Der Ex-FPÖ-EU-Abgeordnete schrieb ein Positionspapier für die Studentenverbindung Vandalia, das dem STANDARD vorliegt. Auf Fragen zur “kulturdeutschen” Ausrichtung reagiert der “Vandale” verärgert. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Korporierte aus Deutschland und Österreich darüber streiten, ob Mitglieder von österreichischen Studentenverbindungen zu weit rechts stehen. Zuletzt hat DER STANDARD über die Eskalation eines Streits zwischen den beiden Corps Vandalia in Graz und Normannia in Berlin berichtet. Den Ausgang nahm die Auseinandersetzung auf einem Stiftungsfest der Vandalia in Graz am 1. Juni 2024. Von diesem kehrten Normannen schockiert über rassistische und antisemitische Äußerungen der Vandalen nach Berlin zurück. Es folgte ein Briefwechsel zwischen den Obmännern der Corps, der Konflikt gipfelte in einer sogenannten Pro-Patria-Suite, einer speziellen Art der Mensur beziehungsweise des Fechtduells Anfang Mai 2025 in Berlin. Beide Corps sind im Dachverband des Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) organisiert. In diesem entbrannte eine Diskussion darüber, ob sich die KSCV-Corps als “international oder deutsch” verstünden und ob eine “Abgrenzung gegen rechts” nottue. Dem STANDARD und der Plattform “Stoppt die Rechten” wurde nun ein internes Positionspapier eines bekannten Alten Herren der Vandalen, Andreas Mölzer, zugespielt. Darin betont der Ex-EU-Abgeordnete der FPÖ gleich eingangs, dass sich das Corps Vandalia “seit seiner Gründung im Jahre 1894 als deutsches Corps in Österreich” verstehe. Männer, die aufgenommen werden wollen, müssten laut Statuten “dem europäisch-abendländischen Kulturkreis angehören”. Es handle sich um eine “eindeutige und niemals in Zweifel gestellte kulturdeutsche Orientierung”.
via standard: Deutschnationales Positionspapier eines Corps: Mölzer, Mensuren und Menstruationsbeschwerden
siehe auch: Andreas Mölzer hat ein Positionspapier verfasst und wirft den Fehdehandschuh Ein Positionspapier des Ex-FPÖ-Politikers Andreas Mölzer offenbart eine radikal kulturdeutsche Abwehrhaltung im inneren Machtkampf der Corps-Landschaft – mit gewohnter Nähe zu völkischem Denken. Ein internes von Andreas Mölzer verfasste Papier könnte für Unruhe im „Kösener Senioren-Convents-Verband“ (KSCV), einem traditionsreichen Dachverband deutscher Studentenverbindungen, sorgen. Mölzer, selbst Mitglied des Corps Vandalia Graz, das im KSCV organisiert ist, positioniert sich darin scharf gegen Forderungen nach einer „Abgrenzung gegen Rechts“ – und liefert damit einmal mehr ein ideologisches Bekenntnis zur kulturkämpferischen Abschottung. Das Papier mit dem Titel „Vandalias Corpsidee verpflichtet uns Vandalen per Gründungsstatut die Traditionen, Sitten und Bräuche des deutschen Corpsstudententums im europäisch-abendländischen Rahmen zu pflegen“ liegt „Stoppt die Rechten“ und dem „Standard“ vor und wurde als Reaktion auf innerverbandliche Diskussionen verfasst, die sich rund um den Streit zwischen der Vandalia Graz und der Normannia Berlin entzündet haben dürften. Der Begriff „deutsch“ – nicht staatsbürgerlich, sondern ethnisch-kulturell Das Corps Vandalia Graz, so Mölzer, sei seit jeher ein „deutsches Corps in Österreich“. Er beruft sich auf die Corps-Konstitution, in der explizit verlangt wird, dass Mitglieder dem „europäisch-abendländischen Kulturkreis“ angehören und „willens und fähig sein“ müssen, die „Traditionen des deutschen Corpsstudententums mitzutragen“. Dieser von Mölzer genannte Kulturkreis ist kein neutrales Kriterium, sondern eine ideologische Kategorie. Mölzer verwendet ihn zur Grenzziehung. Ein französischer oder italienischer Student? Ja, vielleicht. Ein arabischer oder ostasiatischer? Vermutlich nicht. Gegen Abgrenzung nach Rechts Den Versuch, sich vom politischen Rand zu distanzieren, lehnt Mölzer vehement ab. Wörtlich heißt es: „Die ‚legitime Toleranz‘ corpsstudentischer Prägung entzieht sich sui generis dem Diktat des ‚politisch korrekten‘ Zeitgeists und dem Primat spätlinker ‚Wokeness‘.“ Diese Formulierung übernimmt – wenig überraschend – den Sound der extremen Rechten: „Wokeness“ als Feindbild, „politisch korrekt“ als Kampfbegriff – alles eingerahmt in ein Narrativ kultureller Bedrohung. Noch schwerer wiegt allerdings die programmatische Absage an Vorgaben durch den Dachverband: „Wo abzulehnender politischer Extremismus (…) beginnt, kann nur jedes Corps selbst für sich definieren.“ Das kann als ein Blankoscheck gelesen werden zur Relativierung von Antisemitismus, Rassismus oder Neonazi-Nähe – sofern man sich nur irgendwie auf alte „Traditionen“ berufen kann. Andreas Mölzer bezieht sich dabei wohl kaum zufällig auf Schriften von Friedrich Hielscher, der Mitglied des Corps Normannia Berlin war. Hielscher war ein zentraler Vordenker der sogenannten „Konservativen Revolution“– eine Bewegung, deren Gedankenwelt zwischen Nationalsozialismus und religiös verbrämtem Ethnozentrismus pendelte.
