Ein Ehepaar ist ohne seine drei kleinen Kinder in die Türkei abgeschoben worden – obwohl die Frage des Sorgerechts nicht abschließend geklärt ist. Das Innenministerium verweist auf fehlende Papiere, der Flüchtlingsrat kritisiert “Abschieben um jeden Preis”. Am Montag, 3. August, ließ das Land Hessen Özlem A. und Metin K. in die Türkei abschieben – ohne ihre kleinen Kinder, darunter ein Säugling. Dabei war nach Aussage der Anwältin der Eltern, Gönül Halat-Meç, das Sorge- und Umgangsrecht zu dem Zeitpunkt nicht abschließend gerichtlich geklärt und ist es auch nach wie vor nicht. Eine derartige Trennung von Eltern und Kindern gab es laut Hessischem Flüchtlingsrat in Hessen noch nie. Die Anwältin kann es immer noch nicht fassen, dass ihre Mandantin und ihr Mandant tatsächlich ohne ihre Kinder abgeschoben worden sind – die Kleinen seien drei und anderthalb Jahre sowie fünf Monate alt. “So einen Fall habe ich noch nicht gehabt, und ich bin seit 30 Jahren Anwältin”, sagt Gönül Halat-Meç entgeistert. Am 21. August findet das Hauptsacheverfahren am Familiengericht Frankfurt statt, in dem alle Beteiligten angehört werden und endgültig über das Sorge- und Umgangsrecht entschieden werden soll. Dann wird also geklärt, ob die Kinder wieder bei den Eltern leben können oder ob diese überhaupt Kontakt haben dürfen. “Mit der Abschiebung ist die Entscheidung praktisch schon gefallen. Wie soll ein Umgang zwischen Eltern und Kindern stattfinden, wenn die Eltern dort sind und die Kinder hier?”, argumentiert die Anwältin. Nach Angaben von Unterstützerinnen und Unterstützern, auf die sich der Hessische Flüchtlingsrat beruft, haben die Eltern seit der vorläufigen Sorgerechtsentziehung im Februar weiterhin Umgangsrecht gehabt.

via hessenschau “Noch nie so einen Fall erlebt” Eltern abgeschoben – Kleinkinder und Säugling bleiben zurück

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