Die AfD lädt zu einem Bürgerdialog auf einem historischen Raddampfer ein und die Reederei findet das unproblematisch. Das weckt ungute Erinnerungen. Die AfD lädt mal wieder zu einem Bürgerdialog ein – dieses Mal auf dem historischen Raddampfer „Freya“. Die Reederei Adler-Schiffe verspricht „pure Nostalgie und maritime Romantik“ auf der „Freya“ und die AfD findet das offenbar das passende Ambiente für ihre Veranstaltung. Schließlich nutzt die Partei schon länger nostalgische Emotionen für die Vermittlung ihrer politischen Intentionen. Das 1950 gegründete Unternehmen Adler-Schiffe mit Sitz auf Sylt ist keine kleine Reederei. Sie verfügt über eine Flotte von 26 Fahrgastschiffen, die an Nord- und Ostseeküste sowie auf Elbe, Eider und Nord-Ostsee-Kanal fahren. Das Unternehmen ist mit weiteren GmbHs und Holdings vernetzt. Die AfD-Bundestagsfraktion wirbt im Netz ganz offen für den Ausflug mit dem 115 Jahre alten Raddampfer: „Nutzen Sie diese Gelegenheit, um Fragen zu stellen und mit uns über die Zukunft Deutschlands zu diskutieren“ schreiben Kurt Kleinschmidt, Sven Wendorf, Gereon Bollmann, Alexis Giersch und Kerstin Przygoddasie. Anmeldung sei nötig: „Begrenzte Platzzahl!“. An der Fahrt mit dem Raddampfer haben schon mal mehr als 130 Gäste teilgenommen. „Seit geraumer Zeit finden diese Fahrten statt“, sagt Bettina Jürgensen vom Kieler „Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus“. (…) Auf Nachfrage der taz teilt das Familienunternehmen mit, Angebote und Dienstleistungen stünden „grundsätzlich allen Kundinnen und Kunden diskriminierungsfrei zur Verfügung unabhängig von deren politischer, religiöser oder weltanschaulicher Ausrichtung, sofern sich diese im Rahmen der geltenden Gesetze bewegen“. Eine Unterstützung politischer Parteien oder deren Inhalte erfolge nicht. Brandmauer bekommt Risse Lange galt für Familien- und Mittelstandsunternehmen das „unausgesprochene Gesetz, mit der AfD nicht zu reden“, schreibt Oliver Stock, Herausgeber des Magazins „Markt und Mittelstand“, Ende Mai. Aber die „Brandmauer“ bekäme zusehends Risse. Im deutschen Mittelstand werde „traditionell nüchtern gerechnet“, und bei den derzeitigen Umfragewerte der AfD könnten die Mittelständler davon ausgehen, so Stock weiter, „dass unter ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso AfD-Wähler sind wie unter ihren Kunden“. Die Risse in der Brandmauer seien also keiner Ideologie, sondern schlicht Pragmatismus geschuldet. Diese Annahme, die Stock formuliert, weckt ungute Erinnerungen an jene Rationalität, die sich vor über 90 Jahren für Firmen und Unternehmen rechnete.

via taz: Bürgerdialog auf Raddampfer Wieso ein Familienunternehmen an die AfD vermietet

siehe dazu auch: Sylter Reederei sagt AfD-Veranstaltung auf Raddampfer ab. Nach Protesten der Sylter Gemeinde wird eine geplante AfD-Veranstaltung auf dem Raddampfer «Freya» in Kiel nicht stattfinden. Die Partei kritisierte den Druck auf die Reederei als «undemokratisch». Die Sylter Reederei Adler Schiffe hat einen geplanten Bürgerdialog der AfD-Bundestagsfraktion auf einem Raddampfer in Kiel abgesagt. «Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen wird die geplante Fahrt mit der “Freya” am 13.06.2026, wie bereits angekündigt, nicht stattfinden», teilte die Reederei mit. Gründe wurden nicht genannt. Die Reederei vermiete ihre Schiffe seit mehr als 75 Jahren ausschließlich nach geschäftlichen Kriterien, verteidigte das Unternehmen die ursprüngliche Buchung. Eine politische, religiöse oder weltanschauliche Positionierung werde nicht vorgenommen. Zuvor hatte es in der Sylter Gemeinde Widerstand gegen die geplante Veranstaltung gegeben. Nach Angaben des «Flensburger Tageblatts» beschloss der Hauptausschuss der Gemeinde am Dienstagabend einstimmig, den Reeder zu bewegen, die Vermietung zu verhindern. Wie ein Sprecher der Gemeinde mitteilte, sei die Bürgermeisterin beauftragt worden, ein Gespräch mit dem Inhaber der Reederei zu führen; AfD-Fahrt abgesagt: Warum der Sylter Reeder Paulsen einlenkt. Im Streit um die geplante AfD-Veranstaltung auf dem historischen Raddampfer „Freya“ gibt es eine finale Entscheidung: Die Fahrt ist offiziell abgesagt. Angesichts „des anhaltenden medialen und politischen Drucks“, so Reeder Sven Paulsen, zieht die Reederei Adler Schiffe die Konsequenzen und storniert den Auftrag. (…) In einer ersten Stellungnahme gegenüber shz.de verwies Reeder Sven Paulsen auf den seit mehr als 75 Jahren bestehenden Grundsatz des Unternehmens, Dienstleistungen für alle Kunden „diskriminierungsfrei und ohne politische Positionierung“ bereitzustellen. (…) Weiter hieß es: „Aufgrund des derzeitigen medialen und politischen Drucks befinden wir uns in der Abstimmung darüber, ob die Fahrt tatsächlich wie geplant durchgeführt wird“, erklärte Paulsen. Im Sinne eines „übergeordneten gesellschaftlichen Interesses und zur Wahrung des öffentlichen Friedens“ sei das Unternehmen bereit, „auf die wirtschaftlichen Einnahmen aus diesem Auftrag zu verzichten“. Man nehme die Kritik der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zur Kenntnis. Diese Bereitschaft mündete nun in der endgültigen Absage der Fahrt durch die Pressestelle der Reederei.