Nahe dem Wiener Naschmarkt prangt ein Wandbild aus der NS-Zeit. Es ist nicht leicht als solches zu erkennen – das soll sich ändern. Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit.” So steht es an einer Hausfassade im vierten Wiener Gemeindebezirk. Das Wandrelief an der Ecke Faulmanngasse und Operngasse zeigt drei Männer: einen mit Stift, einen mit Saatgut und einen mit Hammer. Sieht nach “Rotem Wien” aus, klingt nach “Rotem Wien” – stammt aber von den Nationalsozialisten. Laut Stadtwiki wurde das Haus zwischen 1937 und 1939 erbaut, die Kunst am Bau demnach unter NS-Verwaltung ausgeführt. (…) Unter den Nazis häufe sich das Zitat dann – allerdings in einem anderen Kontext. Sie hätten es für sich reklamiert und mit anderen Ideologien gefüllt, sagt Winter, nämlich mit dem Gegensatz “‚Arbeit versus Nichtarbeiten‘, der mit Faulsein auch antisemitisch konnotiert wurde. Das war zum Beispiel auf den Ersten-Mai-Veranstaltungen der Nazis als Spruchbanner sehr präsent, ebenso in NS-Zeitungen.” Im Internet finden sich Bilder von Abzeichen, auf denen das Zitat und darunter der Name Adolf Hitler stehen. “Auf jeden Fall sollte man informieren, worum es sich dabei handelt, damit Leute daran in Zukunft nicht mehr einfach so vorbeigehen”, sagt Amela Mirković, die für Links im Bezirksrat Wieden sitzt. Sie hat im März dieses Jahres zusammen mit den Grünen und der SPÖ eine Kontextualisierung des Fassadenreliefs beantragt. Auf Facebook erklärte ihr Bündnis in einem Posting, sogar Hitlers Name habe einstmals unter dem Zitat gestanden, sei aber nach Ende des Krieges abmontiert worden.

via standard: KONTEXTUALISIERUNG – Relief an Hausfassade: Nazi-Zitat mitten in Wien