Windkraft-Protest in Ostthüringen wird zur Bühne für rechte Ideologie: AfD und „Freies Thüringen“ verbinden Naturschutz mit völkischen Erzählungen über „Heimat“ und „Seelenlandschaft“  und knüpfen dabei an verschwörungsideologische und antisemitische Deutungsmuster an. Die Szenerie wirkte wie ein Lehrstück völkischer Umweltpolitik: Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich am 25. April in Linda, einem kleinen Dorf im Saale-Orla-Kreis, ein Demonstrationszug gegen den dort entstehenden Windpark in Bewegung, besetzt mit prominenten Rechtsextremen. An der Spitze lief AfD-Chef in Thüringen, Björn Höcke, flankiert vom rechten Streamer Sebastian Winter alias „Weichreite TV“.  Der AfD-Kreisverband Saale-Orla hatte zuvor zu einer „Demonstration gegen Windindustrie“ aufgerufen. Schon diese Mobilisierung setzte den Ton: Es ging nicht nur um Energiepolitik, sondern um „Heimat“, „Naturzerstörung“ und die angebliche Verteidigung der „Schönheit unseres Landes“. Dem Aufruf folgte ein breites Spektrum rechter und rechtsextremer Akteure in Thüringen, vom Geraer AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Lauerwald bis hin zum rechtsextremen Reichsbürger Frank Haußner. Haußner, der aus Zeulenroda stammt, ist Anmelder der sogenannten Montagsspaziergänge in Gera und als zentrale Figur von „Freies Thüringen“ ein wichtiges Bindeglied zwischen der AfD und dem rechtsextremen Protestmilieu in Ostthüringen. „Freies Thüringen“ ist eines der zentralen rechtsextremen Protestnetzwerke in Thüringen und trat zunächst vor allem im Kontext der Corona- und sogenannten Montagsspaziergänge in Erscheinung. Laut der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen ist Frank Haußner eine zentrale Mobilisierungsfigur des Netzwerks, das Verbindungen in die Reichsbürger- und Neonazi-Szene unterhält und zugleich enge Bezüge zur AfD pflegt. Anlass der Demonstration war die geplante Erweiterung des Windparks Linda I. Auf den westlich angrenzenden Ackerflächen wird derzeit der Windpark Linda II gebaut. Vorgesehen sind mindestens acht moderne Windenergieanlagen. Der daraus jährlich erzeugte Strom könnte nach Angaben des Unternehmens den Bedarf von etwa 16.000 Haushalten decken. Vor Ort ist das Projekt seit Monaten umstritten: Bürgerinitiativen und Kommunalpolitiker*innen kritisieren Rodungen, Eingriffe in Natur und Landschaft und mögliche Folgekosten für den Rückbau.  Für die AfD in Thüringen aber ist der Protest gegen Windkraft längst mehr als ein lokales Politikum. Sie versucht, das Thema strategisch zu besetzen und zu einem landesweiten Mobilisierungsschwerpunkt auszubauen. Das zeigte auch ein „Anti-Windindustrie-Symposium“ der AfD‑Fraktion am 9. Mai. Dort ging es nicht nur um Umwelt- und Energiepolitik gehen, sondern auch um kommunale Gegenstrategien und „Rechtsmittel & -wege im Kampf gegen die Windindustrie“.

via belltower: Völkisch gegen Windkraft