Online-Hass nimmt zu, jeder achte Fall hat mit der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität zu tun. Das sind Ergebnisse einer neuen Studie. Viele Betroffene reagieren mit Rückzug. „Lauter Hass – leiser Rückzug“, so heißt die Studie, die Familienministerin Lisa Paus (Grüne) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Und genau so ist es dieser Untersuchung zufolge: Wer im Internet Hass erfährt, zieht sich häufig aus den sozialen Medien zurück. Tendenz: steigend. Besonders betroffen: queere Menschen. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe der Hass demnach stark zugenommen. Er richte sich gegen Menschen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Aktivismus. Allen voran: gegen junge Frauen und queere Menschen. Hass im Netz, so heißt es in der Studie, könne alle treffen – „aber nicht alle gleich.“ Besonders häufig werden bisexuelle Menschen zur Zielscheibe. Laut der Studie haben 38 Prozent von ihnen schon entsprechende Erfahrung gemacht haben. Und: Mehr als jede achte Hasserfahrung hatte der Befragung zufolge mit der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität der betroffenen Person zu tun. (…) Ein weiteres Problem, dass die Studie identifiziert: Es sind vor allem die Betroffenen von Hass im Netz, die daraus Konsequenzen für ihr Verhalten ziehen. 82 Prozent von ihnen reagiert mit Blockieren oder Stummschalten derjenigen, die Hass verbreiten. Vier von zehn Befragten haben ihr öffentliches Profil auf privat umgestellt, 36 Prozent lesen in den sozialen Medien nur noch die Inhalte von Beiträgen, aber keine Kommentare mehr. Noch gravierender aber ist, dass sich viele aus dem Diskurs zurückziehen. Knapp ein Viertel der Befragten gibt an, ihre Accounts wegen Hass im Netz nicht mehr zu nutzen, oder sie gelöscht zu haben. 21 Prozent posten deshalb nichts mehr. Unterstützung haben sich dagegen nur ganz wenige – acht Prozent – gesucht.

via tagesspiegel: „Hass im Netz ist allgegenwärtig“: Queere Menschen sind besonders häufig betroffen

siehe auch: Studie zu Hass im Netz :Klare Kante gegen Hass. Die digitale Welt soll sicherer werden. Seit letztem Sommer schon sind große Plattformen zu Maßnahmen gegen Hass verpflichtet – bald auch kleinere. Hass im Netz nimmt zu. Besonders jüngere Frauen, queere Personen und Menschen mit erkennbarem Migrationshintergrund sind von digitaler Gewalt und Hetze betroffen, das besagt eine neue repräsentative Studie des Kompetenznetzwerks gegen Hass im Netz. Überraschend sind die Erkenntnisse nicht. Um sich der feindseligen Stimmung auf Instagram, X und Co zu vergewissern, reicht ein Blick in die Kommentarspalten von Beiträgen zu Arbeitslosen, Geflüchteten oder natürlich: zur Genderdebatte. Die Folgen für Betroffene von digitaler Gewalt sind ernst zu nehmen. Neben psychischen Problemen und sozialer Abgrenzung ziehen sich die Betroffenen auch aus dem digitalen Diskurs zurück und überlassen Ha­te­rin­nen die Bühne. Sowohl die Studienherausgeber, wie HateAid und die Neuen Deutschen Me­di­en­ma­che­rin­nen, als auch die anwesende Bundesfamilienministerin Lisa Paus forderten am Dienstag neben einer Ausweitung der Medienkompetenz in Deutschland, die Anbieter der Plattformen zur Verantwortung zu ziehen.

screenshot