Der Journalistenverband DJU zieht eine negative Bilanz der Polizeiarbeit am Samstagabend – und blickt mit Sorge auf die anstehende Räumung. Am Rande der „United in Anger“-Demonstration gegen die Räumung des „Köpi“-Platzes hat der Journalistenverband DJU (in Verdi) am Samstagabend mindestens drei Verstöße gegen die Pressefreiheit registriert. Insgesamt seien ihm mindestens zwei grobe Behinderungen und ein tätlicher Angriff seitens der Einsatzkräfte bekannt, sagt DJU-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel, der ebenfalls vor Ort war. Gegen Ende der Demonstration nahmen Polizisten den Pressefotografen Ralph Pache kurzzeitig in Gewahrsam. Pache hatte zuvor beobachtet, wie ein Polizeibeamter – aus Paches Sicht unvermittelt und heftig – einen Demonstranten von hinten geschubst hatte, und die Szene anschließend fotografiert. Der Beamte, ein Bundespolizist, habe ihn danach in aggressivem Ton aufgefordert, die Kamera wegzunehmen, und seinen Presseausweis, der an einem Band an seinem Hals hing, derart stark gepackt, dass es Pache Schmerzen verursachte. „Ich hatte den Eindruck, dass er die Kamera beschlagnahmen wollte“, schildert Pache. Danach wurde er zur Identitätsfeststellung festgehalten und laut eigener Aussage ohne erkennbaren Grund mehrfach stark am Arm gepackt. Der Beamte habe ihm eine Urheberrechtsverletzung und die Aufnahme vertraulicher Äußerungen vorgeworfen und mit einer Strafanzeige gedroht, sollte Poche seine Fotos veröffentlichen. „Ich war auf hunderten Demos im Einsatz, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Pache. Ein Sprecher der Polizei wollte sich auf Anfrage zu dem Vorfall noch nicht äußern, da die diensthabenden Beamt:innen derzeit nicht im Einsatz seien. Er kündigte weitere Informationen für den Montag an. Auch Führungskräfte sollen die Pressefreiheit verletzt haben „Bemerkenswert ist, dass auch Führungskräfte an den Übergriffen beteiligt waren“, sagt DJU-Geschäftsführer Reichel und nennt explizit den Gruppenführer der 14. Einsatzhundertschaft, einer Berliner Einheit. Dieser sei am Samstag gleich mehrfach negativ aufgefallen, was auch Videos dokumentierten. (…) Insgesamt zieht Jörg Reichel von der DJU eine „negative Bilanz“, die Polizeikräfte seien von Anfang bis Ende sehr aggressiv gewesen, was auch Journalist:innen zu spüren bekommen hätten. „Ich blicke mit Sorge auf die Räumung der Köpi“, sagt Reichel. Er befürchte, dass am Rande der Räumung Pressevertreter:innen behindert und auch körperlich angegriffen werden könnten. 

via tagesspiegel: Bei Demonstration gegen Räumung des Köpi-Platzes in Berlin – Polizei behindert mehrfach Pressearbeit und nimmt Fotografen in Gewahrsam