Nahezu alle politischen Schlüsselpositionen in der rheinland-pfälzischen AfD sind mittlerweile von Burschenschaftern besetzt. Wie es dazu kam. Wie groß der Einfluss der Burschenschafter in der rheinland-pfälzischen AfD ist, wurde Ende April sichtbar. Bei einer Pressekonferenz in Mainz stellte die AfD-Fraktion ihre Kampagne gegen eine im Landtag geplante Verfassungsänderung vor. Die Partei trommelte lautstark gegen das Vorhaben, das Quorum zum Einsetzen von Untersuchungsausschüssen anzuheben. Nahezu das gesamte AfD-Spitzenpersonal des Landes war vor Ort. Nur einer fehlte: der damals noch amtierende Fraktions- und Parteichef Jan Bollinger. Statt seiner traten Sebastian Münzenmaier, Damian Lohr, Michael Büge und Joachim Paul vor die Presse. Die vier eint neben dem Parteibuch zweierlei: Sie sind Mitglieder ultrarechter Burschenschaften – und besetzen zentrale Positionen im Land. Münzenmaier: Stratege und Strippenzieher hinter Alice Weidel Schon länger ist bekannt, dass die Verflechtungen zwischen Burschenschaften und AfD in Rheinland-Pfalz auffällig eng sind. Und die Anzeichen mehren sich, dass sie im Sommer noch enger werden könnten. In der Partei gilt es als offenes Geheimnis, dass Sebastian Münzenmaier überlegt, im Juni als neuer Landeschef zu kandidieren. Noch hat der Nicht-Burschenschafter Bollinger das Amt inne, doch Münzenmaiers Chancen gelten als gut. Parteiintern heißt es, der stellvertretende Landeschef sei in Wahrheit der starke Mann im Land. Der Pfälzer gilt in seinen Reihen als leutselig, professionell – und als bundespolitisch bestens vernetzt. Münzenmaier sei der zentrale Stratege und Strippenzieher hinter Parteichefin Alice Weidel, ist zu hören. Zugleich zeigt Münzenmaier seit Jahren wenig Scheu vor dem rechtsaußenstehenden Umfeld der Partei – dem sogenannten Vorfeld. Dafür steht auch seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz, die der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Tendenzen beobachtet. Landesinnenminister Michael Ebling (SPD) stufte die politische Ausrichtung der Mainzer Burschenschaft als „völkisch“ ein. Auch Münzenmaiers Vertrauter Damian Lohr gehört den Mainzer Germanen an. (,,,) Aus diesem DB-Umfeld stammt auch Michael Büge, Mitglied der „Gothia Berlin“. Am Montag, bei der Konstituierung des Landtags in Mainz, trat Büge die Nachfolge von Bollinger als Fraktionschef an. Büge setzte sich kurz nach der Landtagswahl gegen Bollinger in einer Kampfabstimmung durch – obwohl Bollinger als Spitzenkandidat das beste Ergebnis der Parteigeschichte in Westdeutschland einfuhr. Viele in Landespartei und politischem Umfeld sahen darin das endgültige Zeichen für die Machtansprüche der Burschenschafter – und für einen erneuten innerparteilichen Rechtsruck. Auch in weiteren Schlüsselpositionen der AfD Rheinland-Pfalz finden sich DB‑Burschenschafter. Joachim Paul (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn) ist bildungspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. Bildungspolitik gilt als zentrales landespolitisches Feld, da hier ein Großteil der Entscheidungen vom Land selbst getroffen wird. Der rheinhessische AfD-Politiker Alexander Jungbluth (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn sowie Germania Halle zu Mainz) sitzt als Münzenmaier-Vertrauter im EU-Parlament und ist zugleich Schatzmeister der Bundespartei. Das verschafft dem Netzwerk zusätzlichen Einfluss auf weiteren politischen Ebenen. (…) Ein Beispiel dafür ist Benjamin Steiner (Germania Halle zu Mainz). Vor drei Jahren noch als Burschenschafter im Vorfeld aktiv, hat der Mainzer den Sprung als Funktionär in die Partei geschafft. Er sitzt als stellvertretender Fraktionschef im Mainzer Stadtrat und als stellvertretender Vorsitzender in der neuen AfD-Landesjugend „Generation Deutschland Rheinland-Pfalz“.

via echo online: RLP: Wie Burschenschafter ihre Macht in der AfD ausbauen