Bundesweit veranstalten Neonazis “Lagerverkäufe” – sie richten sich offenbar vor allem an junge Menschen. Zu den Organisatoren zählen militante Rechtsextremisten aus Dortmund, Eisenach, Halberstadt und Chemnitz, wie MDR-Recherchen zeigen. Bekleidung rechtsextremer Kampfsportlabels, Neonazi-Publikationen und Musik. Um rechtsextreme Merchandise-Produkte zu verkaufen, setzt die Neonazi-Szene bundesweit offenbar seit geraumer Zeit auf so genannte Lagerverkäufe als Veranstaltungsformat – Verkaufsveranstaltungen mit Getränkeausschank, zum Teil mit musikalischer Live-Begleitung.Seit dem vorläufigen Ende der rechtsextremen Großkonzerte mit ihren Verkaufs- und Merchandise-Ständen durch die Pandemie und behördliche Restriktionen, gibt es für die Szene derzeit nur wenig Möglichkeiten, rechtsextreme Merchandise-Produkte außerhalb des Online-Handels zu kaufen. Mitte November fand ein solcher “Lagerverkauf” erstmals in Thüringen statt, in der Eisenacher Neonazi-Szene-Kneipe “Bulls Eye”.Laut Verfassungsschutz kamen rund 55 Personen zum Verkauf nach Eisenach, acht Szenelabels boten ihre Waren feil. Das Publikum war nach MDR-Informationen auffällig jung. Diesen Trend beobachtet auch Thüringens Verfassungsschutzchef Stefan Kramer. “Das ist die neue Zielgruppe, erstens weil man natürlich auch Nachwuchs gewinnen muss, den man dann über den Kampfsport allerdings relativ schnell auch in die Ideologie hineinführt.” Das Anfixen finde über den Kampfsport, das Wir-Gefühl und auch gemeinsame Abwehrkämpfe statt, so Kramer.Organisiert hatte diese und weitere Veranstaltungen nach Informationen von MDR Investigativ und dem Dortmunder Nachrichtenportal Nordstadtblogger ein bundesweit agierendes Netzwerk alter und neuer Kader zum Teil aus dem Neonazi-Kampfsport aus Dortmund, Halberstadt, Eisenach und Chemnitz.Eisenach als Rückzugsraum für militante VernetzungDass die Verkaufsveranstaltung in Eisenach stattfand, ist kein Zufall. Bei dem Organisator handelt es sich nach MDR-Informationen um Eric K., einen der verurteilten Gewalttäter des militanten Neonazi-Kampfsportnetzwerks “Knockout 51”, der bereits eine mehrmonatige Haftstrafe absaß. Der Mann ist nach Informationen von MDR und Nordstadtblogger bestens vernetzt in die Dortmunder Neonazi-Szene. Immer wieder fanden in Eisenach konspirative Vernetzungstreffen unter anderem von Dortmunder und Eisenacher Kadern statt. (…) Auch in anderen Bundesländern haben in den vergangenen Monaten und Jahren “Lagerverkäufe” stattgefunden, die demselben oder einem ähnlichen Organisatoren-Umfeld zuzuordnen sind, so zum Beispiel in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern, im sächsischen Chemnitz und im hessischen Altenstadt.Der sächsische Verfassungsschutz teilte auf Anfrage mit, seit 2022 seien der Behörde insgesamt fünf “Lagerverkäufe” bekannt geworden, die alle in dem rechtsextremen Szeneladen “PC-Records” in Chemnitz stattgefunden hätten.Die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Die Linke) sagte dem MDR, die Netzwerke hinter den Lagerverkäufen reichten bis hin ins rechtsterroristische Milieu. Die Veranstaltungen dienten klar der Vernetzung der Szene
via tagesschau: Neonazi-Szene lockt Jugendliche mit “Lagerverkäufen”