamesischen Content-Farmen – Unternehmen, die Geld mit KI-generierten Clickbait-Artikeln und politischer Propaganda verdienen. YouTube-Monetarisierung treibt KI-Propaganda systematisch an Ob hinter all diesen Kanälen ein zusammenhängendes, zentral gesteuertes Netzwerk steckt, lässt sich ohne Einblick in die internen Systeme der Videoplattform Youtube kaum sagen. Zumindest einige der Kanäle arbeiten jedoch erkennbar zusammen, bei anderen könnte es sich auch um „Trittbrettfahrer“ handeln – also um skrupellose Youtuber, denen es nicht um Politik, sondern um Reichweite geht, die sich einfach in Geld übersetzen lässt. Junge Internetunternehmer bewerben genau das als Geschäftsmodell: „Youtube-Automation“. Sie geben als Ziel aus, einen Kanal mit weitgehend KI-generierten Videoinhalten möglichst schnell wachsen zu lassen, um in das Youtube-Partnerprogramm aufgenommen zu werden. Je nach Thema und Zielgruppe zahlt Youtube den Kanalbetreibern für Werbeeinblendungen in ihren Videos meist einstellige bis niedrig zweistellige Eurobeträge pro 1000 Aufrufe.

via rnd: Lügen in Großbuchstaben: Wie Youtube mit KI-generierter Propaganda geflutet wird

„Die AfD hat einen Russland-Troll an der Spitze“ – Scharfe Kritik an Chrupalla

Nach seinem Auftritt bei „Markus Lanz“ kritisieren Parteikollegen die Einschätzungen von Tino Chrupalla über Russland als naiv und gefährlich. CDU-Politiker Kiesewetter nennt den AfD-Chef einen „Verrückten“. Beschwichtigende Äußerungen von AfD-Chef Tino Chrupalla über Russland in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ und Aussagen über den Nato-Partner Polen stoßen in der Union, aber auch in der AfD selbst auf heftige Kritik. CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter bezeichnet Chrupalla als „Russland-Troll“ und „Verrückten“, nachdem der AfD-Chef ihn in der „Lanz“-Sendung mit dem russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedjew verglichen hatte. „Chrupalla ist jetzt massiv unter Druck in der eigenen AfD“, sagte Kiesewetter im Gespräch mit WELT TV. „Das heißt, diese Partei merkt, dass sie einen Russland-Troll an der Spitze haben, jemanden, der im Auftrag Putins Propaganda verbreitet und einen frei gewählten Abgeordneten mit einem Kriegsverbrecher vergleicht.“ Nun falle auch dem „letzten verqueren AfD-Anhänger auf, dass da irgendwas im Kopf eines Handwerksmeisters aus Görlitz nicht stimmt“. Chrupalla hatte bei Lanz gesagt, er sehe aktuell durch Russland keine Gefahr für Deutschland. Auf die Frage, ob er keinen hybriden Krieg sehe und die Situation in der Ukraine mit Millionen Menschen auf der Flucht, sagte er, jedes Land könne eine Gefahr für Deutschland werden.

via welt: „Die AfD hat einen Russland-Troll an der Spitze“ – Scharfe Kritik an Chrupalla

Terrorismusverfahren in Niedersachsen: LKA durchsucht Wohnung in Berumbur

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt gegen einen Mann aus Berumbur im beschaulichen Ostfriesland. Er soll eine extremistische „Kaiserreichsgruppe“ unterstützt haben. Berumbur Am frühen Mittwochmorgen haben Ermittler des Landeskriminalamts Niedersachsen und der Zentralen Polizeidirektion eine Wohnung in Berumbur durchsucht. Hintergrund ist ein Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft Celle, das bei der Zentralstelle Terrorismusbekämpfung geführt wird. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum bestätigte, steht der Beschuldigte, dessen Wohnung durchsucht wurde, im Verdacht, die „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ unterstützt zu haben. Bei dem Einsatz wurden elektronische Datenträger, darunter Festplatten und Computerkomponenten, sichergestellt. Diese werden nun vom Landeskriminalamt ausgewertet. Weitere Angaben zum Inhalt der Daten oder zur Person des Beschuldigten machte die Staatsanwaltschaft bislang nicht. Die Person wurde nicht festgenommen. „Kaiserreichsgruppe“ Wie Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum mitteilt, steht das Verfahren in Zusammenhang mit der sogenannten „Kaiserreichsgruppe“, einer extremistischen Vereinigung aus dem Reichsbürger-Milieu.

via ostfriesischer kurier: Terrorismusverfahren in Niedersachsen: LKA durchsucht Wohnung in Berumbur

Pläne zu Lauterbach-Entführung: Razzia bei AfD-Kommunalpolitiker in Ilmenau – #terror

Das LKA und die Bereitschaftspolizei haben in Ilmenau die Wohnung und Geschäftsräume eines AfD-Kommunalpolitikers durchsucht. Laut der Generalstaatsanwaltschaft steht die Razzia im Zusammenhang mit der geplanten Entführung des SPD-Politikers Karl Lauterbach. In Ilmenau haben am Donnerstag das LKA und die Bereitschaftspolizei mehrere Gebäude durchsucht. Wie ein Sprecher der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft sagte, handelte es sich um eine Razzia bei einem Stadtratsmitglied der AfD. Er gehört auch der AfD-Fraktion im Kreistag des Ilmkreises an. Demnach wurden die Wohnung und Geschäftsräume des Politikers sowie ein Gebäude am Flugplatz Osthausen-Wülfershausen im Ilm-Kreis durchsucht. Eine Festnahme sei nicht geplant gewesen, so der Sprecher. Die Razzia stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einer geplanten Entführung des früheren Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD). Gegen den Kommunalpolitiker laufe ein Ermittlungsverfahren der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft, da er in Verdacht stehe, die sogenannte “Kaiserreichsgruppe” unterstützt zu haben, sagte der Sprecher. Die Ermittlungen liefen unter anderem auch wegen des Verdachts der Beihilfe zur Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens gegen den Bund. MDR THÜRINGEN hat den Verdächtigen um eine Stellungnahme gebeten.

via mdr: Pläne zu Lauterbach-Entführung: Razzia bei AfD-Kommunalpolitiker in Ilmenau

sieeh auch: Geplante Entführung von Lauterbach: Durchsuchung bei AfD-Politiker in Thüringen wegen Terrorverdachts Ermittler verdächtigen einen Thüringer AfD-Politiker, Beihilfe zur Vorbereitung der geplanten Entführung Lauterbachs geleistet zu haben. Festgenommen wurde er aber nicht. Wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung sind Räume eines AfD-Politikers in Ilmenau durchsucht worden. Zur Sicherung von Beweismitteln wurden die Wohnung des Mannes sowie zwei weitere Objekte durchsucht, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Jena bestätigte. (…) Die sogenannte „Kaiserreichsgruppe“ ist eine rechtsterroristische Vereinigung, die spätestens im Januar 2022 mit dem Ziel gegründet wurde, die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen und durch ein autoritäres Regierungssystem nach dem Vorbild der Verfassung des Deutschen Reiches von 1871 zu ersetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, plante die Gruppe konkrete Gewaltakte wie Sprengstoffanschläge auf die Energieversorgung, die Entführung von Lauterbach und das Auskundschaften von Bahn-Stellwerken. Im März dieses Jahres wurden vier Rädelsführer der Gruppe vom Oberlandesgericht Koblenz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt; AfD-Politiker soll rechtsterroristische Vereinigung unterstützt haben Die Polizei hat die Wohnung eines AfD-Lokalpolitikers durchsucht. Gegen ihn wird im Zusammenhang mit einer versuchten Entführung von Karl Lauterbach ermittelt. (…) Im März dieses Jahres wurden vier Rädelsführer der Gruppe vom Oberlandesgericht Koblenz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Mitte Oktober erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer der Gruppe. Der Mann aus Freudenstadt soll die Umsturzpläne der Gruppe gekannt und im April 2022 an einem Treffen in Brandenburg teilgenommen haben. Dort habe er sich an der Ausarbeitung beteiligt. Zudem legt ihm die Anklage zur Last, ein Formular zur Besetzung von Ämtern in einer neuen Regierung in einen Gruppen-Chat gestellt zu haben. Gesucht wurden den Angaben zufolge Kandidaten für den “Reichskanzler” und einen “Reichsverweser”.

“Wochenend-Scharfschützen” in Sarajevo – Sie zahlten, um auf Zivilisten und Kinder zu schießen – #terror

Während der Belagerung Sarajevos sollen wohlhabende Ausländer hohe Summen gezahlt haben, um als “Wochenend-Scharfschützen” auf Zivilisten zu feuern. Die italienische Justiz ermittelt. Der Vorwurf klingt so unfassbar wie erschütternd: Wohlhabende Ausländer sollen während des Bosnienkriegs gezielt dafür bezahlt haben, auf Zivilisten in Sarajevo schießen zu dürfen – aus Vergnügen. Inmitten der Belagerung der bosnischen Hauptstadt zwischen 1992 und 1995 sollen sogenannte “Wochenend-Scharfschützen” aus westeuropäischen Ländern, darunter Italien, aber auch Deutschland, angereist sein, um an der Front Seite an Seite mit der bosnisch-serbischen Armee zu “jagen”. Wie italienische und internationale Medien übereinstimmend berichten, hat die italienische Justiz Ermittlungen dazu aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft Mailand untersucht aktuell mehrere Fälle von Mord aus besonders grausamen und niederträchtigen Motiven. Drei italienische Staatsbürger stehen im Fokus der Untersuchungen. Sie sollen während der Belagerung Sarajevos hohe Summen gezahlt haben, um sich dem bosnisch-serbischen Militär anzuschließen – nicht als Soldaten, sondern als Hobby-Scharfschützen. Die Beschuldigten sollen zwischen 1993 und 1995 von Mailand, Turin und Triest aus über Belgrad nach Bosnien gereist sein, unterstützt von Teilen der serbischen Armee. Laut Ermittlern wurden sie mit Hubschraubern oder Fahrzeugen in die Hügel rund um Sarajevo gebracht – also dorthin, von wo aus die Stadt von Scharfschützen terrorisiert wurde. “Es waren viele – nicht nur ein paar Dutzend” Die Ermittlungen wurden im Sommer 2025 aufgenommen, nachdem der Journalist Ezio Gavazzeni gemeinsam mit dem früheren Richter Guido Salvini und dem Anwalt Nicola Brigida eine umfangreiche Strafanzeige eingereicht hatte. Gavazzeni hatte über Jahre hinweg Material gesammelt, darunter Zeugenaussagen, Dokumente und Hinweise auf logistische Abläufe hinter den Reisen der mutmaßlichen Täter. Die aktuelle Berichterstattung beruht derzeit größtenteils auf diesen Erkenntnissen. Laut Gavazzeni handelte es sich nicht um Einzelfälle. “Es waren viele – nicht nur ein paar Dutzend”, so der Autor. Weiter behauptete er, “sehr, sehr viele Italiener” seien beteiligt gewesen, ohne jedoch eine konkrete Zahl zu nennen. “Es waren Deutsche, Franzosen, Engländer … Menschen aus allen westlichen Ländern, die hohe Summen zahlten, um dorthin gebracht zu werden und Zivilisten zu erschießen.” (…) Der ehemalige Analyst des bosnischen Militärgeheimdienstes Edin Subašić bestätigte die zentralen Vorwürfe sowohl dem Journalisten Ezio Gavazzeni als auch im Dokumentarfilm “Sarajevo Safari”. Nach seinen Angaben erhielt der bosnische Geheimdienst bereits Ende 1993 erste Hinweise auf eine sogenannte “Scharfschützen-Safari”. Subašić zufolge wurde der italienische Auslandsgeheimdienst SISMI Anfang 1994 informiert.

via t-online: “Wochenend-Scharfschützen” in Sarajevo Sie zahlten, um auf Zivilisten und Kinder zu schießen

Epstein-Mails veröffentlicht – “Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid”

Epstein-Mails veröffentlicht “Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid” Stand: 13.11.2025 05:26 Uhr Größtmögliche Distanz zwischen dem Sexualstraftäter Epstein und dem US-Präsidenten: Das will das Weiße Haus. Doch neu veröffentlichte E-Mail-Auszüge scheinen Trump zu belasten. Und nun rückt auch die Freigabe weiterer Akten näher.Neu bekannt gewordene Auszüge aus E-Mails des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein erhöhen den Druck auf US-Präsident Donald Trump. Die von den Demokraten veröffentlichten Schreiben legen nahe, dass Trump über die Straftaten und das von Epstein und seiner einstigen Vertrauten Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsstrukturen Bescheid wusste. Dies streitet Trump ab.Die E-Mails gehören zu 23.000 Dokumenten, die aus Epsteins Nachlass an den Kontrollausschuss im US-Repräsentantenhaus übergeben wurden.In einer Mail vom 2. April 2011 schrieb Epstein an Maxwell, die ihm immer wieder minderjährige Mädchen gebracht haben soll und deshalb im Gefängnis sitzt: “Ich möchte, dass dir klar wird, dass der Hund, der noch nicht gebellt hat, Trump ist. (Geschwärzter Name) hat Stunden in meinem Haus mit ihm verbracht, er ist kein einziges Mal erwähnt worden.”In einer zweiten Mail aus dem Jahr 2019 schrieb Epstein vor seinem Tod in einer Gefängniszelle dem Journalisten Michael Wolff: “Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid, da er Ghislaine gebeten hat aufzuhören.”

via tagesschau: Epstein-Mails veröffentlicht “Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid”

BVerfG zu Grenzen der Versammlungsfreiheit: Gegen­de­mon­s­t­ra­tion ja – Voll­b­lo­c­kade nein

Eine Sitzblockade als geschützte Versammlung? Ja – aber nicht, wenn sie eine andere Versammlung komplett lahmlegt. Das BVerfG hält die Verurteilung eines Gegendemonstranten zu einer Geldstrafe für verfassungsgemäß. Gegendemonstrationen gehören zur Demokratie wie Trillerpfeifen zur Protestkultur. Unterschiedliche Positionen dürfen – ja sollen – aufeinandertreffen. Was jedoch nicht geht: wenn eine Gegendemonstration die ursprüngliche Versammlung so blockiert, dass dort gar nichts mehr weitergeht. Genau an dieser Stelle zieht das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) nun eine klare Linie: Wer an einer Gegendemonstration teilnimmt, steht zwar unter dem Schutz des Art. 8 Abs. 1 Grundgesetz (GG). Doch dieser Schutz endet dort, wo die eigene Versammlung nicht mehr Teil des Meinungskampfs ist, sondern zur faktischen Stilllegung der anderen wird. So lag es im Fall eines Mannes, der 2015 in Freiburg an einer Sitzblockade teilnahm – und damit den Aufzug einer angemeldeten religiösen Versammlung vollständig zum Erliegen brachte. Wegen einer “groben Störung” nach § 21 Versammlungsgesetz (VersG) wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Seine Verfassungsbeschwerde dagegen hat das BVerfG nun zurückgewiesen (Beschl. v. 01.10.2025, Az. 1 BvR 2428/20). (…) Karlsruhe beginnt mit einem klarstellenden Schritt: Die Gegendemonstration war tatsächlich eine Versammlung im Sinne des Grundgesetzes. Entscheidend sei dafür, dass eine Zusammenkunft ein “kommunikatives Anliegen” verfolgt – also einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung leistet. Dass sie daneben auch Elemente der Störung enthält, nehme ihr den Versammlungscharakter nicht automatisch. Die Gegendemo-Gruppe am Martinstor äußerte ihre politischen Ansichten lautstark und sichtbar. Das reicht, so das BVerfG. Reine Störaktionen ohne eigenes politisches Anliegen wären hingegen gar nicht vom Schutz erfasst – doch so lag der Fall nicht. Zugleich betont der Senat grundsätzlich, dass Versammlungen in physischer Präsenz auch in Zeiten von Social Media ein unverzichtbares Instrument der kollektiven Meinungskundgabe bleiben – gerade weil sie unabhängig von Algorithmen direkt im öffentlichen Raum wirken. Der Schutzbereich des Art. 8 GG war also eröffnet. Trotzdem hält Karlsruhe fest, dass die spätere Bestrafung einen gerechtfertigten Grundrechtseingriff darstellt.

via lto: BVerfG zu Grenzen der Versammlungsfreiheit Gegen­de­mon­s­t­ra­tion ja – Voll­b­lo­c­kade nein

Symbolbild: Sitzblockade