Poppe Gerken war viele Jahre beliebter Unternehmer – dann feierte die AfD eigene Fahnen auf seinem Bahnhofsgebäude. Heute hat Gerken einiges verloren, fühlt sich in der Rückschau ausgenutzt. „Unser Land – unsere Regeln“, steht auf einem Banner am Bützower Bahnhofsgebäude. Die AfD feiert dort Ende August 2025 ein Sommerfest. Das Konterfei der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel hängt außen am obersten Geschoss, darüber wehen AfD-Fahnen ins Land. Drinnen ist die Laune gut. Poppe Gerken, Landwirt und Besitzer des Bahnhofs, begrüßt die Gäste. Als ihn ein Reporter nach Gründen für die Party fragt, wird es ungemütlich. Gerken braust auf. Er lässt den Journalisten stehen. „Bützow ist erobert“ ging in sozialen Medien viral Über Wochen ist Bützow damals bundesweit in den Schlagzeilen – weil AfD-Fahnen auf dem Bahnhof wehen, der dem Privatmann seit 2014 gehört. Züge halten auf den Gleisen daneben, Fahrgäste sind irritiert. „Bützow ist erobert“, postet AfD-Landtagsabgeordneter Martin Schmidt aus Schwerin bei TikTok – und steht auf dem Bahnhofsdach. Demos dagegen finden später vor der Tür statt. Es gibt Berichte, die in Teilen rechtsextreme Partei wolle den Bahnhof kaufen, als Zentrale ausbauen. Eine Stadt ist gespalten. Mittendrin Bahnhofsinhaber Poppe Gerken. Ein Mann, der 1991 voller Träume aus Ostfriesland nach Bützow kam, eine Landwirtschaft aufbaute, Kinder aufzog, gesellschaftlich aktiv war, meist gute Laune versprühte. Jemand mit einem gewinnenden Lächeln. Das Lächeln ist jetzt weg. Was macht die Polarisierung einer Gesellschaft, die Zuspitzung mit ihren Menschen? Poppe Gerken hat es erfahren, mit verursacht, reagiert. Ja, er habe stets seine Meinung gesagt. So sei er halt. Ein Dickschädel. (…) Er sei Patriot und Pazifist, erklärt der 66-Jährige. Vor gut zwei Jahren habe er Kontakt zur AfD bekommen, sagt er. Auslöser: Russland und der Krieg in der Ukraine. Für ihn sei das kein Angriffskrieg. Vielmehr sei Russland „der russischstämmigen Bevölkerung im Donbas zu Hilfe gekommen“. So sehe er das. Die USA seien vielmehr der Kriegstreiber gewesen, die Nato immer dichter an Putins Reich herangerückt. Diese Positionen habe damals auch die AfD vertreten. Daher sein Interesse. Er sei aber nie Parteimitglied gewesen. Und doch werde er als „Nazi“ bezeichnet. Gerken schüttelt den Kopf. „Poppe Gerken – ein Nazi.“ Er, der gern die Welt bereise, andere Kulturen liebe, aktuell Kurden Unterkunft biete.

via nordkurier: Flaggen-Debatte „Bützow ist erobert“: Wie eine AfD-Aktion den Besitzer des Bahnhofs und eine Kleinstadt veränderte