Die ARD zeigt mit ihrer Show zum 75. Geburtstag, dass sie sich selbst früher auch besser fand. Und dann erlaubt sich Didi Hallervorden einen rassistischen Ausfall. 75 Jahre ist es her, dass die Westalliierten die ARD ins Leben riefen, nach dem britischen Vorbild der BBC. Der Verbund der Landesrundfunkanstalten ist zu Recht stolz auf seinen Erfolg seitdem und bis heute. (…) Wer jedoch am Samstagabend das Erste einschaltete, hatte Mühe zu erkennen, welches Jubiläum man eigentlich beging. Genauer gesagt: wo eigentlich die jüngsten circa 25 Jahre geblieben waren. Denn mit den allermeisten der ausgewählten Rückblicke und Highlights bewegte man sich in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren. Nur eine Sendung, die Krimireihe Nord bei Nordwest, stammte aus dem letzten Jahrzehnt. Und die Zukunft kam gar nicht erst vor in dieser Sendung (…) Die unpolitische und altbackene Jubiläumsshow war insofern konsequent, als sie offenbar für die Kernzuschauergruppe der (linearen) ARD gemacht wurde, für Rentnerinnen und Rentner. Wer die ARD einschaltet, ist im Schnitt mittlerweile weit über 60 Jahre alt. Das kann man alles so machen, auch wenn es nicht zur Ankündigung im Pressematerial zur Sendung passt, es solle eine Show für alle Generationen werden. Vor allem aber wirft das Konzept der Show Fragen auf angesichts des Auftrags und der Geschichte der ARD. Wurde der öffentlich-rechtliche Rundfunk vor 75 Jahren doch als Stütze der Demokratie in Deutschland gegründet. (…) Hallervorden verschwindet hinter der Bühne, um bald darauf im Kostüm und im Szenenbild seines berühmtesten Sketches wieder aufzutauchen. Gemeinsam mit seinem Partner Harald Effenberg wird er noch einmal Palim, Palim spielen (…) Am Samstagabend jedoch nutzt Hallervorden die Gelegenheit, um dem Sketch eine neue Einleitung zu verpassen. Er sitzt auf seinem Gefängnisbett und stöhnt: “Mann, Mann, Mann, du, Knast, du. Hätte ich gewusst, dass man das nicht mehr sagt” – und dann spricht Hallervorden das Z-Wort (für ein Schnitzel) und das N-Wort (für eine Süßigkeit) aus. Der Sketch beginnt also mit der Behauptung, er sei für die Verwendung dieser Worte eingesperrt worden. Die Show geht danach kommentarlos weiter (…) Aber die Show wurde aufgezeichnet, vor mehreren Tagen. Die Verantwortlichen hätten diese Sequenz problemlos herausschneiden können. Sie hätten den erst nach dieser Einleitung richtig beginnenden Sketch auch dann noch ausstrahlen können. Was man heute angeblich nicht mehr darf Hallervordens Auftritt ist der Tiefpunkt eines Abends, an dem auch sonst immer wieder die Meinung vieler Gäste durchscheint, dass früher auch im Fernsehen vieles besser war
via zeit: Dieter Hallervorden: Zum Jubiläum das N-Wort
siehe auch: Dieter Hallervorden: Rassismus-Vorwürfe nach ARD-Jubiläumsshow Die Neuauflage des „Palim, Palim“-Sketches versah Dieter Hallervorden mit dem N-Wort und dem Z-Wort. (…) „Mann, Mann, Mann, du, Knast, du. Hätte ich gewusst, dass man das nicht mehr sagt“, sagt Hallervorden – und nennt anschließend zwei früher gebräuchliche, heute als rassistisch geltende Begriffe: einen für eine Schokoschaum-Süßigkeit, den anderen für ein Schnitzel mit Paprikasoße. Die Szene suggeriert scherzhaft, dass er genau wegen der Verwendung dieser Wörter im Gefängnis gelandet ist. Eine kritische Einordnung blieb aus – der Sender ließ die Szene unkommentiert.
siehe dazu auch: Schon 2012 sorgte Didi Hallervorden für Rassismus-Vorwurf Didi Hallervorden wird heftig für einen ARD-Sketch kritisiert Dieter Hallervorden hat in einem TV-Sketch zwei rassistische Begriffe genutzt – was ihm heftige Kritik einbrachte. Doch das ist nicht die erste öffentliche Provokation des Schauspielers. In einem ARD-Sketch benutzte Dieter Hallervorden (89) vor wenigen Tagen mit dem N-Wort und dem Z-Wort zwei Begriffe, die als rassistisch gelten. Viele Zuschauer nahmen daran Anstoß und machten ihrem Ärger auf Social Media Luft. In einem Statement verteidigte sich Hallervorden bereits und auch die ARD stellt sich in einer Stellungnahme hinter den Schauspieler und bezeichnet den Sketch als “bewusste Provokation”. Doch das ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Dieter “Didi” Hallervorden sich einem Rassismus-Vorwurf gegenüber sieht oder mit anderen umstrittenen Aussagen provoziert. 2012 lieferte zum Beispiel ein Theaterstück an seinem Berliner Schlosspark-Theater den Anlass für eine Debatte. Damals trat Hallervorden in dem Stück “Ich bin nicht Rappaport” auf. Darin spielte der weiße Schauspieler Joachim Bliese einen afroamerikanischen New Yorker Hausmeister. Sein Gesicht hatte er dafür mit dunkler Schminke angemalt. Ein Foto von Hallervorden und Bliese zierte auch die Plakate, die in ganz Berlin Werbung für das Theaterstück machten. Kritiker sahen darin die rassistische Theatertradition des Blackfacings und auf Hallervorden brach ein regelrechter Shitstorm ein. (…) Damit endet die Liste der – wohl oft bewussten – öffentlichen Provokationen Hallervordens aber nicht. 2015 wurde ihm in Österreich für seine Rolle in “Honig im Kopf” der Filmpreis “Romy” überreicht. In seiner Dankesrede meinte er: “Diese österreichische ‘Lola’ – diese österreichische ‘Romy’ natürlich – führe ich heim ins Reich.” “Heim ins Reich” ist ein ehemaliger Nazi-Slogan – die Empörung um Hallervordens Aussage war entsprechend groß.