Schüler der Limesschule haben in Altenstadt über 50 Stolpersteine gereinigt und Blumen abgelegt. Eine Schülerin beschreibt, warum die Steine sich nie ganz sauber kriegen lassen – und was ihr das bedeutet. Altenstadt – Eine Woche nach der Veranstaltung einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei in der Altenstadthalle setzten Schüler der Limesschule ein starkes Zeichen in Altenstadt. Mit einer besonderen Aktion widmeten sie sich der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie reinigten Stolpersteine, hielten inne und machten deutlich, dass Erinnerung nicht selbstverständlich ist, sondern Pflege braucht. (…) Die Beschäftigung mit den Steinen bedeutete für die Jugendlichen nicht nur, eine sichtbare Spur der Erinnerung freizulegen, sondern sich auch mit der Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger auseinanderzusetzen. Bartek findet es schön, dass diese Menschen nicht vergessen werden. Er würde das gerne öfter machen. Die symbolische Geste des Kniefalls bei der Reinigungsarbeit empfindet er als völlig normal. „Das waren alles normale Menschen. Die haben nichts gemacht und konnten nichts dafür.“ Nina empfand den Moment als sehr emotional. „Aber es gibt einem auch ein gutes Gefühl.“ Nach der Reinigung einiger Steine erklärte sie eine Symbolik der Aktion. Das Reinigen sei mehr als nur äußerliche Pflege. „Man kriegt die Steine gar nicht ganz komplett sauber. Da ist immer noch Schmutz vorhanden. Das verdeutlicht mir, wie man damals mit den Menschen umgegangen ist.“ (…) Für die Jugendlichen bot die Aktion Gelegenheit, Geschichte nicht allein im Unterricht zu behandeln, sondern an den Orten selbst zu erfahren. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte und ein respektvolles Miteinander keine Selbstverständlichkeit sind, erhält dieses Engagement besondere Aktualität. Sarah Marwald fand es schön, dass junge Menschen sich so engagieren. Dorothee Hildebrand sprach die Normalität an, mit der die Jugendlichen diese Aktion durchführten. Die Limesschüler haben mit ihrer Aktion gezeigt: Erinnerung beginnt nicht erst bei großen Gedenkveranstaltungen. Sie zeigt sich auch im Kleinen. Im Reinigen eines Steins, im Lesen eines Namens und in der Bereitschaft, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Denn damit Erinnerung nicht verblasst, braucht sie Menschen, die sich um sie kümmern.
via fnp: Limesschüler reinigen Stolpersteine – eine Woche nach Afd-Veranstaltung
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