Eiserne Kreuze und Ausfahrten in NS-Uniform: In der Oldtimerszene fühlen sich rechte Akteure offenbar wohl. Sie idealisieren die »gute alte Zeit« – zum Unmut vieler Fans. Laut knattern die Zweitaktmotoren, in der Luft liegt der Geruch von verbranntem Benzin-Öl-Gemisch. Beim »Ostalgietreffen« im brandenburgischen Germendorf herrscht schon am Samstagvormittag dichtes Gedränge. Die Teilnehmer sind mit alten Trabant, Wartburg und allerlei anderen historischen Fahrzeuge angereist. Bei manchen reicht die Faszination offenbar weiter zurück als in die Zeiten der SED-Diktatur. So prangen auf einigen Fahrzeugen nicht nur Symbole, die an den untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat erinnern, etwa die DDR-Flagge mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Auch Eiserne Kreuze sind zu sehen, die in der rechtsextremen Szene häufig als Kennzeichen verwendet werden . Ein tätowierter Mann und ein Kind fahren auf einem gelben dreirädrigen Duo-Motorrad – ursprünglich als Krankenfahrzeug konzipiert – über das Gelände, auf dem Gefährt steht »Rennsportvereinigung Wlfsschnze«. Was nach einem Motorrad-Tuningclub klingt, wirkt wie eine Anspielung auf das Hauptquartier von Adolf Hitler in Ostpreußen während des Zweiten Weltkriegs, die Wolfsschanze. Solche Chiffren mit Begriffen aus dem Nationalsozialismus nutzen Neonazis häufig als Erkennungsmerkmal.
Rechtsextreme auf Oldtimertreffen, das ist kein Einzelfall. Historische Fahrzeuge sind beliebt in Deutschland, in den Sommermonaten gibt es Hunderte Veranstaltungen für Liebhaber. Zwar haben diese in der Regel einen unpolitischen Charakter. Im Mittelpunkt soll die Begeisterung für klassische Kraftfahrzeuge und ihre alte Technik stehen. Doch im Dunstkreis von Schmieröl und Abgasfahnen fühlen sich rechte Akteure mancherorts offenbar besonders wohl, um die »gute alte Zeit« zu idealisieren. In dieser herrschte vermeintlich noch Ordnung und es gab keine modernen Technologien wie Elektroautos, die in der rechten Szene besonders verhasst sind . »Allgemein ist zu beobachten, dass die extreme Rechte versucht, in Schrauberkreisen Fuß zu fassen«, sagt Horst Nordmann aus Köln. Der 67-Jährige ist Erster Vorsitzender des Veteranen Fahrzeug Verbands (VFV) , einer der ältesten und größten Oldtimer-Vereinigungen in Deutschland. Für das Hobby rund ums alte Blech begeisterten sich unzählige Menschen, die allermeisten hätten wenig mit Populismus zu tun. In den vergangenen Jahren sei in der Szene aber ein deutlicher Rechtsruck zu beobachten, radikale Ansichten und Symboliken seien salonfähig geworden, so Nordmann. »Man sieht Oldtimer-Fahrer in NS-Uniformen auf restaurierten Wehrmachtsfahrzeugen und hört halb- oder vollfaschistische Sprüche, die man lieber nicht hören will.« Auffällig sei zudem, wie die extrem rechte AfD versuche, das Oldtimer-Hobby für ihre politischen Botschaften zu instrumentalisieren.

via spiegel: Extremistische Umtriebe in der Oldtimerszene Auf der ganz rechten Spur


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