Die veröffentlichten AfD-Mails geben einen tiefen Einblick in die Partei – in problematische Mitglieder und Ex-Mitglieder, internen Streit und Listen angeblicher Antifa-Aktivisten. (…) Einige Erkenntnisse kristallisieren sich aber unterdessen heraus: Die Details der parteiinternen, teils hitzigen Konflikte, die zuweilen auch zu Parteiausschlüssen führten. Nicht selten ging es dabei auch um NS-verherrlichende und verschwörungsideologische Positionen einzelner (Ex-)Mitglieder. Auch Roland Oschlies, der auf der Homepage der AfD Aachen als Sprecher gelistet ist, galt intern offenbar als problematisch. Bis Redaktionsschluss ließ sich nicht bestätigen, ob Oschlies heute noch eine Funktion innerhalb der extrem rechten Partei hat. In einer Mail mit zahlreichen Anhängen sind diverse Facebook-Posts von Oschlies dokumentiert, er spricht unter anderem davon, dass eine „satanische Rothschild-Bande in verdeckter Zusammenarbeit mit den Jesuiten, ‚Illuminaten‘ usw.“ beide Weltkriege „eingefädelt“ habe. In anderen Posts suggeriert er zudem, der Überfall der Wehrmacht auf Polen im Zweiten Weltkrieg habe nicht stattgefunden. Der Bewegung „Black Lives Matter“ sowie nicht näher benannten „antifaschistischen Bewegungen“ unterstellt er, diese wollen „dass wir sterben und durch Dunkelhäutige ersetzt werden“. So findet sich in dem Leak ein Dokument, das den Parteiausschluss von Benjamin Schrempp, ehemals AfD-Mitglied im Kreisverband Bottrop, bestätigt. Schrempp soll an einem AfD-Stand in der Bottroper Fußgängerzone eine „Flagge mit Hakenkreuzsymbolik“ verkauft haben. Ein weiterer Antrag auf Parteiausschluss beschäftigt sich mit einem Mitglied des AfD-Kreisverbandes Rostock, Frank Lemp. Dieser soll gemäß dem Schreiben in seinem Whatsapp-Status „eine Fotografie, die eine Standarte mit dem verbotenen SA-Schriftzug ‚Deutschland erwache‘“ mitsamt eines Hakenkreuzes eingestellt haben. Zudem soll Lemp an einer Veranstaltung der NPD teilgenommen haben. „U-Boote“ der Identitären Bewegung Darüber hinaus deuten verschiedene Mails und Dokumente darauf hin, dass mehrere aktive AfD-Mitglieder Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen pflegten, die von ihnen als unproblematisch angesehen werden. So findet sich etwa in einem Mailverlauf eine Rechtfertigung des AfD-EU-Politikers Hans Neuhoff, der seine Teilnahme an Veranstaltungen des rechtsextremen „Instituts für Staatspolitik“ (IfS) von Verleger Götz Kubitschek rechtfertigt, das mittlerweile nicht mehr existiert. (…) Viele Mails geben darüber hinaus einen Einblick darin, wie die AfD über vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner denkt. 2017 überlegen AfD-Funktionäre, wie sie mit einem angeblichen Antifa-Fotografen beim Bundesparteitag in Hannover umgehen sollen. Er gab sich als Bild-Fotograf aus und erhielt eine Akkreditierung für die Veranstaltung. Doch für die Bild habe der Fotograf nie gearbeitet, erzählt er der taz im Gespräch – und das wissen auch die AfD-Funktionäre. Vor dem Bundesparteitag stellt sich die Frage, ob die Partei dem Fotografen absagt oder nicht. Andernfalls könne man ihn „vor Ort hopps“ nehmen, heißt es. Unter genauerer Beobachtung habe er jedenfalls gestanden, denn auf einer Liste mit Medienschaffenden sei allein sein Name rot markiert gewesen. „Hopps“ genommen wird er am Ende aber nicht. Der Fotograf ist nicht der Einzige, dem die AfD eine linke politische Gesinnung zuschreibt. Auch Journalistinnen des SWR, der italienischen Zeitung Milano Finanza und vom Verlag DuMont sind auf einer Liste als Linksaktivistinnen markiert. Eine weitere Liste taucht in den geleakten Mails auf. Diesmal sammelt sie angebliche Mitglieder der Antifa. Während Jürgen Antoni, Sprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, in seiner Mail von 2.000 Namen spricht, enthält das Excel-Dokument 24.521 Namen. Die Liste ist akribisch geführt: Sie enthält Vor- und Nachnamen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Ob die Personen tatsächlich Teil der Antifa waren, ließ sich zum jetzigen Stand nicht verifizieren. Laut Antoni soll die Liste helfen „einen wachen Blick auf das Völkchen“ zu haben. „Das freundliche Gesicht des NS“ Besonders viel Einblick geben die Mails in das Parteiausschlussverfahren des AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Die Akte mit Beweismaterial, die das Landesschiedsgericht der AfD Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr ihrem Entschluss zu Grunde legte, Helferich auszuschließen, findet sich im Verlauf. Gerade in diesen Mails ist der harsche Umgangston zwischen AfD-Funktionären ersichtlich – der sich besonders in der direkten Kommunikation mit Matthias Helferich zeigt
via taz: Erkenntnisse aus dem AfD-Leak Feindeslisten und Hakenkreuzfahnen
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