Bei der Neukirchener Kirmes ist ein örtlicher Verein mit einem Wagen aufgetreten, auf dem Migranten als “Räuber” verunglimpft werden. Beteiligte verkleideten sich als “Talahons” und fuchtelten mit Messern herum. Das sorgt nun für Ärger. Auf dem Instagram-Account der Burschenschaft Neukirchen (Schwalm-Eder) ging es in diesem Jahr vorwiegend um zwei Dinge: Biertrinken und die Vorbereitungen für die Babiller Pfingstkirmes, vor allem in Form von Witzen über den zu erwartenden Alkoholrausch. Die Burschenschaft organisierte die Kirmes Anfang Juni. Sie war auch selbst vertreten mit einem Wagen, und dessen offenbar für witzig befundene Aufmachung sorgt nun für Diskussionsstoff: Darauf standen junge Männer, die sich als sogenannte “Talahons” verkleidet hatten. Dazu trug der Umzugswagen ein Banner mit der Aufschrift “Ali Baba und die 14 Millionen Räuber”. Zuerst hatte die HNA darüber berichtet. Seit Bilder davon im Internet und sozialen Netzwerken kursieren, ist Schluss mit lustig: Neukirchens Bürgermeister Marian Knauff (SPD) verurteilte den Wagen als rassistisch. Hätte er schon beim Umzug von der Aufmachung des Wagens Kenntnis gehabt, hätte er dessen Teilnahme untersagt, erklärt Knauff am Freitag. Der Ausdruck “14 Millionen Räuber” spielt offenbar auf die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen ohne deutschen Pass an, die – dieser Eindruck muss entstehen – pauschal als kriminell gebrandmarkt werden. (…) Die aktiven Vereinsmitglieder seien so beschäftigt gewesen mit der Vorbereitung der Kirmes, dass kurzfristig Nicht-Mitglieder beim Wagen “unterstützten”, so Keil. Am Ende waren also Mitglieder und Nicht-Mitglieder beteiligt. Es habe einen Verhaltenskodex für die Wagen gegeben, allerdings habe es die Burschenschaft nicht geschafft, vorab alle Wagen zu kontrollieren. Und so soll dann ausgerechnet der Wagen, für den die Burschenschaft selbst verantwortlich war, gegen die Regeln der Kirmes und des demokratischen Miteinanders verstoßen haben.
via hessenschau: Migranten als “Räuber” bezeichnet Burschenschaft Neukirchen empört mit rassistischem Kirmeswagen
siehe auch: Es ist das alte Spiel In Nordhessen haben Männer auf einem Kirmeswagen in Jogginghosen junge Migranten nachgeäfft, Messer geschwungen und ein rassistisches Banner zur Schau getragen. Es ist das alte Spiel rechter Provokationen: Erst wird gehetzt, was das Zeug hält, danach Reue geheuchelt. Es ist ein mittlerweile bewährter Sport vor allem unter Rechten, erstmal ordentlich einen rauszuhauen und dann die Opferrolle rückwärts zu machen. Also eine rassistische Lüge, Hetze, Polemik verbreiten und dann ein großes “Sorry” hinterher zu schieben. Dazu gehört oft auch wehleidiges sich selbst Bejammern, eine Portion Bedauern und Aussicht auf Wiedergutmachung für die Öffentlichkeit, damit die sich beschwichtigt fühlen kann. Die Botschaft: Blöd gelaufen, aber so schlimm war es doch gar nicht. Aktuell lässt sich das wieder beobachten: Ein Kirmeswagen mit Hetze gegen Migranten in Neukirchen (Schwalm-Eder), dann – sinngemäß – ein reumütiges ‘Wir wissen gar nicht, wie das passieren konnte’ des verantwortlichen Vereins Burschenschaft Neukirchen und die dazugehörige Entschuldigung. Es langweilt, es wiederholt sich, es ist kalkuliert – und furchtbar platt. Wer glaubt denn ernsthaft dem Verein als Organisator der Kirmes, dass bei dem monatelang vorbereiteten Umzug nicht aufgefallen sein soll, dass der eigene Wagen besetzt mit den eigenen Leuten rassistische Stereotype bediente. Dass die Beteiligten mit Spielzeugmessern hantierten, um Flüchtlinge zu diffamieren und auf einem Banner Menschen pauschal als “Räuber” bezeichnet werden, die ohne deutschen Pass in Deutschland leben.