Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie. Wenn berichtet wird, dass es in der Bundeswehr zwei Kasernen gibt, die nach dem Generalfeldmarschall der Wehrmacht, Erwin Rommel, benannt sind, gibt es erstaunte und betroffene Gesichter. Oft lautet dann die Frage: »Wirklich«? Antwort muss lauten: »Ja, wirklich. Eine in Dornstadt und die andere in Augustdorf.« Ralph Giordano kämpfte in seinem im Jahre 2000 erschienen Buch »Die Traditionslüge« gegen die Benennung von Kasernen nach Rommel unter Hinweis auf seine Verbrechen im Rahmen des Afrikafeldzuges. Der von der Nazi-Propaganda und in Nachkriegsfilmen zum »Wüstenfuchs« verklärte Rommel plante mit seinen Soldaten über Ägypten in nach Palästina weiterzumarschieren. Geplant war dabei ebenfalls die Vernichtung der zu dieser Zeit rund 400.000 in Palästina lebenden Juden, und zwar in Kooperation mit einem prominenten Nazi-Kollaborateur, dem Mufti von Jerusalem Hadsch Amin al-Husseini. Eine eigene SS-Spezialeinheit wurde zusammengestellt und wartete unter dem Befehl von Walther Rauff, Erfinder der »Gaswagen«, in Griechenland darauf, im Falle eines Sieges über die englische Armee diese durchzuführen. (…) Es soll auch nicht vergessen werden, dass die italienisch und deutsche Luftwaffe im Rahmen der Vorbereitung des Afrikafeldzuges Tel-Aviv und Haifa schon am 8. September 1940 und ein weiteres Mal am 12. Juni 1941 bombardierten. An die 157 Opfer dieser Angriffe erinnert in Tel Aviv an der Kreuzung Ben-Zion-Boulevard-King George Street ein Mahnmal. Dafür bedeutete der von Rommel seit Februar 1941 in Afrika geführte Feldzug für die Juden vor Ort Verfolgung, Raub und Zwangsarbeit. Allein in Tunesien wurden rund 5000 Juden für den Bau von Straßen und Verteidigungsanlagen eingesetzt, viele starben dabei. Etwa 30 Arbeitslager wurden errichtet. Rauff selbst erschien dort und erpresste mit der Drohung, Geiseln zu erschießen, von jüdischen Gemeinden Schmuck und Edelmetalle, allein auf der Insel Djerba knapp 50 Kilo Gold. All das geschah zur Unterstützung des Afrikafeldzuges des Generals Erwin Rommel. Und unter seinen Augen. (…) Und seine Soldaten handelten entsprechend, wie Berichte und die Statistik der massakrierten und ermordeten Tausenden italienischen Partisanen und Soldaten zeigen. Auch wenn nicht noch im Einzelnen auf die Zusammenarbeit Rommels nach dem Ersten Weltkrieg mit den völkischen Freicorps, auf seine Befürwortung des Röhm-Putsches oder seine Beteiligung an den Einmarsch in Österreich, Tschechoslowakei, Polen und Frankreich ebenso wenig eingegangen werden kann – der Afrikafeldzug allein müsste doch genügen, meinte Giordano, damit die 1961 vom damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß nach dem »Wüstenfuchs« benannten Kasernen umbenannt würden. Giordano irrte sich, der Namen blieb.

via ja: Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Categories: Revisionismus

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