Die AfD in Sachsen-Anhalt lockt im Rennen um den Landtag unter anderem mit Geldgeschenken an Familien. Werden die vielen Versprechen umgesetzt, würde der Landeshaushalt voraussichtlich tiefer in die roten Zahlen rutschen. Echte Maßnahmen zur Gegenfinanzierung sehen Wirtschaftsforscher nicht. Eine komplette Einsparung der Asylkosten kann eine AfD-Landesregierung nicht umsetzen. Das sagt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Milliardenlücke. IWH-Präsident Gropp bezeichnet die AfD-Vorschläge als “wahrscheinlich extrem wirtschaftsschädlich”. Die AfD will ab Herbst in Sachsen-Anhalt regieren und zwar möglichst allein. Auf der Jagd nach Wählerstimmen macht die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei daher lukrative Wahlversprechen, insbesondere für Familien. Dazu zählt ein Baby-Begrüßungsgeld von 2.000 Euro – wenn mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt -, monatlich ein Landes-Elterngeld, kostenlose Kita, kostenloses Mittagessen in Kitas und Schulen sowie Zuschüsse für Führerscheine. Dass sich das alles auch finanzieren lässt, ist nach Berechnungen des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) unrealistisch. Das IWH hat im AfD-Wahlprogramm 41 Vorhaben identifiziert, die Kosten verursachen. Aufgrund der Vagheit vieler Vorschläge seien allerdings nur zehn überhaupt grob bezifferbar. Schon diese zehn würden nach Experteneinschätzung fast eine Milliarde Euro kosten – konkret 913 Millionen Euro: und zwar jedes Jahr. (…) Der aktuelle Landeshaushalt hat einen Umfang von 15,6 Milliarden Euro. Und schon jetzt macht Sachsen-Anhalt jährlich rund eine Milliarde Euro Schulden. Ein Umstand, den die AfD eigentlich beenden will. Stattdessen würde das jährliche Defizit aber wohl auf 1,9 Milliarden Euro ansteigen, würde eine mögliche AfD-Regierung ihre Wahlversprechen umsetzen. Denn: Die AfD hat bislang nur wenige Vorschläge zur Gegenfinanzierung gemacht. Eine Komplett-Einsparung der Asylkosten ist unrealistisch, weil die meisten Asylsuchenden einen anerkannten Schutzstatus haben, an dem auch eine AfD-Landesregierung nicht rütteln kann. Zusammen mit Streichungen bei Vereinen und Stiftungen sowie Kürzungen in der Verwaltung würden nach Berechnungen des IWH maximal 200 Millionen Euro eingespart werden
via mdr: IWH: AfD-Wahlversprechen nicht finanzierbar
siehe auch: AfD-Hochburgen würden unter ihrer Politik am stärksten leiden. Im September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD hat gute Chancen, stärkste Kraft zu werden. Doch was würden weniger Europa, weniger Zuwanderung und geringere öffentliche Investitionen für die Menschen bedeuten? Diese Kurzstudie belegt ein AfD-Paradox: Regionen, die überproportional stark für die AfD stimmen, leiden deutlich stärker unter einer AfD-Politik als andere. Obwohl vieles an der Unzufriedenheit der Menschen in starken AfD-Regionen verständlich ist, würden sie sich mit der Wahl der AfD selbst am meisten schaden. Das gilt nirgendwo mehr als in Sachsen-Anhalt. Durch die von der AfD geforderte Politik – den Austritt aus Euro und EU, Abschottung und einen Stopp der Zuwanderung sowie massive staatliche Kürzungen – würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren; zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einkommensverluste durch eine AfD-Politik könnten in Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt. Die Gefahr einer Abwärtsspirale ist groß. Unzufriedenheit treibt die Unterstützung für die AfD, was wiederum die Lebenssituation weiter verschlechtert. Eine hoffnungsvolle Perspektive: Gelingt es, neue Zukunftschancen zu schaffen, kann aus der Abwärts- eine Aufwärtsspirale werden. Denn diese Kurzstudie zeigt auch, dass AfD-Wähler*innen, gerade im Osten, auf Veränderungen reagieren. Die deutsche Geschichte belegt es: Die 1990er und 2000er Jahre waren gerade in den ostdeutschen Ländern Jahrzehnte der Stärkung der Demokratie, des wachsenden Wohlstands und sozialer Teilhabe.