Remaining and Expanding or Surviving and Adapting? #Extremist #Platform #Migration and #Adaptation Strategies – #terror

Despite the often-decentralised nature of extremists and violent extremists in online spaces, there is clear evidence that they attempt to coordinate platform migration and provide instructional manuals on how fellow sympathisers should maintain operational security measures as they branch out onto other applications. Encountering new platforms naturally comes with a learning curve which translates to the risk of making potential mistakes if a user is unfamiliar with the security protocols and user terms of the platform. To reduce op-sec errors, users share messages containing security tips, create graphics addressing potential pitfalls of various platforms, and post lengthy guidelines on how to safely set up accounts on other apps via instructional PDFs, articles, and videos. Additionally, the wide array of available messaging apps has resulted in extremists simultaneously gravitating towards multiple platforms with varying objectives intended for specific apps. (…) Extreme right and white supremacist supporters do not face the same level of restrictions and deplatforming efforts as pro-IS supporters. That being said, Maura Conway succinctly explains the limitations of such comparisons which can be referenced here. Shifting focus towards cross-platform behavioural patterns, a brief inclusion of how these communities respond to moderation efforts and instruct their own adherents on online safety measures offers some preliminary insights concerning improvisation and adaption by extremists beyond IS. Following the 6 January 2021 Capitol insurrection, the suspension of former President Donald Trump’s Twitter, and the Amazon/Apple/Google removal of Parler, a lesser-known app called MeWe and Telegram experienced a surge in downloads from the Apple Store. In anticipation of new users, extreme Right and white supremacist Telegram spaces circulated op-sec guides with screenshot instructions on how to switch to the most secure settings. They also encouraged users to create accounts with fake numbers, avoid using real profile photos, and exercise caution in chats. In late 2018, I had encountered what appeared to be surprisingly frequent instances of people using selfies as profile photos and having phone numbers displayed on their account while observing these Telegram spaces. Now, however, I rarely see this and although these observations are anecdotal, privacy and security are clearly priorities for these communities.

via spiegel: Remaining and Expanding or Surviving and Adapting? Extremist Platform Migration and Adaptation Strategies

„No Nut November“ – WIE AUS EINEM WITZ EIN RECHTSEXTREMER TREND GEWORDEN IST

Seit einigen Jahren heißt der vorletzte Monat des Jahres für einige — meist rechtsaußen angesiedelte — Männer „No Nut November“ (NNN). Warum? Im ganzen November sollen keine Pornos angeschaut und nicht onaniert werden. Der NNN war eigentlich ein Witz auf Kosten der „NoFap“-Bewegung, einer Internet-Community, die Selbstbefriedigung aus obskuren Gründen ablehnt. Doch der Witz hat sich mittlerweile verselbstständigt und wird von esoterischen Männerrechtlern und rechtsextremen Aktivisten ernst genommen. Angefangen hat der Hype um den abstinenten November auf der Plattform Reddit in einem gleichnamigen Subreddit (Kanal). Dieser Subreddit wiederum entstand als Reaktion auf einen anderen Subreddit, „nofap“, wo sich hauptsächlich Männer gegenseitig anspornen, nicht zu onanieren. Die „NoFap“-Community glaubt daran, dass „semen retention“, also das Zurückhalten ihrer Samen, sie zu stärkeren, besseren, männlicheren Männern macht. Die Theorien der Selbstbefriedigungsgegner basieren auf entweder ausgedachten oder falsch verstandenen Fakten. Jede Ejakulation senke laut der Erzählung von „NoFap“ den Testosteronwert. Der Verzicht auf Onanie verbessere daher  Konzentration und Schlaf, und die gewonnenen Zeit, die nicht durch Selbstbefriedigung verschwendet werde, könne zur Selbstoptimierung verwendet werden. Denn der Muskelaufbau gehe dann leichter und die Beziehung zur Partnerin werde auch verbessert. Ein Thema, das allerdings nicht immer ganz klar wird. Denn einige Vertreter der Bewegung sprechen sich für komplette Abstinenz aus, also auch gegen Sex, andere wollen lediglich auf Selbstbefriedigung verzichten. Dazu wird „NoFap“ als Gegenmittel zur „Pornosucht“ propagiert, die sich in exzessiver Selbstbefriedigung äußere. So die Online-Aktivisten. Der NNN wiederum war zuerst vor allem eine Persiflage auf Themenmonate und Internetchallenges, die mehr oder weniger erfolgreich auf Krankheiten oder Missstände aufmerksam machen wollen. (…) Aber: Nicht alle haben den Witz verstanden. Der „No Nut November“ wurde zum niedrigschwelligen Einstieg in die „NoFap“-Welt. Besonders Männerrechtler und damit schnell auch rechtsalternative und extreme Influencer und ihr Gefolge nahmen den Witz sehr ernst. Wer es nicht schafft, ist ein „Coomer“ und wechselt sein Profilbild für den Rest des Monats zu einem bärtigen, grinsenden “Pornosüchtigen”. Ein Meme, das ebenfalls auf Reddit und 4chan geboren wurde. Die Prämissen der Community klingen dabei zum Teil nachvollziehbar. Expert:innen bestreiten zwar, dass „Pornosucht“ überhaupt existiert, ernstzunehmende Studien, die sie belegen, gibt es nicht. Trotzdem existieren viele legitime Kritikpunkte an der Pornoindustrie. Etwa der Umgang vor allem mit Frauen in der Branche, die Normalisierung von unrealistischen Körperbildern und Sexpraktiken, Reproduktion von rassistischen Stereotypen und vieles mehr. All das ist allerdings kein Stein des Anstoßes für die Community. Dafür haben die Onanie-Gegner aber andere Feinde ausgemacht. In der Erzählung der „NoFap“-Community ist die Pornoindustrie nämlich Teil der „jüdischen Weltverschwörung“. Juden und Jüdinnen kontrollierten demnach die großen Videoplattformen und die Studios und verdienten Geld damit, Männer durch ihre Produkte zu kontrollieren und zu manipulieren. Durch Pornosucht würden Männer verweichlicht und ihr Widerstand werde kleingehalten. Diese Erzählung ist nicht neu, sondern eine moderne Interpretation des „Juden als Zuhälters“, eine Geschichte, die bereits im 19. Jahrhundert Konjunktur hatte und von den Nationalsozialisten auf die Spitze getrieben wurde, die behaupteten, dass 90 Prozent aller Zuhälter jüdisch seien. David Duke, “Grand Wizzard” beim Ku Klux Klan, vertritt etwa diese These und bezeichnet Pornographie als „Waffe gegen Europäer“, die von Juden und Jüdinnen kontrolliert werde. Das Ziel sei dabei – wie so oft in rechtsextremen Erzählungen-, die Schwächung der „weißen Rasse“. Durch Pornographie und Selbstbefriedigung würden Männer nicht nur davon abgehalten, Kinder zu zeugen, sondern durch Porno-Genres, in denen etwa schwarze Männer mit weißen Frauen Sex hätten, würde „Rassenschande“ normalisiert. Eine Erzählung, die die Verschwörungsideologie vom „Großen Austausch“ oder der „Umvolkung“ anhand von Sexualität neu erzählt.

via belltower: „No Nut November“ – WIE AUS EINEM WITZ EIN RECHTSEXTREMER TREND GEWORDEN IST

#Speyer: #Anschlag auf #Impfbusse geplant? #Impfgegner wollen „#Terror veranstalten“

Seit der Schließung der Impfzentren sind vermehrt Impfbusse im Einsatz, an denen sich Menschen immunisieren können. Impfgegner planen nun vielleicht einen Brandanschlag! (…) Immer wieder haben Gegner der Impfungen und Corona-Maßnahmen gezeigt, dass sie auch nicht vor Gewalt zurückschrecken. So werden auf Querdenker-Demos immer wieder Polizisten und Journalisten angegriffen, Politiker im Netz aufs Übelste beleidigt und Personal in Restaurant und Supermärkten aggressiv angegangen. Trauriger Höhepunkt ist ein Mord in Idar-Oberstein, bei dem ein Maskengegner einen Kassierer kaltblütig erschießt. Auch vor Sachbeschädigung schrecken manche Impfgegner nicht zurück. Wenn es nach Mitgliedern einer Telegram-Gruppe mit dem Namen „ElternStehenAuf Speyer + Rhein-Pfalz-Kreis + Germersheim“ geht, könnten bald sogar ein paar Impfbusse in Flammen stehen. In der Gruppe mit über 300 Mitgliedern wird tagtäglich gegen Politiker und Impfungen gehetzt. Dabei werden auch so manche Verschwörungsmythen gestreut und Beiträge von Verschwörungsideologen geteilt. Besonders die Impfung von Kindern ist den Mitgliedern ein gewaltiger Dorn im Auge. Als dann bekannt wird, dass einer der Impfbusse an einer Berufsschule in Speyer steht, kommt die Sorge hoch, dass er auch bald an Grundschulen und Kindergärten stehen könnte. Daraufhin stellt ein Gruppenmitglied die Frage, wieso die Busse nicht über Nacht einen Platten haben könnten. Ein anderer User denkt allerdings noch weiter: „Warum haben die Busse über Nacht kein Feuer?“ Eine weitere Person habe zudem Bilder gesehen, auf dem die Fahrzeuge in der Nacht im Freien geparkt werden würden. Planen die Mitglieder also einen Brandanschlag? Auch in einem Musikvideo, bei dem Xavier Naidoo mitgemacht hat, wird die Sprengung eines Impfzentrums gezeigt.

via mannheim24: Speyer: Anschlag auf Impfbusse geplant? Impfgegner wollen „Terror veranstalten“

Transfeindlichkeit online – WAS IST PROBLEMATISCH AN #SUPERSTRAIGHT?

Auf Social Media bezeichnen sich manche Menschen, vor allem Männer, als „Super Straight”. Warum diese Form von imaginierter Hyperhetereosexualität eine Abwertung ist – und warum sich Rechtsextreme das zu Nutzen machen. „Super straight“ als vermeintliches Identitätsmerkmal kommt aus dem Internet. Am Anfang von #superstraight stand ein TikTok-Video in dem ein junger Mann aus Kanada erklärte, er wolle nur Frauen daten, die als Frauen geboren seinen, also keine Transfrauen, aber das sei nicht transfeindlich, sondern er gebe sich eine neue sexuelle Orientierung, er sei jetzt „Super straight“: „Yo, guys, I made a new sexuality now, actually. It’s called ‚super-straight’, since straight people, or straight men as myself –– I get called transphobic because I wouldn’t date a trans woman.“ Nun drehen jeden Tag weltweit Millionen Menschen Unfug-Videos, aber die „Super straight“-Verkündigung hat online einen Nerv getroffen, so dass das TikTok-Video nicht nur viral ging, sondern online eine weltweite „Bewegung“ ausgelöst hat. Am 21. Februar 2021 wird das Video bei hochgeladen. Innerhalb von zwei Tagen wird es über zwei Millionen mal geliked und findet auch schnell über TikTok hinaus Verbreitung. In den nächsten Tagen folgen zahlreiche TikToks, Tweets und Boardeinträge. Schon in diesem ersten Video sind einige abwertende Ansätze gesammelt, die die Hate Communitys online begierig aufgegriffen haben:
Die Täter-Opfer-Umkehr: Statt sich zu fragen, warum die lautstarke Verkündigung dieser Einstellung von betroffenen trans Frauen (1) als abwertend begriffen wird – um danach damit aufzuhören – wird die am wenigsten von Diskriminierung betroffene, privilegierteste Gruppe überhaupt – heterosexuelle Cis-Männer – als (z.T. „neues“) Opfer dargestellt: Sie dürften nicht mehr so sein, wie sie möchten, und müssten sogar eine neue sexuelle Orientierung ausrufen. Die Illustration oben zeigt den #superstraighten Ritter im Kampf gegen alle anderen – die allerdings gar kein Interesse haben, diese Einstellung zu bekämpfen, sondern nur diskriminierungsfrei leben wollen. Denn in Wirklichkeit geht es darum, dass die #superstraight-Anhänger:innen diskriminieren wollen, ohne sich das vorwerfen lassen zu müssen. Das Video erschien auch als Persiflage von Videos queerer Menschen, die über ihre sexuelle Orientierung sprechen – um sich mit dem Ausrufen einer Art Hyperheterosexualität über ihre Kämpfe lustig zu machen. Progressive Argumente werden auf queerfeindliche Weise umgekehrt. Zumal macht ein Labeling als „Humor“ Löschungen unwahrscheinlicher.
Es enthält die Delegitimierung von trans Personen, denen abgesprochen wird, „richtige“ Frauen oder Männer zu sein, kombiniert mit der Abwehr, dass sei die „Natur“ des Videomachers, die er sich nicht aussuchen könne. Hier kommen also bereits einige rhetorische Kniffe zum Tragen, die die rechtsextreme Alt-Right-Bewegung in den USA ebenfalls zelebriert, und so entwickelte sich #superstraight durch die Adaption des Labels auf den Hass-Foren von 4chan und Kiwifarms im März 2021. Hier wird die transfeindliche Ausrichtung von #superstraight mehr herausgearbeitet, ebenso wie die traditionalistischen Männlichkeits- und Weiblichkeitsvorstellungen als Gegenpol der „Natürlichkeit“ zementiert. Auf 4chan wird am 5. März 2021 ein Thread gestartet, in dem es darum geht, „Superstraight“-Memes zu bauen und auf Social Media zu posten, um mehr junge Menschen zu radikalisieren und deren Unwissen über Transpersonen und den Prozess der Transition  auszunutzen, um Ängste über die eigene Sexualität zu schüren. Die Memes bauten sich quasi von selbst: Oft werden queere Memes adaptiert und als „Super straight“-Memes umgebaut, um damit nicht nur queere Kämpfe zu verhöhnen, sondern sich sogar, als Krone der Verhöhnung sozusagen, selbst in die queere Szene einzureihen und Akzeptanz für die angebliche neue sexuelle Orientierung zu fordern. Neben Memes entstand eine „Fahne“ in schwarz und orange – inspiriert passender- und geschmackvollerweise durch die Farben der Sexseite Pornhub. Auf 4chan fiel dann (spätestens) auch User:innen auf, dass „super straight“ nicht nur auf traditionalistische Männlichkeitsbilder zurückgreift, sondern sich auch mit den Buchstaben SS abkürzen lässt

via belltower: Transfeindlichkeit online – WAS IST PROBLEMATISCH AN #SUPERSTRAIGHT?

#Facebook und #Instagram entfernen mehrere fragwürdige #Werbezielgruppen

Bisher konnten Zielgruppen anhand von sensiblen Faktoren wie sexuelle Orientierung, religiöse Ansichten und ethnische Hintergründe geschaltet werden. Facebook und Instagram entfernen Anfang kommenden Jahres eine Reihe detaillierter Werbetargeting-Optionen. Künftig sollen Firmen also keine Zielgruppen anhand von sensiblen Faktoren wie der sexuellen Orientierung, der religiösen Ansichten, der ethnischen Hintergründe und der Gesundheit von Nutzerinnen und Nutzern mehr erstellen können. (…) Dennoch plant Meta, eine Reihe sensibler Targeting-Möglichkeiten zu entfernen. Nicht zum ersten Mal, wie “The Verge” berichtet. In der Vergangenheit war es Werbetreibenden bereits möglich, Anzeigen anhand von antisemitischen und pseudowissenschaftlichen Kategorien zu schalten. Außerdem konnten Unternehmen Wohnungs-, Jobs- und Kreditanzeigen nach “multikultureller Affinität” ausrichten – und somit bestimmte Bevölkerungsgruppen ausschließen. Erst nachdem der Cambridge-Analytica-Skandal aufgeflogen war, verbot Facebook die Nutzung von Targeting-Daten von Drittanbietern.

via standard: Facebook und Instagram entfernen mehrere fragwürdige Werbezielgruppen

siehe auch: Facebook and Instagram will delete ‘sensitive’ ad targeting groups linked to race, politics. Meta can still track you based on your gender, location, and age, though. Meta, the new name for the parent company that oversees Facebook and Instagram, suddenly wants to be less creepy. According to a post on the Meta for Business blog, the company is blocking advertisers from using detailed ad targeting options that show ads based on your engagement in “sensitive” areas including race or ethnicity, religious views, political beliefs, sexual orientation, health, and a whole lot more. (…) Meta is planning on hitting the “delete” key on many of its “sensitive” detailed targeting options, but this comes after several instances in which Facebook had to remove controversial categories in the past. Previously, advertisers could target ads to anti-Semitic categories and pseudoscience. It also let companies target housing, job, and credit ads by “multicultural affinity” that could exclude certain races. And only after the Cambridge Analytica scandal did Facebook stop allowing third-party data for targeting ads in 2018, cutting off companies that sold data like your purchasing history to advertisers.

#Amtsgericht #Heidelberg – #Hasskommentar kostet Rentner 1000 Euro – #LockHimUp #NoHateSpeech

Der 65-Jährige hatte auf Facebook gefordert, eine Vorkämpferin gegen Rechtsextremismus solle “geteert und gefedert werden”. Hetze im Netz beschäftigt immer häufiger die Justiz. Ein Hasskommentar auf Facebook kommt nun auch einen Heidelberger Rentner teuer zu stehen. Der 65-Jährige hatte am 4. Januar dieses Jahres auf einer Seite der rechtspopulistischen AfD die Journalistin und Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, beleidigt und dazu aufgerufen, “sie zu federn, zu teeren und aus dem Land zu jagen”. Der Prozess wegen Aufforderung zu Straftaten und Beleidigung vor dem Heidelberger Amtsgericht wurde am Montag nach Paragraf 153a Strafprozessordnung zwar eingestellt. Als Auflage muss der Beschuldigte aber eine Geldbuße von 1000 Euro an die Staatskasse bezahlen. (…) Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht gegen den Rentner zunächst einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 50 Euro, wogegen der Beschuldigte jedoch Widerspruch einlegte. Der 65-Jährige selbst nahm nicht am Prozess teil, sondern ließ sich wegen einer angeblichen Herzschwäche von seinem Rechtsanwalt Matthias Becke vertreten. “Es ist meinem Mandanten hochnotpeinlich, dass er in so eine Situation geraten ist”, sagte der Verteidiger. Der Beschuldigte habe “keinerlei Erinnerung” mehr an seinen Facebook-Kommentar, diese “dumme Äußerung”. Becke versicherte: “Wenn er es gemacht hat, würde er es nie wieder tun.” Der Rentner habe keinerlei Bezug zu Anetta Kahane und wisse gar nicht, wer das sei. Sein Mandant sei ein “herzensguter Kerl”, der sich sozial engagiere und jedes Jahr für “Ärzte ohne Grenzen” spende. Monatlich stünde ihm ein Einkommen von knapp 1200 Euro zur Verfügung. Becke bestätigte allerdings auch, dass die E-Mail-Adresse des Facebook-Accounts von seinem Mandanten stamme. Dass sein mit im Haushalt lebender Sohn oder seine Ehefrau für den Eintrag verantwortlich seien, schließe er aus. Der Facebook-Kommentar wurde nach den Angaben von Staatsanwalt Jonathan Waldschmidt 7050-mal gelikt und 1885-mal kommentiert.

via rnz: Amtsgericht Heidelberg – Hasskommentar kostet Rentner 1000 Euro

“Querdenker”, “Reichsbürger” & Co. – Hinter der Bauernhofschul-Idylle stecken wohl Rechtsextreme

Mutmaßliche undemokratische Umtriebe hinter Bauernhofschule. Aus Sorge um die Auswirkungen der staatlichen Corona-Maßnahmen wollen Eltern in Mittelhessen eine Ergänzungsschule gründen. Dort sollen ihre Kinder “frei lernen” können. Nach hr-Informationen mischen dabei “Reichsbürger” und rechte Verschwörungstheoretiker mit. “Lasst uns eine neue Art der Schule gründen, eine Schule wo unsere Kinder frei und glücklich sein können”, schreibt eine Frau mit Nutzerinnenname “Namaste” in einem Telegram-Chat. Gemeinsam mit ihr sorgen sich darin rund 120 weitere Menschen um das Wohl ihrer Kinder in der Corona-Pandemie. Sie suchen nach Lernorten im Lahn-Dill-Kreis und in der Region Weilburg, an denen sie ihrem Nachwuchs alternative Lerninhalte außerhalb des staatlichen Schulsystems bieten wollen. Eine solche sogenannte Bauernhofschule gibt es. “Die Schule befindet sich projektabhängig an verschiedenen Orten und Örtlichkeiten, mit einem festen Sitz in Leun”, heißt es in einem Konzept, das dem hr vorliegt. Aus Posts im Chat geht hervor, dass die Eltern dort den Kindern zeigen wollen, wie man Gemüse anbaut, mit Tieren umgeht und mit der Natur in Einklang lebt. Sie haben vor, ihre Bauernhofschule beim staatlichen Schulamt offiziell als Ergänzungsschule registrieren zu lassen. (…) Das Kultusministerium in Wiesbaden registriert seit diesem Sommer unter den Labels Bauernhofschule oder Freies Lernen vereinzelt Elterninitiativen. “Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Initiatoren um solche Menschen handelt, die sich zumindest den Corona-Schutzmaßnahmen und vor allem der Frage der Testungen nicht anschließen wollen oder diese sogar ganz ablehnen”, gibt ein Ministeriumssprecher auf hr-Anfrage zur Auskunft. (…) Nach unseren Recherchen liegt der Verdacht nahe, dass es bei der Ergänzungsschule im Lahn-Dill-Kreis um mehr als die Ablehnung der staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen geht. Der hr konnte Einblick nehmen in das interne Netzwerk hinter der Elterninitiative. In diesem als “Vernetzungsgruppe” bezeichneten Chat werden politische Ansichten ausgetauscht, wie sie in der “Querdenken”-Bewegung, bei “Reichsbürgern” und unter selbst ernannten Völkischen Siedlern üblich sind. Bislang haben die Initiatoren der Elterngruppe Fragen des hr dazu nicht beantwortet. Als im Rahmen einer geplanten Vereinsgründung für die Bauernhofschule Nutzerin “Christiane” danach fragt, ob sich jemand mit Steuerfragen auskennt, reagiert ein Teilnehmer im typischen “Reichsbürger”-Jargon: “In der BRD GmbH gibt es kein Finanzamt!!!! Fangt an zu kämpfen. Wer Geld an dieses System zahlt, macht sich strafbar.” (…) Neben Nachhilfe in “Reichsbürger”-Kunde finden sich auch offen rechtsextreme und antisemitische Weltbilder im Chat der “Vernetzungsgruppe”. So schreibt eine Teilnehmerin, die sich als Schamanin bezeichnet: “Patrioten, schaut euch unbedingt diese wahren Geschichten an. Die wirkliche Wahrheit über das deutsche Volk. Denn die zionistischen Alliierten sind das wahre Feindbild gewesen. In allen KZs wurden keine Juden vergast. Sie wurden ausgewiesen.” Den Holocaust zu leugnen, ist eine Straftat. Doch das scheint in der Gruppe niemanden gestört zu haben.

via hessenschau: “Querdenker”, “Reichsbürger” & Co. – Hinter der Bauernhofschul-Idylle stecken wohl Rechtsextreme