Knapp einen Monat nach dem mutmaßlichen Messerangriff auf AfD-Politiker Michael Meister dauern die Ermittlungen an. Die Partei nutzt den nicht aufgeklärten Fall dennoch als Tatsache. von Michael Seidel Knapp einen Monat ist es her, dass der Rostocker AfD-Landtagsabgeordnete Michael Meister kurz vor Mitternacht vor seiner Rostocker Wohnung überfallen worden sein soll. Ein blutiges T-Shirt und ein vermeintliches Bekennerschreiben auf einer linksradikalen Plattform gelten als ungeprüfte Indizien. Der AfD-Landesverband nutzt den noch nicht aufgeklärten Vorfall dennoch als Tatsache. In der Nacht zum 18. Juni will Meister in der Rostocker Bleicherstraße von zwei unbekannten, vermummten Männern von hinten angegriffen worden sein. Ein Stich mit einem “spitzen Gegenstand” sei zum Glück an einem Notebook im Rucksack des Geschädigten folgenlos geblieben, schilderte der Betroffene. Bei dem Handgemenge sei er jedoch am Arm verletzt worden, wohl durch ein Messer. Die stark blutende Wunde will Meister mit einem aus der Wohnung geholten T-Shirt notdürftig versorgt haben. Nach Polizeiangaben hatte Meister selbst die Polizei gerufen. Ominöses Shirt als Beweis für Gewalttat Das blutgetränkte T-Shirt hatte der frühere Bundespolizist im Gegensatz zu seiner Kleidung nicht am Tatabend der Polizei übergeben, sondern gab es Tage später in seiner AfD-Landtagsfraktion ab. Am Montag der Folgewoche präsentierte Fraktionschef Enrico Schult das Shirt als vermeintlichen Beweis für die heimtückische Gewalttat öffentlich. Erst danach brachte ein Fraktionsfahrer das Beweismittel zur Polizei. Auf Medienanfragen räumte die Fraktion ein, Meister habe das Kleidungsstück bei der Tat nicht getragen, sondern mit ihm seine Schnittwunde am Arm verbunden. Spekulationen um die Echtheit des Shirts in sozialen Netzwerken und auf Medienportalen schrieb die AfD linksextremen Kreisen zu, die damit von der eigentlichen Gewalttat ablenken wollten. Von gefährlicher Körperverletzung zu versuchtem Mord Der polizeiliche Staatsschutz ermittelte zunächst wegen gefährlicher Körperverletzung, stufte den Tatverdacht aber nach den Schilderungen des Geschädigten formal auf versuchten Mord hoch. Zugleich wies der ermittelnde Staatsanwalt Harald Nowack darauf hin, dass es bislang keine Zeugen gebe und die Ermittlungen allein auf den Schilderungen des Geschädigten beruhten. Zweifelhaftes Bekennerschreiben auf linksextremer Plattform Ein vermeintliches Bekennerschreiben auf der linksextremen Plattform Indymedia erweckte dann den Eindruck, die Rostocker Antifa habe den Anschlag tatsächlich begangen. Die Echtheit des Bekennerschreibens wird aber von den Ermittlern immer noch geprüft. Da es kein spezifisches Täterwissen enthält, sondern lediglich Angaben, die auch diversen Medienveröffentlichungen zu entnehmen waren, könnte es sich aus Sicht von Experten trotz detaillierter Ortsangaben und szenetypischer Wortwahl um einen Fake handeln.
via ndr: Vermeintlicher Überfall auf Rostocker AfD-Politiker: Ermittlungen halten an
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