Verfassungsfeindliche Symbole, frauenfeindliche Witze und homo- und transphobe Äußerungen: Das ist Alltag für Berufsschüler:innen am RBB Greifswald und der BS Technik in Rostock. Auch Lehrer normalisieren rechtsextreme Positionen, statt die Demokratie zu verteidigen. Die Schulleitungen stehen dem Problem offenbar hilflos gegenüber. KATAPULT MV hat mit acht ehemaligen und aktuellen Schüler:innen gesprochen. (…) Die Vorwürfe, die in den Mails gegen Mitglieder der Schülerschaft, aber auch die Schulleitungen erhoben werden, sind schwerwiegend. Es geht zum einen um Hakenkreuze und SS-Runen in Toiletten- und Unterrichtsräumen sowie Hitlergrüße auf dem Schulhof und in Klassenzimmern. Zum anderen ist es die damit verbundene Tatenlosigkeit der Pädagog:innen, die für Unverständnis sorgt. Rechtsextreme Sticker auf Türen, Feuerlöschern und Toiletten „Fast direkt am ersten Tag sind uns die Aufkleber aufgefallen“, berichten Schüler:innen des RBB. Die große Zahl habe sie überrascht. So seien rechte bis rechtsextreme Sticker, teilweise sehr offensichtlich, auf Türen, Feuerlöschern oder Handtuchspendern in der Toilette angebracht gewesen. Darunter Aufkleber der rechtsextremen Identitären Bewegung, rechte Kampfbegriffe und Slogans – zum Beispiel der Aufruf „Zecken jagen“ – oder auch eine Reichsflagge. Die Schule habe solche Zeichen, trotz der teils gut sichtbaren Positionierung, nicht entfernt. Das hätten stattdessen Schüler:innen übernommen. Darüber hinaus sei bekannt, wer die Aufkleber angebracht habe. (…) Auch in der Rostocker BS Technik finden sich rechtsextreme Sticker – hier sogar direkt in Klassenräumen, sagen Auszubildende. Darunter zum Beispiel eine sogenannte Schwarze Sonne oder Aufkleber des rechtsextremen Onlineversandhandels Druck 18.4 Entsprechende Fotos liegen KATAPULT MV (…) In den Gebäuden beider Schulen sind Schüler:innen außerdem Hakenkreuze aufgefallen – als Schmiererei oder eingeritzt auf Stühlen in Klassenzimmern. Für die BS Technik ist das durch ein Foto belegt. Dass es mindestens einen entsprechenden Vorfall auch am RBB gab, bestätigen sowohl die Schule als auch die Polizei. So sei im Sommer 2023 ein mit Filzstift gemaltes Hakenkreuz „auf einem Stuhl in einem Klassenzimmer“ entdeckt worden. Daraufhin wurde Anzeige erstattet, schreibt die Polizei. Eine bestimmte Person konnte dafür jedoch nicht verantwortlich gemacht werden.5 Doch auch danach fanden sich noch verfassungsfeindliche Symbole am Mobiliar, wie uns Schüler:innen berichten. Das geht auch aus einem schulinternen Dokument hervor, das uns vorliegt. Dass das RBB diese erst nach Hinweisen aus der Schülerschaft entfernt habe, kommentierte die Schule in ihrer Stellungnahme nicht. Weitere Anzeigen liegen der Polizei nach eigenen Angaben nicht vor. Außerdem sollen am RBB wiederholt Schüler die Türen zu einem Klassenraum – während des Unterrichts – von außen aufgestoßen, „Heil Hitler“ gerufen und den Hitlergruß gezeigt haben. Nach Aussage von Schüler:innen habe die Lehrkraft im Raum die Vorfälle mitbekommen. Das sei zwar nicht in Ordnung, aber „das sind halt die Idioten“, habe sie dazu geäußert. Unternommen worden sei nichts. Anzeige erstattet haben weder Schüler:innen noch die Schule.

via katapult: Zwischen Hitlergrüßen und Schweigen Rassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit an Berufsschulen