AfD-Chef Tino Chrupalla hat Russland zum Sieger im Ukrainekrieg erklärt und kokettiert mit einem Nato-Austritt. Die eigene Partei ist irritiert. Was hat er sich gedacht? Vielleicht tut es der politischen Willensbildung gut, wenn Parteien gleich zum Wahlkampfauftakt offen zeigen, wofür sie wirklich stehen. Womöglich hatte AfD-Chef Tino Chrupalla Ähnliches im Sinn, als er der Welt ein Interview gab, in dem er bemerkenswerte Sätze äußerte. “Russland hat diesen Krieg gewonnen”, sagte er. “Die Realität hat diejenigen eingeholt, die angeben, die Ukraine befähigen zu wollen, den Krieg zu gewinnen.” Im selben Atemzug stellte er die Mitgliedschaft Deutschlands in der Nato infrage. Eine Verteidigungsgemeinschaft müsse “die Interessen aller europäischen Länder akzeptieren und respektieren – also auch die Interessen von Russland”, sagte er. “Wenn die Nato das nicht sicherstellen kann, muss sich Deutschland überlegen, inwieweit dieses Bündnis für uns noch nutzbringend ist.” Chrupallas Aussagen sind in mehrfacher Hinsicht verblüffend. Der AfD-Chef erklärt Russland zum Sieger im Ukrainekrieg, was bislang nicht einmal Wladimir Putin zu sagen wagte. Obendrein würde er nicht davor zurückschrecken, die historisch gewachsene Sicherheitsarchitektur Europas über den Haufen zu werfen und Deutschland einem unberechenbaren imperialistischen Russland auszuliefern. Das muss man erst mal sacken lassen. Aus Chrupallas Sätzen klingt unüberhörbar die propagandistische Kreml-Melodie. Selbst aus dem Mund des Politikers einer Partei, die ihre Verehrung für das autoritäre Regime in Moskau immer weniger zu verschleiern versucht, sind die Forderungen weitreichend. Sie übertreffen sogar das, was die Partei in ihrem aktuellen Programmentwurf als Ziel ausgegeben hat
via zeit: Tino Chrupalla: Vor Putin in den Staub geworfen
