Russland schmiedet sich ein neues Bündnis zur Stimmungsmache: Bei der Gründung teilte sich ein AfD-Politiker die Bühne mit Russlands Außenminister und einem Hollywood-Star. Alina Lipp freute sich: Sie, die Putin-Propagandistin aus Deutschland auf einem Foto mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow: “Ich wette, dass die deutschen Medien sich wilde Verschwörungstheorien zu unseren Fotos ausdenken werden”, schrieb sie. Lawrow selbst spekulierte ebenfalls über Reaktionen: Er erwarte, dass der Westen eine breite Kampagne gegen die “russophile Bewegung” starte. Menschen würden jetzt geächtet, “nur weil sie Russland lieben oder auch nur an öffentlichen Orten Russisch sprechen”. Man braucht aber keine Verschwörungstheorien, und es ging bei dem Treffen auch nicht darum, dass Menschen nur “Russland lieben”. Bei dem Treffen hat Moskau eine neue gesellschaftliche Allianz an den Start gebracht, die den liberalen Westen als gottlos und verdorben darstellt und in Russland die Rettung sieht. Daran wirken knallharte und schwerreiche russische Nationalisten mit, die schon häufiger in Deutschland Einfluss genommen haben. Ganz vorne dabei sind ein bulgarischer Politiker unter Spionageverdacht, der Hollywood-Schauspieler Steven Seagal und ein früherer AfD-Bundestagsabgeordneter aus der Spitze der “Christen in der AfD”. Am Dienstag war die Geburtsstunde der “Internationale Russophilen-Bewegung”. Vertreter aus 42 Ländern sind angereist und reisen zurück, um in der Heimat “russophile” Verbände aufzubauen. (…) Zur Eröffnung des Forums verbreitete der Ideengeber, Nikolai Malinow von der bulgarischen Nationalbewegung “Russophile”, eine einfache Sicht. Gegen Malinow, der 2019 bei einem Treffen mit Putin die Idee für die “Russophilen”-Weltorgansiation vorgestellt haben will, wird in seiner Heimat wegen Spionageverdachts für Russland ermittelt. Er sagte jetzt: “Die Welt ist heute in Gut und Böse, in die helle und die dunkle Seite gespalten.” (…) Auf der Bühne und am Mikro bei der Gründungsveranstaltung stand Waldemar Herdt. Der 60-Jährige war in Kasachstan Leiter einer Kolchose, ehe er 1993 nach Deutschland auswanderte. Vom Futtermeister in einem Schweinemastbetrieb stieg er um zum Bauunternehmer und ging in die Politik: Bis 2021 gehörte er für die AfD dem Bundestag an. Herdt beschäftigte in seinem Büro einen Mann, der für den KGB gearbeitet haben soll und 2016 die Proteste wegen der angeblichen Vergewaltigung des russlanddeutschen Mädchens Lisa durch einen Afghanen entfacht hatte. Dieser Mitarbeiter stand an der Spitze des “Internationalen Konvents der Russlanddeutschen” und gab Herdt Vollmacht, für die Russlanddeutschen zu sprechen. Bei einem “Volksrat der Russlanddeutschen” wurde Herdt gleich selbst Vorsitzender.* (…) Herdt grüßte aus Russland mit der Verkündung, der Regenbogen der Schwulenbewegung sei “die Flagge des Satanismus. Und das muss verstanden werden, darüber muss gesprochen werden und es muss von allen gehört werden”. Die “Russophilen” sollen dafür in ihrer Heimat sorgen und Russland als Gegenentwurf darstellen. Eindringlich bestätigt das ein Satz, den ein einflussreicher ultraorthodoxer Oligarch sagte: Konstantin Malofejew prophezeite, “dass wir, Russen und Russophile, definitiv gewinnen werden. Denn Gott ist mit uns!” Es gehe um eine “multipolare Welt freier Völker und traditioneller Werte” anstelle des “Diktats eines Landes, das antichristliche, antimenschliche, satanische Abscheulichkeiten auferlegt” – er meint die USA.

via t-online: “Russophile” organisieren sich AfD-Politiker gründet mit Lawrow neue Russland-Bewegung