Wer wiederholt ohne Fahrschein mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, muss hohe Strafen zahlen – oder gar in Haft. Die Initiative „Freiheitsfonds“ kritisiert die Praxis scharf. Hunderte Menschen kommen jedes Jahr in Haft, nachdem sie ohne Fahrschein mit BVG oder S-Bahn gefahren sind: Wenn sie die entsprechenden Strafen wiederholt nicht zahlen, müssen sie eine sogenannte „Ersatzfreiheitsstrafe“ ableisten. Die Initiative „Freiheitsfonds“ von „Frag den Staat“-Gründer Arne Semsrott will diese Praxis ändern: (…) „”Fahren ohne Fahrschein” ist seit 1935 eine Straftat, eingeführt von den Nazis. Tausende Menschen müssen jedes Jahr ins Gefängnis, weil sie sich kein Ticket für Bus und Bahn leisten können. (…) Mit Spenden habe die Initiative demnach für 28.420 Euro insgesamt 2130 Hafttage aufgelöst, was laut Rechnung der Aktivist:innen dem Staat zugleich fast 320.000 Euro Haftkosten erspare.
Der Impfstoff-Hersteller BioNTech nimmt die Suche nach einer Immuntherapie gegen Krebs wieder stärker in den Blick. Dabei konkurriert das Mainzer Unternehmen mit Firmen aus den USA und auch Deutschland.Das Unternehmerpaar Özlem Türeci und Ugur Sahin gründete 2008 die für seinen Corona-Impfstoff bekannte Mainzer Firma BioNTech, weil sie die Krebsbehandlung revolutionieren wollten. Auf ihrer Webseite formulieren sie ihr Ziel: “Wir haben BioNTech gegründet, weil wir Schlüsseltechnologien weiterentwickeln, die richtigen Leute zusammenbringen und unsere Vision für die Zukunft der Krebsmedizin verwirklichen wollen.”Für eine mögliche Immuntherapie entwickelten Biologen ein mRNA-Verfahren, das den Krebs ganz individuell bekämpfen soll. In den vergangenen zwei Jahren setzte das Unternehmen diese Technologie aber vor allem im Kampf gegen das Corona-Virus ein. Die Mainzer Entwickler brachten den ersten mRNA-Impfstoff in der Pandemie auf den Markt. Krebsimmuntherapien. Krebsimmuntherapien setzen darauf, das körpereigene Immunsystem zu nutzen, um den Krebs zu bekämpfen. Die Immunantwort, die durch den Impfstoff ausgelöst wird, soll zum Tod der Krebszellen führen. Ziel ist, dass die Immunantwort selektiv erfolgt, also wirklich nur die Zellen angreift, die auch getötet werden sollen. Dazu werden beispielsweise Impfstoffe auf mRNA-Basis entwickelt. Seit September 2006 sind in der EU bereits Impfstoffe zugelassen, die auf Umwegen gegen den Krebs schützen. Eine Impfung beispielsweise gegen Gebärmutterhalskrebs wird zur Immunisierung gegen Viren eingesetzt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Neue Produktionsstätte in Mainz. Nun nimmt BioNTech sein eigentliches Ziel wieder stärker in Blick: ein Heilmittel gegen den Krebs zu finden. In Mainz feierte das Unternehmen heute Richtfest für die “weltweit erste Anlage ihrer Art für die Herstellung individualisierter Produkte für die Krebs-Immuntherapie”, wie es von dem Hersteller hieß.Die Produktionsstätte soll 2023 in Betrieb gehen, 500 Menschen sollen dort einmal arbeiten. Türeci und Sahin wollen dort jährlich mehr als 10.000 Chargen für die maßgeschneiderte Therapie krebskranker Menschen herstellen. Basis soll wie beim Corona-Impfstoff die mRNA-Technik sein.
Eine Mitarbeiterin der Uniklinik in München wird für ein Video in den sozialen Medien von der “Querdenken”-Szene gefeiert. Die Universität will ihr nun kündigen. Die Ludwig-Maximilians-Universität hat einer Mitarbeiterin, die auf Instagram die Corona-Maßnahmen der Klinik kritisiert hat, vom Dienst freigestellt. Ein Hausverbot habe man gegen die Frau, die zuletzt in der Pathologie des Krankenhauses in München gearbeitet hatte, bereits ausgestellt. Nun wolle man auch eine fristlose Kündigung auf den Weg bringen. Zunächst hatte die “Süddeutsche Zeitung” (SZ) berichtet. Auf Twitter schrieb die Klinik, dass man sich “aufs Schärfste” von dem Inhalt der Videos distanziere. Die junge Frau hatte auf Instagram gegen die angeblich verpflichtenden und selbst zu zahlenden PCR-Tests für ungeimpfte Mitarbeiter gewettert. Die Regelung sei “komplett geisteskrank”. Sie selbst sei “nicht von den Maßnahmen betroffen”. In dem Video zeigte die Frau die Kühlkammern der Klinik, in der “drei Leichen mit Corona” liegen würden.
siehe auch: Uniklinik wirft Mitarbeiterin wegen Corona-Video raus. Die Frau wettert darin gegen angebliche PCR-Testpflichten für ungeimpftes Personal. Unter “Querdenkern” wurde der Beitrag häufig geteilt. (…) Eine LMU-Sprecherin wollte sich nicht zu den Inhalten des Videos äußern. Die Uniklinik habe der Frau Hausverbot erteilt, eine fristlose Kündigung werde auf den Weg gebracht. Die Verbreitung solcher Videos trage nicht zur Hilfe für Kranke und das stark belastete Personal bei; Nach Video über Corona-Maßnahmen: Uniklinik in München kündigt Mitarbeiterin. Eine Mitarbeiterin der Ludwig-Maximilians-Universität in München filmt sich bei einer Wutrede über die Corona-Pandemie. Die Pathologin stellt das Video ins Netz – und wird umgehend freigestellt. Die Universität distanziere sich aufs Schärfste von den Aussagen. (…) Die junge Mitarbeiterin filmte sich selbst in den Räumlichkeiten der Pathologie. In dem mehr als zweiminütigen Video schimpfte sie über die Corona-Maßnahmen. Der Anlass für ihr Video, erklärte sie zu Beginn, sei eine Entscheidung des Ministeriums, nach der ungeimpfte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Universitäten und Krankenhäusern einen negativen PCR-Test nachweisen und diesen selbst bezahlen müssten. Das würde zu finanziell bedingten Kündigungen führen, weil nicht jede oder jeder die Tests bezahlen könne. Anschließend schwenkt sie die Kamera und zeigt die Leichenhalle. Ihrer Ansicht nach habe der Notstand in Deutschland nichts mit Corona zu tun, sondern mit dem Fachkräftemangel. Ferner machte sie die Impfung gegen Corona für Blutgerinnungen verantwortlich. Blutgerinnungen kommen nach Impfungen zwar vor, treten aber laut einer Studie aus dem Sommer deutlich seltener auf als nach der Corona-Erkrankung selbst.
Weil nun sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf der Arbeit 3G gilt, steigt die Nachfrage nach Corona-Impfungen wieder an. So bilden sich an manchen offenen Impfangeboten Schlangen. Ein Video einer solchen Schlange erfreut nun Nutzer in den sozialen Medien: Darin macht sich eine Frau über ihren Mann lustig, der sich nicht rechtzeitig hat impfen lassen. Seitdem 3G in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf der Arbeit gilt, zieht die Nachfrage nach Impfungen wieder an. Bei offenen Impfangeboten ohne Termin sorgt das zum Teil für Schlangen – so auch etwa in Hamburg. Von dort teilt der ARD-„Panorama“-Redakteur Johannes Edelhoff nun ein Video, das in den sozialen Medien für viel Unterhaltung sorgt. Darin zu sehen ist nämlich eine Frau, die sich darüber lustig macht, dass ihr Mann hier für den Piks lange anstehen muss, während sie sich schon früher mit Termin beim Hausarzt hatte impfen lassen. Auf die Frage des Reporters in dem Clip, warum sie hier sei, sagt sie süffisant: „Ich bin wegen meinem Mann hier, weil mein Mann hat sich nicht geimpft, hat mir nicht zugehört (…), jetzt muss er die Strafe kriegen und so lange Schlange stehen
Der Lebensmittellieferrant Gorillas darf die Gründung eines Betriebsrats nicht verhindern. Für die kämpferische Belegschaft ist das ein großer Erfolg. War es eine vorschnelle Sektlaune oder der grundsätzliche Ausdruck einer überheblichen, arbeitnehmerfeindlichen Stimmung in der Managementabteilung von Gorillas? Am Dienstagabend jedenfalls verschickte diese eine Rundmail an alle Beschäftigten, in der es hieß, dass die für nächste Woche geplante Wahl des Betriebsrates nicht stattfinden wird. Doch die Start-up-Führungsriege hat ihre Rechnung ohne das Berliner Arbeitsgericht gemacht. Das nämlich entschied am Mittwoch: Gorillas muss die gewerkschaftliche Organisierung seiner Mitarbeiter:innen zulassen. Etwa 50 Fahrer:innen und Beschäftigte der Warenlager, darunter auch der gewählte neunköpfige Wahlvorstand, waren vor dem Gerichtsgebäude in Tiergarten erschienen. Der Prozess markierte den vorläufigen Höhepunkt ihres Engagements für bessere Arbeitsbedingungen. Immer wieder hatte das Gorillas Workers Collective in den vergangenen Monaten Proteste und Streiks organisiert, nun sollten die eher anarchistischen Strukturen in die Gründung eines ordentlichen Betriebsrates münden. Doch gegen die geplante Wahl war Gorillas mit einer einstweiligen Verfügung vorgegangen. Gorillas hatte in einem noch am Dienstag eingereichten Schriftsatz argumentiert, seine 18 Berliner Lager, im Konzernsprech Warehouses genannt, nun in eigenständige Unternehmen umgewandelt zu haben; die Angestellten mussten vergangene Woche entsprechende neue Verträge etwa mit dem Warehouse Steglitz unterschreiben, wie ein Fahrer aus dem Wahlvorstand der taz sagte. Laut Gorillas sei die anberaumte Wahl damit hinfällig, da nicht klar sei, für welchen Betrieb nun ein Betriebsrat gegründet werden solle. Doch das Gericht folgte der Argumentation der Verteidigung: Gorillas habe keinerlei Informationen zu den neuen Betriebsstrukturen vorgetragen. Es sei damit nicht nachvollziehbar, dass das ursprüngliche Unternehmen nicht mehr existiere. Auch weitere Vorbehalte hielt das Gericht nicht für ausreichend, um nun in den Wahlvorgang einzugreifen. Gorillas hatte etwa eine fehlerhafte Information zur Wahl des Wahlvorstandes angemerkt, da der Aushang in der Zentrale der Führungsetage gefehlt habe, und den Ausschluss einiger leitender Angestellter von der Wahl. Gorillas bliebe gleichwohl die Möglichkeit, im Nachhinein in einem ordentlichen Verfahren die Wahl anzufechten. (…) Gorillas beschäftigt derzeit etwa 2.000 Mitarbeiter:innen allein in Berlin, 75 Prozent davon sind Fahrer:innen oder Lagermitarbeiter:innen. Über genaue Zahlen, auch über Berlin hinaus, schweigt sich Gorillas aus. Kürzlich wurde bekannt, dass sich das wachsende Unternehmen nun unter dem Dach einer niederländischen Holding organisiert. Für Maren Ulbrich, Gewerkschaftssekretärin von Verdi, „liegt der Verdacht nah“, dass Gorillas so die „mögliche Wahl eines Aufsichtsrats umgehen will“. In diesem würden neben Vertreter:innen der Unternehmensseite auch Beschäftigte die Geschäftsleitung und unternehmerische Aktivitäten kontrollieren.
Erst beleidigte er einen Verdi-Juristen rassistisch, dann bedrohte er ihn auch noch – für einen Geschäftsführer eines Vertragshändlers von Harley-Davidson hat das Konsequenzen: Er ist nun seinen Job los. Sein offensichtlicher Rassismus ist einem Geschäftsführer eines Kölner Motorrad-Vertragshändlers zum Verhängnis geworden: “Normalerweise veröffentliche ich keine Auszüge aus dem Schriftverkehr”, schrieb am Montag Onur Ocak auf Twitter. Doch dieses “amüsant-unterirdische” Schreiben wolle er seinen Followern nicht vorenthalten. Der Jurist aus Bonn vertritt für die Gewerkschaft Verdi derzeit eine ehemalige Verkäuferin von Harley-Davidson in Köln, die eine aus ihrer Sicht zu geringe Zahlung erhalten hatte und dies juristisch klären wollte. So berichtete es Ocak dem “Spiegel”. (…) Harley-Davidson distanziert sich – und reagiert schnell. Doch die Äußerungen gingen nach hinten los: Bei Harley-Davidson distanzierte man sich schnell von dem Geschäftsführer. Für “Rassismus, Hass oder Intoleranz” gebe es in der “Harley-Davidson-Community oder irgendwo sonst” keinen Platz, hieß es in einem Schreiben aus dem Unternehmen an den “Spiegel”. Und auch beim Kölner Vertragshändler folgte die Reaktion, über die der “Kölner Stadt-Anzeiger” zuerst berichtete: Der Verfasser der E-Mail sei mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Geschäftsführer entbunden. Er werde in keiner Funktion mehr für das Unternehmen tätig sein.
siehe auch: Rassistische Anfeindungen – Harley-Davidson-Händler beleidigt und bedroht Ver.di-Juristen. Ein Jurist der Gewerkschaft Ver.di erhält einen Brief von einem Harley-Davidson-Vertragshändler, in dem er rassistisch angegangen wird. Nun hat er das Schreiben öffentlich gemacht – und wird erneut attackiert. Eigentlich habe ihn diese Wortwahl gar nicht so sehr überrascht, sagte Ocak. Auf Twitter passiere so etwas regelmäßig. »Mich hat es aber schockiert, dass Harley-Davidson so etwas ausgeschrieben hat.« Onur Ocak arbeitet seit drei Jahren in der Rechtsabteilung der Gewerkschaft Ver.di und vertritt zurzeit eine Mandantin, die bei einem Harley-Davidson-Vertragshändler in Köln als Verkäuferin gearbeitet hat, so erzählt er es dem SPIEGEL. In einem Brief forderte er dazu auf, Auskunft über das Gehalt seiner Mandantin zu geben. Diese wollte klären, warum eine Zahlung niedriger ausgefallen war, als sie erwartet hatte. Die Antwort des Händlers von Harley-Davidson: »Möglicherweise ist es in dem Land, aus dem Sie stammen, ja üblich, eine Vollmacht lediglich zu versichern, hier in unserem Land ist das nicht so; Harley-Davidson greift nach Rassismus-Äußerungen hart durch. Die Beleidigungen und Drohungen, mit denen ein Kölner Harley-Händler den Bielefelder und Ex-Bürgermeisterkandidaten Onur Ocak attackierte, haben sofortige Konsequenzen. Sein Schreiben, in dem er den Bielefelder Onur Ocak (33) rassistisch beleidigte, hat für den Harley-Davidson-Händler aus Köln umgehend ernste Konsequenzen. Noch am selben Abend, an dem der Fall öffentlich geworden war, reagierte das Unternehmen
Alternative Fakten und dreiste Wissenschafts-Leugnung: In einem Sketch führt Maren Kroymann das infantile Verhalten von Querdenkern am Beispiel der Mathematik vor — ohne groß zu übertreiben. Deutschland kommt bei der Impfkampagne nicht weiter: Noch immer sind Millionen Deutsche ungeimpft. Eine bedeutende Rolle in der Öffentlichkeit spielen dabei die sogenannten Querdenker – die das Corona-Virus verharmlosen oder gar leugnen und die Erkenntnisse der Wissenschaft anzweifeln. Wie absurd die Argumentationsmuster der Corona-Leugner bisweilen sind, zeigt Maren Kroymann in einem neuen Sketch aus ihrer Comedy-Show “Kroymann”. Dort möchte eine Querdenkerin in einem Geschäft Bücher kaufen – will aber anstatt der geforderten 44,90 Euro lediglich 15,70 Euro zahlen. “Sie haben sich verrechnet”, wirft sie der Verkäuferin vor. Die rechnet noch mal nach – kommt aber erneut auf 44,90 Euro. Da geht die Diskussion erst los: “Für Sie – und für Ihre systemtreue Kapitalismusmaschine vielleicht.” Die von Jasna Fritzi Bauer gespielte Buchhändlerin beharrt auf der Korrektheit ihrer errechneten Summe. Doch damit fordert sie die “Querrechnerin” erst recht heraus: “Nur weil ich Ihre Mainstreammeinung nicht teile, müssen Sie mich nicht anschreien”, erwidert die. “Im Gegensatz zu Ihnen akzeptiere ich nicht jede erstbeste Wahrheit, die Regierung und Staatsfunk präsentieren. Ich mach mir mein eigenes Bild.” Und holt dann aus: Mathematik sei “eine Fakewissenschaft, mit der die da oben uns schröpfen wollen”. Die Verkäuferin erklärt, dass die Regeln, nach denen wir rechnen, ja nicht von der Regierung gemacht seien, die gebe es schon seit Pythagoras. Doch auch das lässt die Kundin nicht gelten: “Waren Sie dabei, als dieser angebliche Pythagoras seine Regeln aufgestellt hat?” Überhaupt: Warum solle ihr eigenes Rechenergebnis weniger wert sein als das der Verkäuferin? Sie argumentiere eben auf der Basis anderer Fakten. Falsch verstandene Toleranz. Als ob der Dialog nicht schon absurd genug wäre, springt der Querrechnerin nun auch ein weiterer Kunde bei: “Ich find es auch wichtig, dass man auch andere Ansichten zulässt”, gibt er sich ganz tolerant. Als die Händlerin zum Handy greift, um die Korrektheit ihrer Rechnung zu beweisen, kommt die nächste aus Kreisen der Querdenker bekannte Stanze: “Ah, Sie denken gar nicht selbst. Sie vertrauen Ihrem Handy. Viele liebe Grüße an Bill Gates – der hört ja eh immer zu.”