In Studentenverbindungen wird längst über das Verhältnis zur AfD diskutiert. Beim “Coburger Convent”, der sich am Wochenende zum traditionellen Pfingstkongress trifft, scheint das bisher offiziell kein Thema zu sein, berichtet Report Mainz. (…) Ihm gehören knapp 100 sogenannte Landsmannschaften und Turnerschaften aus Deutschland und Österreich an, und mit ihnen nach eigenen Angaben mehr als 11.000 aktive und ehemalige Studenten, sogenannte “Alte Herren”. Auch prominente Persönlichkeiten sind unter den Mitgliedern, etwa der ehemalige EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU). Alljährlich ruft der Pfingstkongress auch Kritiker und Gegendemonstranten auf den Plan. Ihnen ist der Fackelzug ein Dorn im Auge, die Tradition des Fechtens und, dass die Studentenverbindungen ausschließlich Männern offenstehen. Aus der Zeit gefallen und reaktionär sei das.In den vergangenen Jahren gab es zudem Meldungen, die einzelnen Mitgliedern des “Coburger Convents” rechtsextreme Vorfälle zuschrieben. “Hitlergruß am Herrenklo” titelte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung über einen mutmaßlichen Vorfall beim Pfingstkongress 2018. Außerdem gab es vereinzelt Berichte über AfD-Mitglieder in den Reihen des “Coburger Convents”. (…) Dabei scheint es zahlreiche Mitglieder des “Coburger Convent” zu geben, die offen für die AfD eintreten. Report Mainz wurde eine Liste mit Daten von mehreren tausend “Alten Herren im Coburger Convent” zugespielt. Das Politikmagazin hat diese mit Mitgliedsdaten und Kandidatenlisten der AfD verglichen und bei mehreren Dutzend Personen Übereinstimmungen gefunden. Unter ihnen sind Kommunalpolitiker, aber auch ein Landtagsabgeordneter und zwei Bundestagsabgeordnete.Die tatsächliche Zahl von AfD-Mitgliedern im “Coburger Convent” dürfte noch höher sein. Denn die AfD-Mitgliedsdaten, die die Reporter zur Auswertung herangezogen haben, sind einige Jahre alt. Inzwischen hat die AfD Tausende Mitglieder hinzugewonnen.Um die Informationen zu prüfen, hat Report Mainz alle betreffenden Personen kontaktiert. Einige geben an, die Partei inzwischen verlassen zu haben, andere bestätigen die Recherchen. Der Großteil aber ließ die Fragen unbeantwortet, auch auf telefonische Nachfrage hin. Einzelne der Personen reagierten aufgebracht: Die Mitgliedschaft sei “Teil des Privatlebens”, hieß es beispielsweise.
via tagesschau: Pfingstkongress des “Coburger Convent” Keine Abgrenzung zur AfD?
siehe auch: Studentenverbindung Coburger Convent „Grenzen zum Rechtsextremismus häufig nicht klar“ An Pfingsten kommt der Coburger Convent zu seinem Jahrestreffen zusammen. Wie nah steht der Verband der Studentenverbindungen der AfD? Am Pfingstwochenende kommt der Coburger Convent (CC) in der gleichnamigen bayerischen Stadt zu seinem jährlichen Treffen zusammen: Fahnen, Waffen und Fackeln tragend. Der CC ist der Dachverband der Landsmannschaften und Turnerschaften in Deutschland und Österreich, er vereint über 90 Verbindungen mit über 1.500 Studenten und 9.500 Alten Herren. Die Tagesordnung des Jahrestreffens, die eigentlich intern bleiben sollte, liegt der taz vor. Daraus geht hervor, dass der CC am Abend des Pfingstmontags einen Fackelmarsch durch die Stadt plant – wie all die Jahre zuvor. Ein breites Bündnis protestiert gegen den Marsch, der, so der Aufruf, „an die Zeit der Nationalsozialisten erinnert“. Seit Jahrzehnten sorgt sich der CC um Volk und Vaterland. Getreu des Selbstverständnisses „Ehre, Freiheit, Freundschaft, Vaterland“ beklagen Mitglieder die fehlende persönliche Opferbereitschaft und kulturelle Erbpflege. Diese noch studierende „Aktivitas“ und die ehemaligen Studenten oder „Alten Herren“ wissen, wofür die Mensuren gefochten und Versammlungen gepflegt werden. Im Convent selbst spielen diese Themen allerdings „überhaupt keine Rolle“, versichert Martin Vaupel der taz. Der Pressesprecher räumt aber ein, dass es „sicher einzelne Mitglieder“ gebe, „deren politische Auffassung es mit sich bringt, sich dazu zu äußern“. Von Haus aus sei der Verband unpolitisch, behauptet Vaupel, selbst Mitglied der Alten Leipziger Turnerschaft Hansea zu Bielefeld und der Landsmannschaft Gottinga Göttingen. Doch der CC ist bestens in die Politik vernetzt, von der Kommunalpolitik bis in den Bundestag. Besuch von Martenstein So hat der zweite Bürgermeister der Stadt Coburg, Hans-Herbert Hartan, CSU, keine Berührungsängste mit dem Verband. 2026 strebt Hartan das Amt des Oberbürgermeisters an. Vor knapp zwei Jahren reiste er eigens in den Norden, um vor der Landsmannschaft Mecklenburgia-Rostock Hamburg zu sprechen. Auf dem „153. Stiftungsfest“ begrüßte die Mecklenburgia Hartan als „Festredner“. Das Publikum lauschte „aufmerksam seinen persönlichen Ausführungen“, schrieb die Landsmannschaft neben einem Bild mit ihm bei Instagram. Schon in den 1990er Jahren warnte in einem internen Bericht der Hamburger Verfassungsschutz, dass die Landsmannschaft „als zumindest rechtsextremistisch beeinflusst“ einzuordnen sei. Für Hartan und andere Redner des Abends offenbar kein Problem. Letzter Stargast beim Ernst-Jünger-Abend war der Zeit- und Welt-Kolumnist Harald Martenstein. Der CC ist eines der vielen Netzwerke im rechtslastigen Studentenverbindungsmilieu. Mitglied im CC ist auch die Alte Leipziger Landsmannschaft Afrania: Zu Studienzeiten war dort Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) aktiv. Die Grenzen zwischen konservativen Positionen und rechtsextremen Ressentiments sind in den Landsmannschaften fließend (…) Einzelne Positionen des CC sind auch laut Studentenverbindungs-Experte Schulze vergleichbar mit Positionen der AfD. So wird im CC-Milieu offen ein soldatischer Heroismus bis zum idealisierten Tod beschönigt. In der AfD fordert etwa Björn Höcke die Wiederentdeckung der „Männlichkeit“, um „mannhaft“ und „wehrhaft“ zu werden. Schulze hebt hervor, dass in den „Burschenschaften, Landsmannschaften und Turnerschaften ein männerbündischer Traditionalismus am Leben gehalten“ werde, „der auf viele Außenstehende wie aus der Zeit gefallen scheint“.